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Severiano Ballesteros wurde 1999 in die World Golf Hall of Fame aufgenommen © imago

Severiano Ballesteros erliegt mit 54 Jahren den Folgen einer Gehirntumor-Erkrankung. Für Freunde war "Vorbild und Inspiration".

Santander/München - Ballesteros hat den härtesten Kampf seines Lebens verloren und die Golf-Welt mit seinem Tod am frühen Samstagmorgen in tiefe Trauer gestürzt.

"Um 2.10 Uhr ist Severiano Ballesteros im Kreis seiner Familie in seinem Haus in Pedrena gestorben", teilten die Angehörigen auf der offiziellen Homepage des 54-Jährigen mit.

Gleichzeitig bedankte sich die Familie "für die Unterstützung und Anteilnahme" und bat darum, "die Privatsphäre in dieser schmerzvollen Zeit zu respektieren".

Zweieinhalb Jahre hatte Ballesteros mit aller Kraft gegen seinen golfballgroßen Gehirntumor gekämpft, der Ende 2008 nach seinem Zusammenbruch auf dem Madrider Flughafen entdeckt worden war.

In der Folge war "Seve" viermal am Gehirn operiert worden und hatte sich zahlreichen Chemotherapien unterzogen. Am Mittwoch (13.00 Uhr) wird Ballesteros in seiner Geburtsstadt Pedrena beerdigt. Er hinterlässt drei Kinder.

"Ein Genie, ein Vorbild, ein Freund"

Die Nachricht von seinem Tod versetzte Spieler, Offizielle und langjährige Wegbegleiter in einen Schockzustand.

"Das ist ein trauriger Tag. Wir haben eine Inspiration, ein Genie, ein Vorbild, einen Helden und einen Freund verloren. Ruhe in Frieden, Seve", twitterte der Weltranglistenerste Lee Westwood.

Eine ganze Region trauert

Der Engländer drückte damit das aus, was viele empfanden. Bei der Spanish Open in Terrassa, die Ballesteros dreimal in seiner ruhmreichen Karriere gewann, wurde eine Schweigeminute eingelegt.

In der nordspanischen Region Kantabrien wurde eine dreitägige Trauer angeordnet. Die Fahnen wurden dort ebenso auf halbmast gehisst wie in Terrassa.

Auf der Driving Range erfuhren Jose Maria Olazabal und Miguel Angel Jimenez vom Tod Ballesteros'.

Die beiden Spanier nahmen sich in die Arme und ließen ihren Tränen freien Lauf, Ausdruck ihrer engen Verbundenheit mit dem Verstorbenen.

"Ich verdanke dem Golf alles"

Dies gilt besonders für Jose Maria Olazabal, "Seves" kongenialen Partner bei zahlreichen Ryder-Cup-Triumphen.

Gemeinsam halten sie mit elf Punkten in 15 gespielten Vierern den noch gültigen Rekord.

Seit vergangenem März ist Olazabal, selbst zweimaliger US-Mastersieger, auch Botschafter der von Severiano Ballesteros ins Leben gerufenen Krebsforschungs-Stiftung in Madrid.

Zudem unterstützte Ballesteros weniger betuchte Golf-Talente.

"Ich verdanke dem Golf alles und bin froh, dass ich junge bedürftige Menschen unterstützen und fördern kann", sagte er zu seiner Initiative.

"Es war nicht leicht"

Trotz aller Erfolge - insgesamt 87 Turniere weltweit - blieb der fünfmalige Major-Gewinner Severiano Ballesteros (dreimal British Open, zweimal US Masters) bescheiden.

"Ich bin stolz und sehr glücklich über das, was ich dem Golf verdanke", sagte "Seve" und meinte rückblickend auf seine Karriere: "Es ging alles so wahnsinnig schnell. Es ist ja auch so viel passiert. Ich kann kaum glauben, dass ich so viele Turniere gewonnen habe. Aber ich sage ihnen: Es war nicht leicht, es hat viel Kraft gekostet, auch mental."

"Seve" räumte fast alles aus dem Weg

Ballesteros hatte Mitte der siebziger Jahre die Golf-Welt im Sturm erobert. Spektakulär war sein erster British-Open-Triumph 1979.

Drei Jahre nach Platz zwei ließ er sich durch keine brenzlige Situation aus der Ruhe bringen. Als sein Ball einmal auf einem Parkplatz landete, wurde kurzerhand das darüber stehende Auto weggefahren.

Ballesteros nahm Maß, legte den Ball in eine gute Position zur Fahne und machte das Birdie perfekt.

"Damit war ich besser als alle meine Konkurrenten", sagte Ballesteros und konnte sich bei der Erinnerung ein Lachen nicht verkneifen.

Als er den Siegputt gelocht hatte, fielen ihm auf dem Grün seine drei Brüder in die Arme. "Es hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben, dass sie dabei waren", sagte Seve.

"Er war unsere Inspiration"

Ballesteros war ein Künstler auf dem Platz, ausgestattet mit einem unglaublichen Ballgefühl, einem harmonischen Schwung und einem Spiel, das keine Schwächen aufwies.

Mal spielte er den Ball kniend durch die Büsche hindurch zurück aufs Fairway, mal zeigte er Schläge, die eigentlich gar nicht möglich sind. Lehrfilme von ihm sind auch deshalb bis heute begehrt.

"Wir sind alle so gesegnet, dass wir in seiner Ära leben durften. Er war unsere Inspiration", hieß es am Samstag in einer Erklärung der Europa-Tour, die Ballesteros so viel zu verdanken hat.

Der vielleicht beste Golfer Europas

Der Spanier war es, der die Bedeutung der Tour und des Golfs in Europa insgesamt auf ein neues Niveau hievte. 1980 war es "Seve", der als erster Europäer das US Masters in Augusta gewann.

"Das war schon sehr speziell", sagte der langjährige Rivale des deutschen Idols Bernhard Langer später.

Nach seinen unzähligen Triumphen zog sich der wohl beste europäische Golfer der Geschichte 2007 im Alter von 50 Jahren aus dem aktiven Golfsport zurück.

Ballesteros' Rücken schmerzte zu oft, der Körper forderte seinen Tribut. Ein Jahr später folgten der Zusammenbruch und die niederschmetternde Diagnose. Es war der Anfang vom Ende.

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