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Martin Kaymer war bereits vier Mal "Player of the Year" der PGA in Deutschland © getty

Er tritt als Weltbester an - dennoch denkt Kaymer lange nicht an das legendäre Grüne Sakko des Gewinners von Augusta.

Augusta - Am Donnerstag um 10.19 Uhr Ortszeit wiederholt sich beim 75. US Masters deutsche Golfgeschichte.

25 Jahre nach Bernhard Langer wird Martin Kaymer als zweiter Deutscher beim US Masters als Nummer eins der Welt an den ersten Abschlag gehen.

"Das ist etwas Besonderes und macht mich sehr stolz. Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung", sagte der 26-Jährige aus Mettmann vor seinem großen Moment.

Doch nicht nur der erste Drive des Rheinländers im Flight mit dem Engländer Lee Westwood und Matt Kuchar aus den USA wird vom fachkundigen Publikum an der berühmten Magnolia Lane mit Argusaugen beobachtet.

Die täglich 40.000 Fans wollen sehen, ob der neue Branchenführer seiner Rolle gerecht wird und den schweren 6799 Meter langen Par-72-Platz mit seinen vielen Tücken nach dreimaligem Scheitern am Cut endlich in den Griff bekommt.

Auch Martin Kaymer selbst will den nächsten Schritt machen. "Ich habe zuletzt immer zu viel gewollt, mir zu viel Druck gemacht", schildert er sein mentales Problem.

Auch sein Spiel offenbarte beim Herantasten an die sportlichen Grenzen Schwächen. "Mein kurzes Spiel war hier einfach noch nicht gut genug. Ich habe viele kurze Putts nicht eingelocht", sagte Kaymer.

"Ich bin auch immer nur mit ein, zwei Schlägen am Cut gescheitert. Wenn mein kurzes Spiel besser ist, ist der Cut auch kein Problem", meinte der Weltranglistenerste weiter.

Mickelson in der Favoritenrolle

Der Schlüssel zum Erfolg in Augusta liegt in der Erfahrung.

Der dreimalige Sieger Phil Mickelson, der sich mit seinem Sieg am Sonntag in Houston urplötzlich wieder in die Favoritenrolle geschoben hat, meinte vor seiner 19. Teilnahme: "Mit den Jahren weißt du einfach, wie du den Platz zu spielen hast, egal, wo auf dem Grün die Fahne steht."

Das muss Martin Kaymer noch lernen, auch als Nummer eins. So legte er in seinen beiden spielfreien Wochen im Training besonderen Wert auf sein kurzes Spiel.

Kaymer backt kleine Brötchen

Sein Ziel ist bescheiden: "Ich will mich endlich für das Wochenende qualifizieren." Nicht vom Sieg zu sprechen, klingt realistisch angesichts der Tatsache, dass seine bislang beste Runde eine 71 (2009) war.

Dennoch gehört Kaymer beim Wettanbieter bwin mit einer Quote von 210:10 als Nummer fünf zum erweiterten Kreis der Anwärter auf das begehrte grüne Sieger-Jackett. Das wenigste Geld gibt es bei einem neuerlichen Erfolg von Titelverteidiger Phil Mickelson (70:10).

Trotz seiner anhaltenden sportlichen Krise wird der seit 17 Monaten sieglose viermalige Masters-Champion Tiger Woods noch als Nummer zwei (110:10) geführt.

(Mo., 23.50 Uhr: die Audi Golf-News im TV auf SPORT1)

Krisenlder Woods gibt sich wortkarg

Der gestrauchelte US-Superstar gibt sich ein Jahr nach seiner Rückkehr auf den Golfplatz nach Ehekrise und zahlreichen Sexaffären optimistisch, aber auch extrem einsilbig.

Ob er sich bereit für den Sieg fühle? Woods: "Mm-hmmm." Welche Teile seines Spiel bereit seien? Woods: "Alle." Ob er immer noch glaube, den Rekord von Jack Nicklaus mit 18 Major-Siegen brechen zu können? Woods: "Mm-hmmm."

14 Major-Titel hat der erste Sport-Milliardär bislang auf dem Konto. Der Weg zu Titel Nummer 15 ist lang und führt auch für Woods vor allem über die starken Europäer, die fünf der ersten Sechs der Weltrangliste stellen.

Allerdings datiert der letzte Erfolg eines Europäers aus dem Jahr 1999. Damals feierte der kommende Ryder-Cup-Kapitän Jose Maria Olazabal (Spanien) seinen zweiten Triumph.

Keine Hilfe von Luke Donald

Für Martin Kaymer kommt der Favorit in diesem Jahr aus England. "Luke Donald hat ein unglaubliches kurzes Spiel und schlägt den Ball sehr gerade. Er hat die besten Chancen", sagt der US-PGA-Champion.

Kaymer war so beeindruckt vom Spiel seines Ryder-Cup-Kollegen, dass er diesen nach dem Geheimnis seines kurzen Spiels fragte.

Kaymer: "Er sagte, er wisse es nicht. Da habe ich ihm gesagt, okay, ich verstehe."

Deutsches Traumduell fällt flach

Gerne hätte sich Martin Kaymer am Dienstag auf einer Trainingsrunde noch ein paar Tipps von Bernhard Langer geholt, doch der musste wegen einer Daumen-Operation nach einem Sturz mit dem Fahrrad erstmals seit 1984 auf einen Start verzichten.

90544(DIASHOW: Die Legenden von Augusta)

So ganz ohne deutsche Begleitung ist Kaymer aber dennoch nicht. Der Münchner Alex Cejka hat sich durch seinen achten Platz bei der US Open 2010 zum dritten Mal für das Masters qualifiziert.

"Ich fühle mich gut und bin mit meinem Spiel eigentlich sehr zufrieden," sagte der 40-Jährige, "der Platz ist in hervorragendem Zustand, und die Grüns sind wie immer sehr schnell. Mein erstes Ziel ist der Cut, dann werden wir sehen, wo die Reise hingeht."

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