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Der Serdarusic-Nachfolger Alfred Gislason wurde 2001 zum Trainer des Jahres gewählt © getty

Als erster deutscher Verein will das Team von Trainer Alfred Gislason zum fünften Mal in Folge den Meistertitel holen.

Kiel - Neue Saison, neuer Trainer, aber alte Erfolge:

Exakt 69 Tage nach dem Paukenschlag mit der Trennung von Urgestein Noka Serdarusic hat Abonnement-Meister THW Kiel vor seinem Auftaktspiel in der Handball-Bundesliga am 3. September gleich wieder einen Rekord im Visier.

Mit dem neuen Hoffnungsträger Alfred Gislason als Nachfolger des geschassten Trainers und den frischgebackenen Olympiasiegern Thierry Omeyer und Nikola Karabatic will die Starauswahl von der Förde als erster deutscher Klub zum fünften Mal in Folge die Meisterschale gewinnen.

Supercup als Generalprobe

Eine gelungene Generalprobe für das große Ziel soll es bereits am Samstag geben, wenn der Doublegewinner und Champions-League-Finalist im Supercup-Finale in München auf den HSV Hamburg trifft.

"Wir haben die stärkste Mannschaft der Welt und können in dieser Saison alles gewinnen", meint Gislason, für dessen Verpflichtung der THW eine Ablösesumme in Höhe von rund 700.000 Euro bezahlen musste, um ihn aus dem Vertrag beim VfL Gummersbach herauszukaufen.

Im Schatten des Erfolgstrainers

Die Fußstapfen seines Vorgängers sind für den Isländer riesig. Gewann Serdarusic doch in 15 Jahren in Kiel 25 Titel und bildete mit Manager Uwe Schwenker das kongeniale Traumpaar der Bundesliga.

Doch das Duo brach auseinander, die einst für die Ewigkeit beschworene Ehe scheiterte. Aus privaten Gründen, wie man sagt. Auf diese Sprachregelung hat man sich geeinigt, schmutzige Wäsche will man nicht waschen.

Neuer Job für Serdarusic?

"Es ist sicher sehr bedauerlich, wenn eine derart erfolgreiche Zusammenarbeit beendet wird. Dies war weder für Noka Serdarusic noch für den THW Kiel angemessen. Zu Interna werden wir uns aber nicht äußern", sagt Schwenker.

"Ich habe zurzeit keine Kommunikation mit ihm. Allerdings hoffe ich, dass wir beide uns irgendwann wieder über Handball unterhalten und zusammen ein Bier trinken", so der THW-Geschäftsführer weiter.

Serdarusic wird inzwischen als künftiger norwegischer Nationaltrainer ins Gespräch gebracht.

Kapitän auf Abschiedstour

Gislason indes genießt nach der Vorbereitung bereits den Respekt der Mannschaft.

"Wir haben mit Noka einen anerkannten Fachmann verloren, haben aber mit Alfred Gislason einen ebenso kompetenten Coach bekommen", erklärt THW-Kapitän Stefan Lövgren, der seit 1999 das Trikot der Zebras trägt und mit dem Klub bereits alles gewann, was es im Vereinshandball zu holen gibt.

Seine Karriere wird er im kommenden Sommer beenden.

Wie ein Sechser im Lotto

Gislason freut sich derweil auf die große Herausforderung beim THW.

"In Kiel zu arbeiten, ist wie ein Sechser im Lotto. So ein Topteam trainieren zu dürfen, macht mich stolz", sagt der studierte Historiker, warnt aber trotz seines Vertrauens in die Mannschaft vor zu viel Euphorie: "Die Meisterschaft wird kein Selbstläufer."

So zählt der Coach auch den Supercup-Gegner aus Hamburg, die SG Flensburg-Handewitt, die Rhein-Neckar Löwen, sein Ex-Team aus Gummersbach und die HSG Nordhorn zum Kreis der Titelkandidaten.

Große Erfolge als Spieler und Trainer

In seiner Spieler- und Trainerkarriere hat sich Gislason längst sportliche Meriten erworben. Mit TuSEM Essen wurde der einst wurfgewaltige Halblinke zweimal Meister und einmal DHB-Pokalsieger.

Als Coach führte der 48-Jährige den SC Magdeburg als ersten deutschen Klub 2002 zum Gewinn der Champions League.

Außerdem wurde er mit dem SCM Meister und EHF-Pokalsieger. Für Island bestritt er 189 Länderspiele und war bis zur Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland Nationaltrainer der "Geysire".

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