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Real-Spieler Uros Zorman (r.) ist einen Schritt schneller als Kiels Filip Jicha © imago

Nach der deutlichen Pleite bei der Champions Trophy attestiert THW-Coach Gislason seinem Team ein Real-Trauma.

Von Andreas Kloo

München/Kiel - Es war die erste echte Bewährungsprobe für den THW Kiel und seinen neuen Trainer Alfred Gislason. Und die ging gründlich daneben.

Mit 24:31 unterlag der Deutsche Meister im Halbfinale der Champions Trophy dem Champions League-Sieger Ciudad Real. Vor allem die Deutlichkeit der Niederlage überraschte.

Für Alfred Gislason sind die Gründe für die deftige Pleite auch psychologischer Natur. "Wir haben in diesem Spiel sehr viele Fehler gemacht, ich bin überzeugt, dass da auch so eine Art Trauma aus dem verlorenen Champions-League-Finale mitgespielt hat", stellt der Isländer im Interview mit den "Kieler Nachrichten" fest.

Karabatic schmerlich vermisst

Hat der THW etwa einen Ciudad-Komplex? Sitzt der Stachel dieser Niederlage so tief, dass er die Mannschaft in dieser Saison noch länger lähmen wird?

So weit möchte Gislason dann doch nicht gehen. Schließlich fehlten mit Nikola Karabatic und Christian Zeitz zwei wichtige Stützen der Mannschaft.

"Um diese Mannschaft schlagen zu können, muss ich meine komplette Mannschaft beisammen haben", weist der Isländer auf die Personalprobleme des Teams hin.

Gislason wünscht sich größeren Kader

Dieses Argument bereitet Anlass zur Sorge. Wenn sich das Fehlen zweier Spieler so negativ bemerkbar macht, stellt sich die Frage, ob der Kader der Kieler in dieser Saison groß genug ist, um in allen Wettbewerben oben mitzumischen.

Auch Gislason scheint da leichte Zweifel zu haben: "Wir müssen uns momentan damit abfinden, dass andere Teams von der Quantität besser besetzt sind. Verglichen mit Ciudad sehen wir nicht so gut aus. Die haben jede Position doppelt besetzt."

Rotation oder Blockwechsel während des Spiels sind mit der momentanen Kadergröße nicht möglich. Ohnehin sieht Gislason Probleme bei der Effektivität im Angriff und beim Gegenstoß-Verhalten.

Bald erneutes Duell mit spanischem Team

In der Bundesliga fielen diese Schwächen der Kieler - vom Unentschieden gegen Dormagen einmal abgesehen ? bislang nicht ins Gewicht. Aber für den großen Wurf in der Champions League muss sich der THW noch steigern.

Nächster schwerer Prüfstein auf internationaler Ebene wird am 19. Oktober in der Champions-League-Vorrunde der FC Barcelona sein. Bleibt zu hoffen, dass die Kieler nur an einem Ciudad-Trauma und nicht sogar an einem Spanien-Trauma leiden.

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