In seiner Kolumne schreibt Florian Kehrmann über Lemgos Pleitenserie. Nach der EM-Pause freut er sich auf die Jägerrolle.

Hallo Handball-Freunde,

Trotz meines Nasenbeinbruchs habe ich derzeit mehr seelische als körperliche Schmerzen.

Zwar ist die Stelle noch schmerzempfindlich, aber lang nicht mehr so schlimm wie in den ersten Tagen. Die Angst spielt aber noch ein bisschen mit, gerade wenn man gelegentlich am Kreis aushilft.

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Schlimmer als die Nase schmerzen die drei Niederlagen zuletzt. Gegen Hannover-Burgdorf haben wir richtig schlecht gespielt und zu Recht verloren. Gegen Flensburg hatten wir sehr viel Pech, haben mit sechs Toren geführt, aber dennoch verloren.

Gegen Göppingen waren wir auch sehr lange dran und standen am Ende wieder ohne Punkte da. Da hat uns das Selbstvertrauen gefehlt, das wir uns gegen Hannover eben nicht geholt haben.

Das ist natürlich deprimierend, und macht die Sache gegen Magdeburg nicht einfacher, um dort mal eben die Punkte mitzunehmen.

Wir sollten jetzt auch nicht mehr auf Platz drei schielen, sondern uns voll auf das Spiel gegen Magdeburg konzentrieren. Schließlich ist es das letzte Spiel vor der Europameisterschafts-Pause.

Im Februar werden wir dann hoffentlich mit voller Kapelle und fitten Spielern wieder angreifen. Dann sind wir nicht die Gejagten, sondern die Jäger. Ich denke, dass dadurch der Druck auf uns nicht mehr ganz so groß ist.

Wichtig ist, dass alle angeschlagenen Spieler fit werden und die Spieler, die zur Europameisterschaft fahren, gesund und fit wieder zurückkommen. Wenn wir gesund und fit sind, können wir jede Mannschaft schlagen.

Ich bin froh, dass unser Trainer Volker Mudrow seinen Vertrag verlängert hat. Das ist der richtige Schritt. Zumal die drei Niederlagen in den letzten drei Spielen sicherlich nicht am Trainer lagen. Volker macht gute Arbeit, ich trainiere ja schon sehr lange unter ihm. Das ist eine gute Entscheidung vom Verein.

Auch Sebastian Preiß wird uns erhalten bleiben. Das ist natürlich sehr positiv. Sebastian hat sich in den letzten Jahren in Lemgo und der Nationalmannschaft stark weiterentwickelt.

Leider wird uns Carsten Lichtlein verlassen. Ich kenne Carsten schon sehr lange. Wir haben lange Zeit im Verein und der Nationalmannschaft zusammengespielt. Viele Verträge laufen aus, einige werden verlängert, andere nicht. Im Sport ist es nun mal so, dass manchmal unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen.

Hoffentlich hat Carsten bei der EM, die Möglichkeit sich für andere Vereine zu empfehlen.

Für mich bedeutet die EM-Pause ein bisschen Urlaub. Zu Beginn werde ich Skifahren und dann geht es auch schon wieder mit unserer Vorbereitung los.

Die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft werde ich mir nicht vor Ort ansehen, die kollidieren mit der Vorbereitung. Aber wenn es möglich ist, fahre ich zum Halbfinale nach Wien, aber dass hängt dann von unserer Vorbereitung ab.

Ich wünsche uns eine tolle Europameisterschaft, am besten mit vielen Erfolgen der deutschen Mannschaft.

Euer Florian Kehrmann

Florian Kehrmann, 32, spielt seit 1999 in Lemgo. Mit dem TBV wurde Kehrmann 2002 Deutscher Pokalsieger und 2003 Deutscher Meister. In Ljubljana holte der Nationalspieler nach Platz zwei bei der WM 2003 und bei der EM 2002 den Europameister-Titel 2004. 2007 wurde er dann mit der Brand-Truppe Weltmeister. Zudem stand Kehrmann bei Olympia in Athen mit dem DHB-Team auf dem Podest, holte dort Silber. Seit Jahren gehört Deutschlands Handballer des Jahres 2003 und 2005 zu den besten Rechtsaußen der Welt. Informationen zu unserem Sport1.de-Kolumnisten finden Sie unter www.florian-kehrmann.de

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