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Lars Krogh Jeppesen wurde 2008 mit Dänemrk Europameister © getty

Der Däne Jeppesen wirft dem THW Kiel den Missbrauch von Arzneimitteln vor. Der Mannschaftsarzt der "Zebras" wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Von Rainer Nachtwey

München - Der ehemalige dänische Nationalspieler Lars Krogh Jeppesen hat seinem Ex-Klub THW Kiel Missbrauch von Arzneimitteln vorgeworfen.

Der 30-Jährige, der in der Saison 2006/2007 beim THW unter Vertrag stand und mittlerweile in der Heimat bei Bjerringbro-Silkeborg spielt, behauptet, der Klub habe verletzten Spielern Schmerzmittel verabreicht, damit sie auflaufen können.

"Das war grotesk", wetterte der Rückraumspieler in der dänischen Zeitung "Politiken". "Die Pillen wurden eingesetzt, um Spieler fit zu bekommen, die eigentlich nicht hätten spielen dürfen."

Die "Zebras" hatten den Vertrag mit Jeppesen nach einem Jahr aufgelöst, nachdem er wegen zweier Rippenbrüche und Rückenproblemen nur wenige Einsätze in der Spielzeit 06/07 erhalten hatte.

Boesen schiebt es auf die Klubs

Unterstützung erhielt Jeppesen von seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Lasse Boesen.

Der Rückraumspieler der SG Flensburg-Handewitt gab zu, jahrelang das Präparat "Voltaren" genommen zu haben - so auch bei der WM 2009 in Kroatien (DATENCENTER: Ergebnisse) -, um Schmerzen zu unterdrücken.

Die Einnahme des Schmerzmittels führte der 29-Jährige, der 2008 vom TBV Lemgo nach Flensburg wechselte, auf den Druck der Klubs zurück. "Wenn man keine Leistung liefert, fliegt man einfach raus", sagte der Däne.

Mannschaftsarzt weist Vorwürfe zurück

Kiels Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker wehrte sich gegen die Vorwürfe umgehend.

"Unsere Spieler wissen, dass sie keine Smarties einnehmen, aber alles geschieht unter strenger Kontrolle. So wie wir in Kiel Voltaren einsetzen, stehe ich hinter der Einnahme", sagte der Mediziner den "Kieler Nachrichten".

Schmerzstillende Mittel zu Trainingszwecken oder gar auf Dauer lehne er eindeutig ab: "Über einen längeren Zeitraum darf das auf keinen Fall passieren, und das geschieht bei uns auch nicht."

Olympiaarzt stellt sich gegen deutsche Kollegen

Dem widersprach der dänische Olympia-Mannschaftsarzt Morten Storgard entschieden. "Wer aus der spanischen oder deutschen Spitzenliga kommt, ist einfach daran gewöhnt, bei Schmerzen ein paar Kilo Anti-Rheuma-Pillen einzunehmen."

Wegen der Gefahr gesundheitlicher Folgeschäden sei der Medikamentenmissbrauch der Profi-Handballer aber "ein sehr ernsthaftes Problem".

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