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Rory McIlroy spielt seit 2010 auch in den USA auf der PGA Tour © getty

Nach seinem Sieg bei den US Open erhält der Nordire höchstes Lob von allen Seiten. Rory McIlroy sei schon jetzt eine Legende.

Bethesda - Als Rory McIlroy seine Rekordjagd gekrönt hatte und selig in den Armen seines Vaters lag, war in Holywood die Hölle los.

"Rory, Rory, Hallelujah!", sangen die Mitglieder seines Heimatklubs in der Bucht von Belfast immer wieder und tranken ein Pint nach dem anderen auf den neuen US-Open-Champion.

In der Manier des Golf-Superstars Tiger Woods war der 22-jährige Nordire in Bethesda/Maryland drei Monate nach seinem US-Masters-Trauma zum ersten Major-Triumph gestürmt und wurde selbst von den Konkurrenten gefeiert.

"Ich freue mich wahnsinnig für ihn. Er hat es wirklich verdient, das war nahezu Golf in Perfektion", sagte der deutsche Major-Gewinner Martin Kaymer, dem bei der Gala von "Rors" als 39. ebenso wie Marcel Siem (60.) und dem Rest des 156-köpfigen Feldes nur die Statistenrolle geblieben war.

"Golf war Rorys Traum"

McIlroy dagegen spielte oscarverdächtig - und hatte nach dem finalen Putt der 111. Auflage nur ein Ziel. Er stürmte in die Arme seines Vaters Gerry und sagte sichtlich gerührt: "Ich wünsche Dir einen schönen Vatertag, dieser Erfolg ist für dich."

Es war die Würdigung für lebenslange Unterstützung und einige Entbehrungen.

Vor allem der Vater war es, der für Rory McIlroys Karriere viele Opfer brachte, teilweise drei Jobs gleichzeitig erledigte, um ihm eine Karriere überhaupt erst zu ermöglichen.

"Wir wollten unserem Kind alle Chancen geben, es ist doch unser einziges. Ich möchte aber klarstellen: Golf war nicht unser Traum, es war Rorys", sagte Gerry McIlroy, der sich als echter Patriot eine nordirische Fahne umgehängt hatte.

McIlroy nur knapp hinter Kaymer

Traumhaft war es auch, was sein Sohn dem Golfsport in der US-Open-Woche bescherte.

Der Ryder-Cup-Gewinner spielte wie Tiger Woods zu besten Zeiten in einer eigenen Liga, er pulverisierte beim zweitältesten Major-Turnier nach der British Open zwölf Bestmarken. Allen voran der Siegscore von 268 Schlägen, mit dem er den US-Open-Rekord um vier Schläge verbesserte.

Gehalten wurde die alte Bestmarke unter anderem von Jack Nicklaus und Tiger Woods, der 2000 die US Open in Pebble Beach mit dem Rekordvorsprung von 15 Schlägen gewonnen hatte.

16 Schläge unter Par waren ebenso ein neues Richtmaß McIlroys. Zum Vergleich: Die letzten zehn US-Open-Champions waren zusammen nur auf 14 unter Par gekommen!

In der Weltrangliste machte McIlroy einen Sprung von Platz sieben auf vier - hauchdünn hinter Kaymer - und kassierte einen Scheck über 1,44 Millionen Dollar. (358504DIASHOW: Kaymers Karriere)

Ein Sieger der Herzen

Rory McIlroy hatte es nicht nur geschafft, das "Monster" von Bethesda zu zähmen und als fünfter Europäer in Folge ein Major zu gewinnen, er vertrieb auch die "bösen Geister von Augusta".

Im April hatte er beim US Masters auf der Schlussrunde einen Vorsprung von vier Schlägen verspielt und nach einer 80 nur den 15. Platz belegt.

Dieses Mal hatte er dank seiner präzisen Abschläge im Ziel acht Schläge Vorsprung auf den Australier Jason Day (276).

"Es ist so schön, dass er es dieses Mal nach Hause gebracht hat", sagte Kaymer und drückte damit das aus, was die meisten fühlten: Rory McIlroy war ein Sieger der Herzen.

Konzentrierte Leistung von McIlroy

Er bewies auf dem "Blue Course" vor den Toren Washingtons, dass er schnell aus seinen Fehlern lernen kann.

Er ließ sich nie aus der Ruhe bringen, auch nicht von seinen wenigen Bogeys, er setzte schnelle Konter und führte sein Werk unbeirrt zur Vollendung.

"Ich habe nach dem Masters mein Spiel und meine Taktik überdacht und mich bis zum Ende ganz darauf konzentriert", sagte McIlroy, der in der Vorbereitung ungewöhnliche Wege gegangen war.

"Rory ist eine Legende"

Während seine Konkurrenten bereits auf der Driving Range die Bälle fliegen ließen, flog McIlroy am Montag als Unicef-Botschafter auf die von einem Erdbeben zu großen Teilen zerstörte Insel Haiti.

Dort sprach er mit Kindern und informierte sich über das Ausmaß der Katastrophe. "Da siehst du die Welt mit völlig anderen Augen, auch deinen Sport. Das war für mich eine großartige Erfahrung", sagte er.

Vielleicht war es gerade dieser Besuch, der Rory McIlroy für das Turnier die nötige Gelassenheit verschaffte. Konkurrenz, Fans und Fachleute jedenfalls überschlugen sich angesichts der Demonstration des 22-Jährigen mit Superlativen.

"Rory ist eine Legende", sagte Graeme McDowell, McIlroys Landsmann, Vorgänger und auch eine Art älterer Bruder. "Er hat mir viele Tipps gegeben", sagte McIlroy über seinen Kumpel.

Ein kleiner Trost für Siem

Tipps will sich nun auch ganz schnell Martin Kaymer holen, der mit 287 Schlägen trotz großer Schwungprobleme auf Platz 39 ein ordentliches Ergebnis einfuhr.

"Ich werde jetzt mit meinem Trainer Günter Kessler arbeiten. Er weiß sicher sofort, wo der Fehler liegt", sagte der 26-Jährige, der ab Donnerstag bei der BMW Open in München (DATENCENTER: Die Top-Turniere) abschlägt.

Wie auch der Ratinger Marcel Siem, der als 60. 292 Schläge benötigte. Siems Trost: Mit einer 66 war er am zweiten Tag genauso gut wie Rory McIlroy.

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