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Mit Bernhard Langer als Kapitän gewann die Europa-Auswahl 2004 den Ryder Cup © imago

Die Kampagne um Bernhard Langer hofft, trotz großer Widerstände den prestigeträchtigen Wettbewerb nach Deutschland zu holen.

München - Für den deutschen Golfsport schlägt die Stunde der Wahrheit. Im Wentworth Club im englischen Virginia Water wird am Dienstag der Ryder Cup 2018 vergeben.

Dabei hofft die deutsche Kampagne "Emotions made in Germany" um Leitfigur Bernhard Langer trotz der Ignoranz der deutschen Politik auf den Zuschlag. Es wäre das erste Deutschland-Gastspiel des seit 1927 ausgetragenen Kontinentalvergleiches zwischen Europa und den USA.

"Das ist eine einmalige Chance, einen Boom im Golfsport in Deutschland auszulösen und die wichtigste Sportveranstaltung der Welt nach Olympischen Spielen und der Fußball-WM nach Deutschland zu holen", sagte Bernhard Langer und unterstrich damit die Bedeutung des Turniers mit weltweit rund 750 Millionen Zuschauern.

Im Falle des Zuschlags würde der Platz in Neuburg an der Donau nördlich von München neu gebaut.

Langer schreibt an Kanzlerin

Hart traf Deutschlands Golf-Idol Bernhard Langer im Kampf gegen die Mitbewerber Spanien, Portugal, Frankreich und die Niederlande die Haltung der Politik.

Diese hatte es abgelehnt, sich zur Hälfte an der Lizenzgebühr von 18 Millionen Euro zu beteiligen. Auch Langers Brief an Kanzlerin Angela Merkel blieb ohne Wirkung. In Folge dessen zog die bayerische Staatsregierung ihre Zusage zurück, die andere Hälfte zu übernehmen.

Sie hatte ihre Beteiligung an einen finanziellen Beitrag des Bundes gekoppelt.

"Ich habe mir mehr erhofft"

Die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) sprang daraufhin in die Bresche und sagte zu, durch eine Erhöhung des Mitgliederbeitrages um 1,50 Euro über einen Zeitraum von zwölf Jahren zwischen 2011 und 2022 jährlich 750.000 Euro zur Verfügung zu stellen - insgesamt neun Millionen Euro.

"Ich habe mir mehr Unterstützung von den Politikern erhofft. Ich verstehe nicht, warum sie so kleinkariert denken. Sie schaden nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Wählern und unserem Land", sagte Bernhard Langer aufgebracht und wies auf die Nachhaltigkeit des alle zwei Jahre stattfindenden Prestigeduells hin.

"Eine einmalige Gelegenheit"

Laut fundierten Berechnungen hat die Veranstaltung für den Gastgeber einen Nachhaltigkeitseffekt von mehr als einer Milliarde Euro. Allein in der Ryder-Cup-Woche würden 60 bis 80 Millionen Euro an Mehrwertsteuer in die öffentlichen Kassen fließen.

"Jeder Geschäftsmann würde da sofort zusagen. Zudem könnten wir Deutschland weltweit präsentieren, für den Tourismus interessant machen", argumentierte der zweimalige US-Masterssieger Langer, der mit Siegen als Spieler und Kapitän Ryder-Cup-Geschichte mitgeschrieben hat.

"Das ist eine einmalige Gelegenheit. Diese Chancen werden wir nicht so oft haben", so der Anhausener, dessen Bruder Erwin als Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Ryder Cup Deutschland bis zuletzt den Dialog mit der Politik suchte. Vergebens.

Die Lobby fehlt

Vielmehr fiel der damals für den Sport zuständige frühere Innenminister Thomas de Maiziere dem Golfsport generell und der Bewerbung im Speziellen zusätzlich in den Rücken.

Der heutige Verteidigungsminister erklärte, der Ryder Cup sei ja "noch nicht einmal eine Weltmeisterschaft", und "nüchtern betrachtet handelt es sich um einen Wettbewerb zwischen Europa und den USA in einer Randsportart".

Die Empörung im deutschen Lager war entsprechend groß, verdeutlichte aber auch das Dilemma: Dem Golfsport fehlt hierzulande die Lobby.

"Gestandene Männer weinen sehen"

Der Weltranglistendritte Martin Kaymer als Botschafter der Bewerbung stuft den Ryder Cup, den er im Vorjahr gewonnen hat, aus eigener Erfahrung ganz anders ein.

"Der Ryder Cup ist einfach mit nichts zu vergleichen. Da könnte ich noch vier Majors gewinnen, es wäre kein Vergleich zu dem, was der Ryder Cup bewirken könnte. Deutschland hat ja bei der Fußball-WM 2006 bewiesen, was für eine unglaubliche Atmosphäre entstehen kann", sagte der 26-Jährige.

Auch in Bernhard Langer weckt der Ryder Cup besondere Emotionen. "Es gibt kein größeres Turnier. Ich habe dort gestandene Männer weinen und auf Tischen tanzen sehen", berichtete der Schwabe, für den der Zuschlag das I-Tüpfelchen auf seiner großartigen Karriere wäre.

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