vergrößernverkleinern
Martin Kaymer ist in der siebten Woche in Folge Nummer eins der Welt © getty

Die deutsche Nummer eins kassiert für ihr erneutes Scheitern beim US-Masters Hohn und Spott in der internationalen Presse.

Von Martin Hoffmann

München - Es war nicht das erste Mal, dass Martin Kaymer beim US-Masters in Augusta antrat.

Und auch nicht das erste Mal, dass er dort am Cut scheiterte(BERICHT: Schwartzel siegt in Augusta).

Es war jedoch das erste Mal, dass es im grellen Scheinwerferlicht passierte, in das er sich mit seinem Aufstieg zur Nummer eins der Weltrangliste begeben hat 358504(DIASHOW: Kaymers Karriere).

Er ist nun nicht mehr das große Golftalent, das in Augusta nicht zurechtkommt. Er ist jetzt die Nummer eins, die beim wichtigsten Turnier der Welt in vier Anläufen jedes Mal den Cut verpasst hat - und damit weltweite Verwunderung auf sich zieht, teils übergehend in bösen Spott.

"... dann würde aus der Nummer 1 womöglich die Nummer 1000"

"Kaymer ist die Nummer eins, aber Augusta ist Nummer eins auf der Liste der Kurse, auf denen er ahnungslos ist", schrieben die "Dallas Morning News" über den 26-Jährigen.

(Mo., 23.50 Uhr: die Audi Golf-News im TV auf SPORT1)

"Augusta lässt Martin Kaymer wieder grün zurück", witzelte der "Boston Herald".

"Wenn Kaymer das Augusta National jede Woche spielen müsste, würde aus der Nummer 1 womöglich die Nummer 1000", amüsierte sich die "New York Post".

Unbedachte Worte

Kaymer verstärkte den Sturm der schlechten Schlagzeilen mit seinem wohl etwas unbedachten Kommentar nach der ersten Runde, die er mit einer 78, also sechs über Par abschloss.

"Ich weiß tatsächlich nicht, wie ich diesen Platz spielen soll", hatte Kaymer erklärt.

[kaltura id="0_izcyeh6r" class="full_size" title="Golfen Der passende Schl ger "]

Ein Satz, den er nach der besseren zweiten Runde (72 Schläge) wieder relativierte ? womöglich vor Schreck über das, was er ausgelöst hatte: "Da habe ich wohl ein wenig überzogen."

Der Satz hat dennoch das Potenzial, ihn ewig zu verfolgen.

Auf Lendls Spuren

Denn auch wenn Kaymer trotz des neuerlichen Augusta-Debakels Platz eins behalten hat, klebt an ihm nun der Makel eine Eins mit Sternchen zu sein, neben dem in der Fußnote steht: "Nicht gut genug für das größte Turnier der Welt."

Die "Süddeutsche Zeitung" zieht den Vergleich zu Tennis-Spieler Ivan Lendl, der jahrelang die Szene dominierte.

Aber doch vor allem in Erinnerung blieb, als der Mann, der nie Wimbledon gewann - und sich so nie den letzten Rest an Anerkennung erwarb.

Zu wenig angepasst - oder zu sehr?

"Kaymer wird die Konsequenzen aus seinem Auftritt ziehen und sein Spiel besser auf Augusta einstellen müssen", so die Folgerung.

Kaymer allerdings sieht es gerade als seinen "großen Fehler" an, "dass ich versucht habe, besonders zu spielen anstatt mein eigenes gewohntes Spiel zu spielen. Ich wollte mich dem Platz zu sehr anpassen."

Er gab sich nach der zweiten Runde sicher: "Ich habe wieder etwas gelernt, was ich mitnehmen kann."

"Ich mag den Platz"

Besserungsbekundungen, deren Wert sich erst im kommenden Jahr überprüfen lässt.

Eines aber hat Kaymer jedenfalls gelernt: Dass er seine Ratlosigkeit vor der großen Aufgabe Augusta nicht so offen zur Schau stellen sollte.

"Ich mag den Platz", erklärte er vor seiner Abreise gar noch.

Das klang dann doch ein wenig nach Notlüge.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel