vergrößernverkleinern
Bernhard Langer gewann 1985 und 1993 das Masters in Augusta © getty

Der Altmeister verpasst den Cut in München klar. Martin Kaymer kämpft sich unter den Augen eines Bayern-Stars zurück.

München - Als Deutschlands Golfidol Bernhard Langer nach einem rabenschwarzen Tag aufs letzte Grün schritt, nahm er seine Schirmmütze ab und genoss den warmen Applaus trotz der Schmerzen im linken Daumen mit einem Lächeln.

Elf Schläge über Par und am Ende des Leaderboards klar am Cut bei der BMW International Open in München gescheitert - so etwas hatte Deutschlands Golfidol in seiner großartigen Karriere noch nie erlebt. (DATENCENTER: Die Top-Turniere).

"Das Ergebnis nehme ich nicht allzu ernst. Wenn ich gesund wäre und hätte eine 76 und 79 gespielt, wäre ich sehr deprimiert. Aber ich bin nicht gesund. Ich habe acht bis zwölf Löcher mit Schmerzen gespielt", sagte der 53-Jährige gelassen.

Erstmals seit 1989 vorzeitig draußen

"Ich habe jetzt zwei Wochen Pause, besuche meine Mutter, und dann ist die British Open mein Ziel", sagte Langer, "ich werde alles dafür tun, dass ich das hinkriege. Es könnten meine letzten sein."

Martin Kaymer darf dagegen nach einer guten zweiten Runde weiter von seinem zweiten Turniersieg nach 2008 träumen.

Der Weltranglistendritte aus Mettmann geht mit vier Schlägen Rückstand auf die zu diesem Zeitpunkt schlaggleich Führenden Henrik Stenson aus Schweden und Paul Coetzee aus Südafrika (beide 134) in Runde drei am Samstag.

Der 26-Jährige spielte am Freitag eine 68. Nach dem ersten Tag hatte Kaymer nach einer 70er-Runde auf Rang 32 gelegen.

Siem besser als Kaymer

Mit 137 Schlägen noch aussichtsreicher als Kaymer liegt Marcel Siem aus Ratingen im Rennen um den Siegerscheck in Höhe von 333.330 Euro.

Der 30-Jährige aus Ratingen stand trotz einer nach eigener Aussage "richtig, richtig guten" Vorstellung jedoch klar im Schatten von Kaymer.

Der Großteil der 16.700 Zuschauer pilgerte mit dem neuen deutschen Golfstar von Loch zu Loch und bejubelte jeden gelungenen Schlag frenetisch. Nur auf Bahn 16 gab es eine kurze Schrecksekunde für die große Fangemeinde, als sich Kaymer den einzigen Bogey des Tages leistete, ansonsten erreichte er fünf Birdies.

Kaymer hofft auf mehr Zuschauer

Entsprechend zufrieden war Kaymer auch: "Das war wesentlich besser als am Donnerstag. Ich habe die Bälle besser getroffen. Auf Bahn 16 hatte ich den einzigen wirklich schlechten Schlag."

Am Wochenende will er mit der Unterstützung "von hoffentlich noch mehr Zuschauern" dann den Angriff auf die Spitze starten. "Ich liege vier Schläge hinten, das ist nicht viel. Ich hoffe, dass mein Putter heiß läuft. Wenn ich vor Sonntag zwei, drei Schläge hinten liege, wäre das eine gute Ausgangsposition", sagte Kaymer.

Von Problemen mit seinem Schwung, mit denen er wochenlang zu kämpfen hatte, war am Freitag nicht mehr viel zu sehen. "Mein Schwung hat sich sehr gut angefühlt, ich habe schon viel weniger nachgedacht als in den letzten Wochen. Ich habe wieder Selbstvertrauen, wenn ich am Ball stehe", sagte er.

Fußballstar trifft Golfstar

Applaus erhielt Kaymer auf seiner Runde sogar von Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, der den Golf-Profi kurz per Handschlag begrüßte. "Ich habe mich gewundert, dass er hier ist, freue mich darüber aber sehr. Ich habe gar nicht gewusst, dass sich die Fußballer so für den Golfsport interessieren", meinte Kaymer.

Für Rekord-Teilnehmer Langer hat sich am Freitag in München auf unliebsame Weise ein Kreis geschlossen. Der Schwabe scheiterte bei seinem 21. Start beim einzig verbliebenen deutschen Profiturnier erstmals seit der Premiere 1989 schon bei Halbzeit.

"So einen Score habe ich bei Bernhard noch nie gesehen", sagte Bernhard Langers jahrzehntelanger Trainer Willi Hoffmann, verwies aber darauf: "Andere hätten sich das mit der Verletzung gar nicht erst angetan."

Gedanken ans Aufhören

Auch Langer hatte auf der Runde kurzfristig überlegt aufzuhören, entschied sich dann aber zum Weitermachen: "Das ist mein Heimturnier, und ich konnte keinen großen Schaden mehr anrichten."

Langers Teilnahme beim letzten verbliebenen deutschen Heimspiel hatte vor Turnierbeginn zunächst in Frage gestanden.

Der Daumen zwickte nach einer intensiven Beanspruchung in der Vorwoche beim eigenen Turnier der European Senior Tour in Bergisch Gladbach wieder arg.

Verletzung vom Ampeldrücken

Langer schonte seine linke Hand dann zwei Tage lang, machte nur kurze Schwünge und Putts und versuchte sein Glück. Fand es aber an einem sonnigen Freitagmorgen auf dem Platz in Eichenried nicht.

[kaltura id="0_j5wsx7hw" class="full_size" title="Kaymer trickst auf ungewohntem Terrain"]

Ende März in Florida hatte sich der zweimalige US-Masterssieger die Verletzung in Florida zugezogen. Auf dem Weg mit seiner Familie zum Strand hatte er mit seinem Fahrrad an einer Ampel gehalten und den Knopf gedrückt.

Dabei zog er sich eine Bänderzerrung zu, die operiert werden musste. Drei Monate lang konnte Langer keinen Schläger in die Hand nehmen.

Nur zweimal nicht dabei

"Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Ich musste lernen, mit so einer Situation umzugehen", erklärte Langer.

Für München hatte er sich viel vorgenommen. Die bayrische Metropole war für den deutschen Golf-Pionier stets ein gutes Pflaster, auch wenn ihm der ersehnte Sieg nie glückte.

Fünfmal belegte Langer den zweiten, einmal den dritten Platz. Nur 1990 und 2004 war er nicht dabei. Den ersten deutschen Sieg in der bayrischen Metropole schnappte ihm 2008 Martin Kaymer (Mettmann) weg. (VORSCHAU: Kaymer will Weg aus der Krise finden)

Zuspruch vom Arzt

"Ich habe mich sehr für ihn gefreut, das war doch toll für das deutsche Golf", sagte Langer zum Triumph seines nationalen Nachfolgers. Von Neid keine Spur.

Langer gönnt Martin Kaymer den Erfolg und konzentriert sich auf seine eigene Karriere auf der US-Champions-Tour. Dort hofft Langer, noch lange spielen zu können. Wenn ihm der Daumen keinen Streich spielt.

"Der Arzt hat mir gesagt, dass es mit Sicherheit besser wird. Es ist nur schwierig, das in einer Woche hinzubekommen", sagte Langer. Er vertraue dem Mediziner, Angst vor einem erzwungenen Ende seiner Karriere habe er aber nicht.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel