vergrößernverkleinern
Vorjahressieger Phil Mickelson zieht Charl Schwartzel das grüne Jackett an © imago

Schwartzel gewinnt beim US Masters das grüne Jackett. Die Organisatoren bekommen schlechte Presse wegen ihrer archaischen Regeln.

Augusta/München - Charl Schwartzel ließ sich auf dem 18. Grün schon als neuer US-Masters-Champion feiern, da lief der tragische Held Rory McIlroy immer noch frustriert seinem widerspenstigen Golfball hinterher.

Mit vier Schlägen Vorsprung war der 21-jährige Nordire auf die Schlussrunde gegangen, mit kapitalen Fehlschlägen jedoch lieferte der Mann aus Holywood ein weiteres jener berühmten Dramen von Augusta, die schon Größen wie Ben Hogan, Arnold Palmer und Greg Norman geschrieben hatten.

Ein spannendes Finale in dem Traditionsturnier - das sich aber gleichzeitig mit unangenehmen Schlagzeilen im Zusammenhang mit den archaischen Regeln seiner Organisatoren auseinandersetzen musste.

Nach einer katastrophalen 80er-Runde rutschte McIlroy auf den 15. Platz ab, zehn Schläge betrug am Ende der Rückstand auf den Sieger.

"Ich bin restlos enttäuscht. Es wird einige Zeit brauchen, bis ich das verdaut habe", sagte der "Master of Desaster" McIlroy nach seinem unglaublichen Einbruch(Mo., 23.50 Uhr: die Audi Golf-News im TV auf SPORT1).

"Ein Traum für mich"

Dagegen jubelte der Südafrikaner Schwartzel. "Das ist ein Traum für mich. Ich habe immer gedacht, wenn ich ein Major gewinne, dann dieses", sagte der 26-Jährige aus Johannesburg, der im Klubhaus traditionell vom Vorjahressieger - Phil Mickelson - das grüne Jackett des Siegers übergestreift bekam 90544(DIASHOW: Die Legenden von Augusta).

Charl Schwartzel blieb vor der gewaltigen Kulisse von 40.000 Zuschauern nervenstark, spielte als erster Masterssieger Birdies auf den letzten vier Löchern und holte sich mit 274 Schlägen sein erstes Major vor den beiden Australiern Adam Scott und Jason Day (beide 276).

Alex Cejka belegte mit 288 Schlägen Rang 35, Martin Kaymer war am Cut nach zwei Runden gescheitert, bleibt aber dennoch die Nummer eins der Welt. Schwartzel machte einen Sprung von Rang 29 auf Platz 11.

Eine Legende gratuliert via Twitter

Er sorgte für den dritten Masters-Sieg eines Südafrikaners überhaupt.

Und dies genau 50 Jahre nach dem ersten Triumph seines berühmten Landsmannes Gary Player, der danach noch zweimal gewann und dem neuen Champion via Twitter gratulierte: "Das war genau so, wie ein Champion seine Runde beenden sollte. Ich freue mich so für ihn und den Golfsport in Südafrika."

2008 hatte Trevor Immelman als letzter Mann vom Kap gewonnen.

Einbruch an den letzten Löchern

Des einen Freud, des anderen Leid: Drei Tage lang hatte sich Ryder-Cup-Gewinner Rory McIlroy wie ein echter Champion präsentiert, das Golfspiel zelebriert und alle Angriffe auf dem traumhaften Par-72-Platz an der Magnolia Lane mit Eiseskälte abgewehrt.

Das grüne Jackett hing praktisch schon über seinen Schultern, doch der begehrte Stoff erwies sich noch als eine Nummer zu groß. Das Unheil nahm mit einem verpassten Par-Putt an Loch 1 am Sonntag seinen Lauf.

[kaltura id="0_izcyeh6r" class="full_size" title="Golfen Der passende Schl ger "]

Trotz aller Schwächen behauptete der Weltranglisten-Neunte zunächst seine Führung, dann aber wurde es ernst. In Augusta, so heißt es, beginnt das Masters mit den letzten neun Löchern. Für McIlroy sollte sich dies auf bitterste Art bestätigen.

Wie ein Landvermesser

Der Brite wirkte plötzlich wie der nette Herr vom Landesvermessungsamt. Sein Abschlag an der 10 (Par 4) landete weit rechts von der Spielbahn zwischen den Bungalows der Klubmitglieder.

Nach seinem Rettungsschlag zurück aufs Fairway landete sein langer Ball aufs Grün plötzlich weit links, beim Schlag aufs Grün stand dann ein Baum im Weg. Hilfloses Kopfschütteln. Und nach drei weiteren Schlägen war das Triple-Bogey perfekt. Es folgten ein Bogey an der 11 und ein Doppel-Bogey an der 12. Die sechs Schlagverluste an drei Löchern waren wie der K.o.-Schlag.

"Danach wusste ich: Das wars, ich hatte keine Chance mehr", sagte McIlroy, der sich jedoch auch wieder Hoffnung machte: "Das war ein charakterbildender Tag, ich werde stärker daraus hervorgehen."

Woods von den Fans gefeiert

Zusätzlich an den Nerven des Nordiren zehrten die Jubelschreie der Fans auf der Anlage. Gar ohrenbetäubend wurde der Lärm nach gelungenen Schlägen von Tiger Woods.

Der Superstar lief auf den ersten neun Löchern heiß und erinnerte an seine gute alte Zeit, in der er seine 14 Major-Titel sammelte wie andere Leute Briefmarken. Fünf unter Par lautete die Zwischenbilanz des Tigers, der plötzlich sogar geteilter Erster war.

Doch auf den zweiten Neun ließ Woods gute Gelegenheiten auf den Grüns liegen, wie etwa ein Eagle an der 15. "Ich hätte leicht noch drei, vier Schläge besser spielen können", sagte Woods enttäuscht. Auf dem Leaderboard musste er neben Schwartzel auch Scott und Day passieren lassen und wurde mit 278 Schlägen Vierter.

Reporterin beschert schlechte Presse

Für die Organisatoren des Augusta Masters wurde der Schlusstag von einem Missklang begleitet: Eine Reporterin, der während des Turniers der Einlass zur Umkleidekabine verwehrt wurde, bescherte ihnen schlechte Presse.

"Schlimm genug, dass es keine weiblichen Klubmitglieder in Augusta gibt. Mich nicht in die Umkleide zu lassen, ist aber einfach falsch", beschwerte sich die Journalistin Tara Sullivan.

Turniersprecher Steve Ethun entschuldigte sich für das "Missverständnis, dem ein einzelner Security-Mann aufsaß". Weibliche Reporter haben seit 1985 Zutritt hinter die Kulissen des Turniers.

Ethun musste sich darauf die Frage gefallen lassen, ob die Regeln des Augusta National Golf Club, der keine Frauen aufnimmt, Ursache des Missverständnisses war. Die schmallippige Antwort: "Über Mitgliedsfragen kann nur unser Vorsitzender Auskunft geben."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel