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Der THW freut sich über den ersten Titel der neuen Handball-Saison © imago

Für die Experten ist es nach dem Supercup-Triumph des THW über den HSV klar. Kiel ist der überlegene Meisterschafts-Favorit.

München - Der THW Kiel hatte sich mit dem fünften Supercup-Erfolg gerade zum Rekordsieger gekrönt, als der unterlegene Rivale HSV Hamburg scheinbar zum letzten Mittel griff.

"Wir haben Protest eingelegt", sagte Manager Peter Krebs ernst, ehe sich seine Miene aufhellte - es war ein Scherz.

Allerdings einer, der für die am Dienstag beginnende Handball-Saison stilbildend sein dürfte: Topfavorit Kiel ist wohl höchstens am grünen Tisch zu stoppen.

Wer noch einen letzten Beweis für die Überlegenheit des Rekordmeisters sehen wollte, musste nur am Samstag in die Münchner Olympiahalle kommen.

Kiel ohne Mühe

Dort bezwang Kiel mit dem HSV den vermeintlich schärfsten Kontrahenten ohne Mühe 33:28 (17:14). Und das ohne, dass der angeschlagene Welthandballer Nikola Karabatic auch nur seinen Pullover ausziehen musste.

THW-Manger Uwe Schwenker verkündete deshalb voller Zuversicht: "Auch im kommenden Jahr wird man auf dem Kieler Rathausbalkon feiern."

Karabatic sah seinen Teamkollegen von der Bank aus zu. "Es hat Spaß gemacht, die Jungs spielen zu sehen", sagte der französische Olympiasieger.

Zweimal zum Ausgleich

Die "Jungs" ließen den HSV nur zu Beginn der zweiten Halbzeit zweimal ausgleichen - ansonsten aber keinen Zweifel an ihrer Stärke aufkommen.

"Immer, wenn wir mal dran waren, hat der THW einen Gang höher geschaltet - und dann waren wir wieder weg", sagte HSV-Coach Martin Schwalb konsterniert.

Dass die Kieler ihrem neuen Trainer Alfred Gislason im ersten Pflichtspiel gleich den ersten von angestrebten vier Titeln schenkten, lag indes nicht nur an der herausragenden Qualität der "Zebras".

HSV musste neun Spieler für Olympia abstellen

Der THW musste nur vier Spieler für die Olympischen Spiele abstellen, der HSV neun. Schwalb konnte vor der Partie nur zweimal mit dem kompletten Kader trainieren, die Integration der vier Neuen (Kiel hat nur einen) ist noch lange nicht abgeschlossen.

Schwalb wollte deshalb auch nichts von einer Übermacht des norddeutschen Nachbarn wissen. "Auch wir haben einen guten Kader, wollen Titel holen und alle Erfolge feiern, die möglich sind. Wir haben in den vergangenen Jahren aufgeholt und werden auch den letzten Schritt noch machen", sagte er.

Auch Kiel glaubt nicht an einen Alleingang. "Der Titel führt nur über Hamburg", sagte Schwenker.

"Hamburg hat unglaubliches Potenzial"

Gislason ergänzte: "Hamburg hat unglaubliches Potenzial. Es wird spannend." Neben Double-Sieger Kiel und dem HSV werden "zwei oder drei weitere Teams an der Spitze mitmischen", glaubt er. Kandidaten dafür sind laut Gislason die Rhein-Neckar Löwen, Flensburg, Gummersbach und Lemgo.

Kiel steigt am Mittwoch gegen Aufsteiger TSV Dormagen in die Saison ein, der HSV muss gegen die HSG Wetzlar ran.

Großes Duell am 5. Oktober

Am 5. Oktober kommt es zum ersten Liga-Duell der Rivalen. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen - außer in Kiel", sagte HSV-Coach Schwalb schmunzelnd.

Gegen die Übermacht hilft wohl nur Fatalismus - oder ein Protest.

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