Kampflos-Zocker Kaymer: Mit Training aus der Krise
München - Als für Martin Kaymer der glückliche Ausgang eines riskanten Pokerspiels feststand, hatte Deutschlands seit Wochen gefrusteter Stargolfer endlich wieder Grund zum Jubel.
"Ich bin stolz, auch beim Ryder Cup 2012 für Deutschland und Europa wieder dabei zu sein", teilte der 27-Jährige nach seinem Vabanquespiel erleichtert mit ( BERICHT: Kaymer kampflos zum Ryder Cup).
Zum zweiten Mal nach 2010 im walisischen Newport gehört der Rheinländer zu den zwölf europäischen Golfern, die nun vom 28. bis 30. September in Medinah vor den Toren Chicagos in dem prestigeträchtigen Kontinentalvergleich den Pokal gegen Gastgeber USA verteidigen müssen ( DATENCENTER: Die Turniere im Überblick).
Colsaerts hofft noch
Für die Zitterpartie hatte sich Kaymer selbst entschieden. Denn anstatt beim Turnier im schottischen Gleneagles letzte Qualifikationspunkte für den Ryder Cup zu sammeln, trainierte er und legte sein Schicksal in die Hände von Nicolas Colsaerts.
Der Belgier hätte mit Platz eins oder zwei Kaymer noch aus dem Team verdrängt, landete aber auf Platz 19 und hatte damit gegenüber seinem deutschen Rivalen das Nachsehen.
"Ich bin mental müde, habe in den letzten neun Wochen acht Turniere gespielt. Doch ich wollte unbedingt ins Team", ärgerte sich Colsaerts, der aber nicht lange lamentieren musste ( TV: Golftotal auf SPORT1).
Teamkapitän Jose Maria Olazabal vergab am Montag eine der beiden Wildcards an Colsaerts, die andere an den Engländer Ian Poulter.
Handfeste Krise
Dass Kaymers Teilnahme am seidenen Faden hing, hatte er selbst zu verantworten.
Seit dem 15. Platz bei der US Open Mitte Juni ging die Formkurve steil bergab, es folgten das vorzeitige Ausscheiden bei der British Open und der US PGA Championship.
Dazwischen hatte er sich von seinem Caddie Christian Donald getrennt. Der Glanz des Jahres 2010, in dem er die Nummer eins geworden war und seinen ersten Major-Triumph gefeiert hatte, war dahin. Kaymer befindet sich in seiner ersten handfesten Krise.
"Treffe immer besser und besser"
Mit einem dreiwöchigen Training hofft Kaymer, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.
Unter Beweis stellen will er dies bei seiner Ryder-Cup-Generalprobe in Hilversum (Dutch Open). Der erste Eindruck stimmt ihn dabei optimistisch. "Ich habe in den vergangenen Wochen optimal mit Günter Kessler trainiert und große Fortschritte gemacht. Mein Fade kommt zurück, und ich treffe den Ball immer besser und besser", teilte Kaymer mit.
Dies war auch der Sinn der Turnierpause. "Es bringt nichts, wenn ich mich für den Ryder Cup qualifiziere und mein Spiel nicht funktioniert. Deshalb habe ich mich entschieden zu trainieren statt zu spielen", erklärte die aktuelle Nummer 25 der Welt.
Nummer acht im Team
Mit dieser Position ist Kaymer die Nummer acht in einem Team, das starke und erfahrene Leader hat.
In Rory McIlroy (Nordirland), Luke Donald und Lee Westwood (beide England) stellt das Team Europa die Nummer eins, zwei und vier der Welt.
Stars im US-Team sind der wiedererstarkte Tiger Woods und Phil Mickelson, der mit der neunten Teilnahme für einen US-Rekord sorgt.
Europa ist der Underdog
"Wir haben eine Wahnsinnsaufgabe vor uns und werden unser bestes Golf spielen müssen, um Team USA bei ihrem Heimspiel in Medinah zu schlagen", sagte Kaymer, der aber auf die Stärken der Europäer vertraut:
"Ich würde uns auf fremden Boden als leichten Außenseiter betrachten, traue unserem Team rund um Rory, Luke, Lee und Co. aber die Titelverteidigung zu."
In Wales 2010 hatte Europa bei Kaymers Debüt 14,5:13,5 gewonnen.