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Der Führungsstil von DHB-Chef Uli Strombach gefällt nicht allen © imago

Ein Geldangebot des DHB bei der Bewerbung um die WM 2005 erregt die Gemüter. Wird die Affäre zum Stolperstein für den Verbandschef?

Von Wolfgang Kleine

München/Hamburg - DHB-Präsident Uli Strombach kommt mit seinem Führungsstil nicht bei allen im Verband gut an. Vor allem scheint der Rechtsanwalt aus Gummersbach einigen Chefs der Landesverbände ein rotes Tuch zu sein.

Nun steigt am Samstag und Sonntag in Hamburg der DHB-Bundestag. Das ist eine Veranstaltung, bei der die Landesfürsten dem Uli Strombach eins auswischen und ihn aus dem Amt jagen können.

Das vom Verbands-Präsidium vereinbarte Vier-Augen-Gespräch bei wichtigen Verhandlungen und das alleinige Vertretungsrecht des DHB-Chefs und dessen Stellvertretern scheint den Landesvertretern ein Dorn im Auge zu sein.

Und so muss man Fakten auf den Tisch bringen, die der Reputation Strombachs schaden können. Die scheinen jetzt gefunden zu sein.

50.000 Dollar geboten

Rechtzeitig vor dem Bundestag wurde genüsslich eine Affäre aufgegriffen, welche die DHB-Führung im Zwielicht erscheinen lässt. Auch wenn DHB-Vize Horst Bredemeier gegenüber Sport1.de betont: "Das ist doch eine alte Kamelle."

Worum geht's? Um die Bewerbung des DHB als Ausrichter der WM 2005. In diesem Zusammenhang hat die DHB-Führung, wie Bredemeier bestätigt, dem Mitbewerber Russland 50.000 Dollar angeboten, damit die Russen ihre Bewerbung zurückziehen.

Eine weitere Absprache gab's mit Norwegen, die dann auch von der Bewerbung absahen. Den Russen wurden 10.000 Dollar überwiesen. Ein deutscher Sponsor sollte für die Gesamtsumme aufkommen. Doch der sprang ab.

Reizthema auf dem Bundestag

Nicht Deutschland, sondern Tunesien erhielt dann aber den Zuschlag. Trotzdem forderten die Russen die Restsumme von 40.000 Dollar. Die wurde dann vom Konto des DHB, das beim IHF geführt wird, durch den Weltverband inzwischen beglichen.

Diese Mauschelei bei der Bewerbung um die WM 2005 könnte jetzt auf dem DHB-Bundestag in Hamburg zum Reizthema werden.

Die Fragen: Sind solche Geld-Machenschaften im internationalen Handball üblich? Sind sie verwerflich? Und kann man daraus dem DHB-Chef Strombach nachträglich einen Strick drehen?

"Gebaren recht sonderbar"

Frank Gebhardt (Bergisch Gladbach), Vize im Westdeutschen Verband, zu Sport1.de: "Der eine oder andere kann den Uli Strombach nicht leiden. Der muss sich auf seiner Ebene mit einigen Verbänden herumschlagen."

Reiner Witte, Chef des Norddeutschen Verbandes: "Das hat mit der Vier-Augen-Problematik zu tun. Damit erklären sich einige Verbände nicht einverstanden. Ich möchte mich als Mitglied des DHB-Präsidiums da bedeckt halten."

Ein der Strombach-Kritiker ist Badens Verbandschef Holger Nickelt (Frankfurt). Der Wirtschaftsprüfer nennt die DHB-Gebaren in dem "NDR"-Bericht "sonderbar".

"Wie kam die Fußball-WM nach Deutschland?"

Andere Landesverbands-Vertreter haben da weniger moralische Bedenken. Frank Gebhardt: "Wir können nicht mehr mit Hurra- und Turnvater-Jahn-Gedanken in solch große Veranstaltungen gehen, die ja auch von der Wirtschaft unterstützt werden. Ich würde schon zumindest stillhalten, wenn es um eine Sache geht, die dem deutschen Handball dienen kann."

Reiner Witte zu Sport1.de: "Ich frage mich, wie ist die Fußball-WM nach Deutschland gekommen, wie sind die Olympischen Spiele nach China gekommen? Mit finanziellen Unterstützungen wird man tagtäglich auch in anderen Verbänden konfrontiert."

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