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Christian Schwarzer wird vom seinem Kumpel Stefan Kretzschmar verabschiedet © imago

Im Interview mit Sport1.de blickt Christian "Blacky" Schwarzer zurück auf sein Abschiedsspiel und eine erfolgreiche Karriere.

Von Nikolai Kube

München - Ein Original hat seine aktive Laufbahn beendet.

3000 Zuschauer und jede Menge Handball-Prominenz waren ins Sportzentrum Homburg-Erbach gekommen, um Christian Schwarzer von den Rhein-Neckar Löwen einen fulminanten Abschied von der großen Handball-Bühne zu bereiten.

Der 318-malige Nationalspieler, den die meisten nur "Blacky" nennen, ließ sich mit Standing Ovations feiern. Und auch die ein oder andere Träne verdrückte Schwarzer.

Der Kreisspieler, der im Oktober 40 Jahre alt wird, begann seinen erfolgreichen Werdegang 1988 beim VfL Fredenbeck. Drei Jahre später wechselte er zum TV Niederwürzbach.

Champions-League-Sieg mit Barca

Danach begann Schwarzers ganz großer Aufstieg: 1999 ging er zum FC Barcelona, gewann unter anderem die Champions-League.

Es folgte die Rückkehr in die Bundesliga (2001/zum TBV Lemgo).

2007 verschlug es Schwarzer zu den Rhein-Neckar Löwen, bei denen er nun in Funktion des Spielertrainers seine Karriere ausklingen ließ.

Erst Notnagel, dann Weltmeister

Mit dem Nationalteam feierte er bei der WM 2007 in Deutschland seinen größten Erfolg - und das fast schon zufällig: Eigentlich war Schwarzer nur als Fernsehexperte vorgesehen.

Dann berief ihn Bundestrainer Heiner Brandt aus personeller Not kurzfristig in den DHB-Kader - und Deutschland wurde Weltmeister.

Im Interview mit Sport1.de blickt Christian Schwarzer zurück auf sein Wirken auf dem Parkett.

Sport1.de: Herr Schwarzer, Sie haben ihre einzigartige Karriere nun endgültig beendet. Wie geht es Ihnen?

Christian Schwarzer: Ich bin immer noch ein bisschen müde, aber sonst habe ich mich schon wieder ganz gut erholt.

Sport1.de: Haben Sie das Abschiedsspiel schon ganz verarbeitet? Es war ja ein sehr emotionaler Moment für sie...

Schwarzer: Es war nicht leicht für mich, und ich bin sehr froh, dass ich es jetzt halbwegs überstanden habe. Ich hatte schon etwas Angst vor diesem Moment - und der Abschied ist mir sehr schwer gefallen.

Sport1.de: Was haben Sie gefühlt, als sie von 3000 Zuschauern begeistert verabschiedet wurden?

Schwarzer: In dem Moment war ich einfach nur stolz und froh, dass so viele Leute gekommen sind, um mich zu verabschieden. Auch, dass meine Familie und alle meine Freunde mich unterstützt haben, war etwas ganz Besonderes für mich. Ich war sehr gerührt.

Sport1.de: Die beiden Teams waren gespickt mit Superstars aus aller Welt. Was hat es für Sie bedeutet, dass die alle nur für Sie gekommen sind?

Schwarzer: Es war der absolute Wahnsinn. Mir haben die Worte gefehlt. Bis auf ein oder zwei Ausnahmen ist nicht einer auf die Idee gekommen, mir abzusagen. Es haben fast alle zugesagt, egal ob es die Jungs aus Barcelona waren oder ein Staffan Olsson aus Schweden. Ich bin ihnen so dankbar und bin so glücklich, dass sie alle gekommen sind. Es war ein einmaliges Erlebnis.

Sport1.de: Blicken wir auf ihre Karriere zurück. Welcher Moment war der Schönste ihrer Karriere?

Schwarzer: Das war wohl die WM 2007 im eigenen Land, der absolute Hammer. Erst habe ich fürs Fernsehen gearbeitet, dann bin ich kurzfristig ins Team gekommen. Um schließlich mit den Jungs Weltmeister werden zu dürfen. Das war schon etwas ganz Besonderes.

Sport1.de: Gab es auch ein Erlebnis, das Sie als Ihre "schwärzeste Stunde" bezeichnen?

Schwarzer: Ein ganz schlimmes Ereignis war, als ich mir in meiner Zeit beim FC Barcelona einen dreifachen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen habe. Das war meine allerbitterste Stunde.

Sport1.de: Gab's ein solches Drama auch sportlich?

Schwarzer: Das Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2000 gegen Spanien. Zu dieser Zeit habe ich in Spanien bei Barcelona gespielt und somit gegen meine ganzen Kumpels. Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft, haben dann aber sehr unglücklich verloren. So mussten wir unseren großen Traum von einer Olympiamedaille begraben. Das war enttäuschend, auch für mich persönlich.

Sport1.de: Wie sieht nun Ihre Zukunftsplanung aus? Haben Sie schon konkrete Pläne wie das Leben nach dem Handball aussehen soll?

Schwarzer: Naja, ohne Handball wird es nicht gehen. Ich fange zum Beispiel gerade mit dem Trainer-Lehrgang zur B-Lizenz an. Das sind fünf Tage, Ende Juni muss ich dann noch mal für eine Woche hin. Und dann hoffe ich, dass ich das erfolgreich abschließen und als Trainer arbeiten kann.

Sport1.de: Haben Sie weitere Pläne?

Schwarzer: Außerdem werde ich als Jugendkoordinator beim Deutschen Handball-Bund arbeiten. Und auch beim Saarländischen-Handballverband bin ich in ähnlicher Funktion tätig. Ohne Handball geht es leider überhaupt nicht (lacht).

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