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Hassan Moustafa ist seit dem Jahr 2000 Präsident der IHF © getty

Der skandalträchtige Moustafa klebt am IHF-Präsidentensessel. Sein Gegenkandidat Kaiser erhebt vor der Wahl schwere Vorwürfe.

Kairo - Der umstrittene Präsident Hassan Moustafa kämpft offenbar mit allen Mitteln gegen seinen Sturz von der Spitze des Welthandballs.

Am Freitag wird auf dem Wahlkongress des Weltverbandes IHF in Moustafas ägyptischer Heimat Kairo abgestimmt, und sein einzig verbliebener Gegenkandidat Jeannot Kaiser erhebt im Vorfeld schwere Vorwürfe. (Gegenkandidat für Moustafa)

"Moustafa hat sich die Stimmen gekauft", sagte der Luxemburger, "unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe und angeblich, um finanzschwachen Verbänden die Reisekosten nach Kairo zu finanzieren, hat Moustafa sich vom IHF-Rat eine siebenstellige Summe aus der IHF-Kasse bewilligen lassen."

Viele Vorwürfe, kaum Untersuchungen

Kaiser wird von aktuellen Stars wie Welthandballer Nikola Karabatic oder den früheren deutschen Weltmeistern Christian Schwarzer und Erhard Wunderlich unterstützt, doch seine Wahl ist äußerst ungewiss.

"Die Glaubwürdigkeit des Handballs steht auf dem Spiel", sagt Kaiser aber ganz deutlich.

Die Liste der Vorwürfe gegen den seit neun Jahren amtierenden Moustafa ist lang. "Er war an den Manipulationen der asiatischen Olympia-Qualifikationen beteiligt", sagt der Amerikaner Christer Ahl, Chef der IHF-Schiedsrichter-Kommission.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" in dieser Woche berichtete, sollen Moustafa schon 2004 Berichte über vier verschobene WM-Qualifikationsspiele zwei Jahre zuvor in Asien gemeldet worden sein. Untersucht worden sei das nie.

Zuschuss auf Straßburger Konto

IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter, wie Kaiser Mitglied der "Initiative für einen sauberen Handball", hat schon mal eine kleine Revolution gegen Moustafa versucht. Es gibt den Verdacht der "untreuen Geschäftsbesorgung".

Nach der Männer-Weltmeisterschaft in Ägypten hatte die IHF 1,6 Millionen Schweizer Franken als Zuschuss an den ägyptischen Verband angewiesen.

Das Geld soll allerdings nicht in Kairo, sondern auf einem Konto in Straßburg gelandet sein, auf das unter anderem Moustafa, seinerzeit Präsident des ägyptischen Verbands, Zugriff hatte.

Mit einer Fülle von Beweisen wollte der Schweizer Mühlematter während der diesjährigen WM in Kroatien den Präsidenten stürzen.

Doch der IHF-Rat stellte sich hinter Moustafa und forderte stattdessen Mühlematter zum Rücktritt auf, was dieser aber ablehnte und nun wieder kandidiert.

Moustafa macht seine eigenen Regeln

Weiterer Vorwurf: Im September 2008 wurde bekannt, dass Moustafa Reisespesen in Höhe von 560.000 Franken ohne Belege abgerechnet hatte.

Moustafa hatte dafür eine eher knappe Erklärung: "Als Präsident muss man keine Belege vorbringen."

Den endgültigen Anstoß für Kaisers Kandidatur gab schließlich die Affäre um Dopingkontrollen. Zahlreiche IHF-Mediziner traten aus der medizinischen Kommission zurück, weil die Gelder für den Anti-Doping-Kampf komplett gestrichen worden waren.

"Als zwischenzeitlich der olympische Status der Sportart Handball auf dem Spiel stand, habe ich mich entschlossen, gegen Moustafa anzutreten", sagt der frühere Bankdirektor Kaiser, der 2004 knapp bei der Wahl zum EHF-Präsidenten gescheitert war.

Strombach könnte mit Moustafa leben

Seine freilich wohl geringe Hoffnung ist, dass Moustafas Plan, auf alle Stimmen aus Afrika, Asien und Südamerika setzen zu können, nicht aufgeht: "Ich denke, einige Afrikaner werden gegen Moustafa stimmen. "

Kaisers Problem ist aber auch die Uneinigkeit der europäischen Vertreter unter den rund 125 Delegierten in Kairo.

DHB-Präsident Ulrich Strombach, Chef des weltgrößten Handball-Verbandes, hat jedenfalls schon mal signalisiert, dass er mit einer weiteren Amtszeit Moustafas leben könne.

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