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Hassan Moustafa ist seit dem Jahr 2000 Präsident der IHF © getty

Die Opposition abgewatscht und mundtot gemacht: Hassan Moustafa darf sein undurchsichtiges Regiment als IHF-Präsident fortführen.

Kairo - Die Palastrevolution im Weltverband IHF scheiterte, die Gegner von Präsident Hassan Moustafa gingen leer aus:

Beim IHF-Kongress in Kairo setzte sich der umstrittene ägyptische Amtsinhaber am Freitag deutlich gegen seinen luxemburgischen Konkurrenten Jeannot Kaiser durch und bleibt bis 2014 IHF-Chef. (Gegenkandidat für Moustafa)

Moustafa erhielt 115 Stimmen, Kaiser 25. Somit wird es den von der Opposition erhofften Wandel zu mehr Transparenz im Welthandball nicht geben.

Dass Moustafa eine eindeutige Mehrheit erzielen würde, stand eigentlich schon vor seiner Wahl fest. Zu Beginn des Kongresses straften die Delegierten IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter, einen der wichtigsten Unterstützer Kaisers, ab.

Watsch'n für Mühlematter

In einer im Nachhinein allerdings für ungültig erklärten Abstimmung sprachen sich fast alle Vertreter der 147 Nationalverbände für einen Rücktritt des Generalsekretärs wegen verbandsschädigenden Verhaltens aus.

Mühlematter lehnte den Rücktritt ab, musste sich aber scharfe Kritik von Moustafa anhören: "Sie haben den gesamten Handball betrogen."

Dabei geht es um die Rolle Peter Mühlematters bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Moustafa am IHF-Sitz Basel.

Ermittlungen gegen Moustafa befeuert

Mühlematter hatte diese Ermittlungen durch Beweismaterial vorbereitet und im Januar 2009 auch öffentlich gemacht. Zudem wurde der Schweizer von Moustafa bezichtigt, einen anonymen Brief mit Vorwürfen gegen den IHF-Präsidenten an das Internationale Olympische Komitee (IOC) gesandt zu haben.

"Ich habe nur angeforderte Informationen weitergegeben", rechtfertigte sich der Generalsekretär.

Schwere Geschütze gegen Peter Mühlematter fuhr auch der IHF-Finanzrevisor Jürg Steib auf. "Durch gezielte Falschinformationen wurde die IHF ins falsche Licht gerückt. Die Buchführung der IHF ist einwandfrei und absolut in Ordnung", sagte Steib.

"Der IHF ist kein Schaden entstanden"

Damit widersprach er Aussagen von Mühlematter und dem Präsidentschaftskandidaten Jeannot Kaiser.

Diese hatten Hassan Moustafa unter anderem vorgeworfen, Reisespesen in Höhe von 560.000 Schweizer Franken ohne Belege abgerechnet zu haben.

"Durch diese Handhabung ist der IHF kein Schaden entstanden", entgegnete Steib, der auch die Existenz eines Kontos in Frankreich rechtfertigte: "Dorthin wurde Geld nur aus steuerlichen Gründen überwiesen."

Keine Mehrheit für "saubere" Kampagne

Dieses Konto, auf dem sich angeblich Geld für den ägyptischen Verband befinden sollte, und auf das Moustafa Zugriff hatte, das Geld aber, so Kaiser, nicht nach Ägypten weiterleitete, ist ein Teil der staatsanwaltlichen Ermittlungen. (Moustafa: Stimmenkauf mit IHF-Millionen?)

Steib geht nun sogar zu "99,9 Prozent" davon aus, dass diese Ermittlungen gegen IHF-Organe und Moustafa mangels Beweisen eingestellt werden.

Die Opposition um Kaiser und Mühlematter schaffte es nicht, die Delegierten von ihrem Anliegen eines "sauberen Handballs ohne Moustafa" zu überzeugen.

Unterbrechung nach Wahlpanne

Teilweise entzog der IHF-Präsident dem Luxemburger bei Fragen allerdings auch das Wort. Bei der Bekanntgabe der Wiederwahl Moustafas gab es tosenden Applaus der Delegierten.

IHF-Insider hatten mit diesem klaren Ergebnis gerechnet, allerdings insgeheim auf einen Machtwechsel gehofft.

Zu einer peinlichen Panne kam es vor den Wahlen. Es fehlten elektronische Wahlgeräte für einzelne Delegierte, deswegen musste der Kongress für eine halbe Stunde unterbrochen werden.

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