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Oleg Velyky verletzte sich bei der EM im ersten Spiel nach vier Minuten am Knie © getty

Bei Sport1 spricht Oleg Velyky über den Kampf gegen den Krebs und Verletzungen. Er sagt: "Ich muss diesen schwierigen Weg zurück schaffen."

München - Oleg Velykys Nationalmannschaftskarriere steht unter keinem guten Stern.

Seit dem 1. April 2004 besitzt der gebürtige Ukrainer die deutsche Staatsbürgerschaft. Seither bestritt er 33 Länderspiele für die DHB-Auswahl.

Deutlich mehr hätten es sein können, wenn der 30-Jährige nicht so vom Pech verfolgt werden würde.

Im Herbst des Jahres 2003 identifizierten Ärzte einen wachsenden Fleck auf seiner Haut als Hautkrebs. Nach einer 18-monatigen Therapie galt Velyky als geheilt. Doch im März 2008 brach die Krankheit erneut aus.

"Ich muss diesen schwierigen und langen Weg zurück schaffen", sagt Velyky im Sport1-Interview.

Der Leidgeplagte spricht über den Kampf gegen den Krebs und sein Verletzungspech, und wie schwer es ist, zuschauen zu müssen.

Sport1: Man hört und liest im Moment gar nichts von Ihnen. Deswegen zunächst die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?

Oleg Velyky: Danke, gut. Es geht mir mal besser, mal schlechter, aber im Prinzip ist alles okay.

Sport1: Was macht Ihnen im Moment mehr zu schaffen: Ihre Krankheit oder Ihr Knie?

Velyky: Es war von Anfang an klar, dass das Knie einfach seine Zeit braucht. Ich mache meine Reha, und alles was dazu gehört. Ich trainiere immer noch alleine, immer noch ohne Ball und nicht in der Halle. Soweit ist das Knie aber okay. Und meine Erkrankung, da muss ich abwarten. Es geht nur mit Geduld und braucht Zeit. Ich bin oft bei Untersuchungen zur Nachkontrolle. Man muss einfach abwarten und nach vorne gucken.

Sport1: Sie haben versprochen, dass Sie wiederkommen werden auf die Handball-Bühne. Haben Sie schon konkrete Pläne für ein Comeback?

Velyky: Nein, natürlich nicht. Ich kann kein genaues Datum sagen, wann ich wieder spielen kann. Da sind diese zwei großen Sachen passiert und man muss schon Geduld haben. Aber ich hoffe, vielleicht bis zum Anfang der neuen Saison schon einigermaßen etwas zu schaffen und in der Mannschaft zu stehen.

Sport1: Die Nationalmannschaft bereitet sich gerade auf die Olympischen Spiele vor. Haben Sie Kontakt zur Mannschaft respektive zu Heiner Brand?

Velyky: Ich habe mit Heiner Brand erst vor einer Stunde telefoniert. Ich habe den Kontakt nicht verloren.

Sport1: Fällt es Ihnen schwer, den Weg Ihrer Kollegen zu verfolgen, wo Sie im Moment nicht mit dabei sein können?

Velyky: Leider habe ich ja schon die Weltmeisterschaft wegen einer Verletzung verpasst. Ich war zwar dabei, aber ich habe nicht gespielt. Bei der Europameisterschaft habe ich mich im ersten Spiel verletzt. Keine Ahnung, wie ich das ausdrücken soll, aber ich war richtig traurig. Und jetzt bei Olympia klappt es auch nicht. Ich glaube, ich schaffe es nie, dabei zu sein.

Sport1: Wie gehen Sie mit Ihrem Schicksal um?

Velyky: Das macht mich auch körperlich kaputt, aber mehr noch im Kopf, dass ich dabei sein könnte, aber eben doch nicht wegen der Verletzung. Das darf man so eigentlich nicht sagen, aber es war fast keine Überraschung für mich. Ich bin schon daran gewöhnt, große Turniere zu verpassen. Ich habe jetzt andere Ziele vor mir. Ich muss positiv denken und hoffen, dass es weiter gut läuft und ich es dann irgendwann trotzdem schaffe, wieder auf dem Spielfeld zu stehen."

Sport1: Was machen Sie zurzeit neben der Reha?

Velyky: Neben dem Training und der Reha versuche ich einfach so weiter zu leben wie vorher. Das hat mir ja auch Spaß gemacht. Ich habe auch Familie und Kind. Ich habe viel Spaß mit meiner Familie.

Sport1: Woher nehmen Sie die positive Energie und die mentale Kraft für Ihre Genesung?

Velyky: Viel hilft mir natürlich meine Familie. Aber ich habe auch einfach die Lust am Handball spielen nicht verloren. Deswegen muss ich diesen schwierigen und langen Weg zurück schaffen. Genauso habe ich auch nicht die Lust verloren, weiterzuleben. Man bekommt im Leben wahrscheinlich keine einzige Sache geschenkt, um jede Kleinigkeit muss man kämpfen. Genauso steht diese Sache vor mir. Ich muss kämpfen, um ganz normal weiterzuleben.

Sport1: Sie waren bei der WM in Deutschland verletzt, sie galten als Pechvogel bei der EM, hinzu kommt die Krebserkrankung. Gibt es manchmal Momente in Ihrem Leben, in denen Sie sich fragen, warum das alles ausgerechnet Ihnen passiert?

Velyky: Ja, ich habe mir diese Frage schon tausend Mal gestellt, aber ich habe keine Antwort darauf. Ich weiß nicht, warum es so ist. Aber man muss alles so nehmen, wie es kommt, und versuchen, damit umzugehen. Ich mache das, bis heute hat es funktioniert, und ich gehe davon aus, dass es auch weiter funktioniert.

Sport1: Sie sind Anfang des Jahres von den Rhein-Neckar Löwen nach Hamburg gewechselt, konnten aber wegen Ihrer Verletzung noch kein einziges Spiel für den HSV machen. Fühlen Sie sich trotzdem schon zu Hause beim HSV?

Velyky: Nicht so richtig. Vielleicht kommt das, wenn ich das erste Spiel mache und in den ersten paar Minuten auf dem Feld stehe oder beim Fototermin. Vielleicht kann ich dann sagen, jetzt bin ich richtiger Hamburger.

Sport1: Haben Sie Kontakt zu den Spielern und zum Trainer Martin Schwalb?

Velyky: Ja klar, wir sind alle in gutem Kontakt. Ich habe heute mit der Geschäftsstelle telefoniert. Am Wochenende habe ich mit Christian Fitzek, dem Sportlichen Leiter, telefoniert. Also im Prinzip sind wir alle in Kontakt. Und sie interessieren sich auch dafür, wie es bei mir läuft und was ich mache. Also bin ich nicht alleine.

Das Gespräch führte Eva Fischer

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