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Auch die Canadian Open hat sie bereits gewonnen: Lydia Ko © getty

Lydia Ko ist der neue aufgehende Stern unter den Golferinnen. Die US-Tour hat sie bereits gewonnen. Und das als Amateurin.

Edmonton/Köln - Mit 600.000 Dollar würde ein Teenager vermutlich erst mal ausgiebig shoppen gehen.

Smartphone, Spielekonsole, Markenklamotten. Das Übliche halt. So würde es wohl auch Lydia Ko machen. Der Haken an der Sache: Die 16-Jährige aus Neuseeland hätte mit ihren beiden Siegen auf der US-Damentour 450.000 Euro gewonnen, also rund 12.500 pro Arbeitsstunde auf dem Platz.

Bekommen aber hat sie nichts, denn der neue Star unter den Golferinnen ist noch Amateurin.

"Ich wusste, dass ich das Geld nicht bekomme, also hat es mich auch nicht interessiert", sagte Ko lapidar, "und da können sie mich so oft fragen, wie sie wollen."

"Eine schwierige Entscheidung"

Wie lange sie noch ohne "Belohnung" spielen wird, steht in den Sternen.

"Profi zu werden, ist eine schwierige Entscheidung", sagte Ko. Während sie auf dem Platz cool und abgeklärt die Marschroute vorgibt, sind im "wahren" Leben die Eltern die großen Stützen.

"Meine Mum und mein Dad sind die Bosse. Sie werden mir helfen, den richtigen Zeitpunkt zu finden", sagte die Aufsteigerin nach ihrer erfolgreichen Titelverteidigung am Wochenende bei der Canadian Open.

Der Schritt zur Profi-Golferin

Auch der neuseeländische Verband, der sie gefördert hat, soll in die Planungen mit einbezogen werden.

Forcieren will sie nichts.

"Ich bin erst 16. Wenn ich Profi bin, ist es ein Job. Nur das Geld zählt, jeder Schlag ist wichtig. Wir werden alle zusammen eine gute Entscheidung treffen", sagte Ko.

Das Geld interessiert sie nicht

In Edmonton verzückte sie nicht nur die Zuschauer.

"Es ist unfassbar, wie diese 16-Jährige auftrumpft. Lydia spielt komplett unbekümmert, weil sie als Amateurin das Geld nicht interessiert. Und sie ist vor allem kühl im Kopf. Sie hat eben schon sehr früh begonnen und wird sicher noch viel von sich reden machen", sagte Solheim-Cup-Gewinnerin Caroline Masson.

Die jüngste Tour-Siegerin aller Zeiten

Ko triumphierte in Kanada mit fünf Schlägen Vorsprung und düpierte dabei die Weltklasse um die Nummer eins Park Inbee (Südkorea).

Auch Masson (7.) und Sandra Gal (Düsseldorf/29.) gehörten zum geschlagenen Feld.

Im Ranking machte Lydia Ko einen Sprung vom 19. Rang auf Platz sieben und zog damit erstmals in die Top 10 ein. Seit 2012 spielt Ko auf Einladung auf der US-Tour und wurde mit 15 Jahren, 4 Monaten und 2 Tagen mit dem Premierenerfolg in der kanadischen Olympiastadt Vancouver zur jüngsten Tour-Siegerin der Geschichte.

14-mal hat sie inzwischen auf der schwersten Turnierserie der Welt gespielt und noch nie den Cut verpasst. Weltweit hat sie noch weitere zwei Mal zugeschlagen, 2012 in Australien und 2013 in ihrer neuseeländischen Heimat.

Titelverteidigung als Wow-Faktor

Dass sie die erste Spielerin seit der ehemaligen Nummer eins Tseng Yani (Taiwan) ist, der eine erfolgreiche Titelverteidigung auf der US-Tour glückte, haute Lydia Ko dann doch um: "Als ich das gelesen habe, dachte ich: Wow. Wer schafft denn so etwas? Dass ich es war, ist für mich sehr speziell."

Speziell ist auch ihr Abschlag.

Mit ihrer durchschnittlichen Drivelänge von 247 Metern (271 Yards) in Edmonton wäre sie in der Tourstatistik die Nummer zwei hinter Nicole Smith (USA/274 Yards/248 m).

Zum Vergleich: Solheim-Cup-Siegerin Caroline Masson bringt es auf 247 Yards (225 m).

Doch Weite allein gewinnt kein Turnier, das Gesamtpaket muss stimmen. Bei Lydia Ko ist das der Fall. Deshalb wird auch bald für sie der Rubel rollen.

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