vergrößernverkleinern
Oleg Velyky gab 2005 sein Debüt in der deutschen Nationalmansnchaft © imago

Der frühere Nationalspieler Oleg Velyky erliegt im Alter von 32 Jahren seinem Krebsleiden. 2007 stand er im deutschen WM-Kader.

München/Kiew - Im vergangenen März schien es noch einmal so, als sei alles in Ordnung.

13.170 Zuschauer erhoben sich in der Hamburger Arena von ihren Sitzen und hielten Schilder mit seiner Trikotnummer "10" in die Höhe, als Oleg Velyky endlich als Handballspieler in der Hansestadt zu bewundern war.

Vier Minuten spielte er für den HSV gegen den THW Kiel und nur sein kahler Kopf ließ erahnen, welch schmerzhaften Weg Velyky damals bereits hinter sich hatte.

Dreimal gehörte der individuell vielleicht beste deutsche Rückraumspieler der letzten Jahre danach noch zum Kader der Hamburger. Dreimal durfte er sich im Kreis der Mannschaft noch einmal als Handballer fühlen, dann musste er endgültig kapitulieren.

Im Kreise der Familie

Der Hautkrebs schwächte den gebürtigen Ukrainer so, dass er nicht mehr um Punkte, sondern einzig um das Leben kämpfen musste.

In der Nacht zum Samstag hat Oleg Velyky den Kampf nun verloren, im Alter von 32 Jahren starb er im Kreise seiner Familie in seiner Heimat Ukraine in Kiew.

Er hinterlässt Ehefrau Kataryna und den sechsjährigen Sohn Nikita.

Verlust eines Freundes

Am Samstagmorgen erreichte die Nachricht auch seine Kollegen aus der Nationalmannschaft, die bei der EM in Innsbruck nur wenige Stunden zuvor den Einzug in die Hauptrunde gefeiert hatten.

"Wir trauern sehr über diesen Verlust eines großartigen Spielers und Freundes. Wir haben Oleg Velyky als untadeligen Sportsmann und Vorbild als Kämpfer im Handball und um sein Leben kennengelernt", sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Im ersten Hauptrundenspiel am Sonntag gegen Weltmeister Frankreich (ab 16.15 Uhr LIVE) wird die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand mit Trauerflor auflaufen.

Keine Kraft zum Telefonieren

Die vergangenen Monate bereits hatte sich Velyky in seine Heimat zurückgezogen, und seine Kollegen ahnten, dass es wohl ein Abschied für immer sein würde.

"Wir wussten, dass er wohl nicht mehr zurückkommen wird. Er war auch nur noch schwer zu erreichen, da er keine Kraft mehr zum Telefonieren hatte", sagte Pascal Hens, Teamkollege beim HSV und in der Nationalmannschaft.

Bei der WM verletzt

Für die war Velyky im Januar 2008 im Auftaktspiel der EM in Norwegen gegen Weißrussland letztmals aufgelaufen. Nach wenigen Minuten erlitt er einen Kreuzbandriss - den zweiten seiner Karriere.

Auch als sich die Deutschen durch die goldene Heim-WM 2007 feierten, saß Velyky nur als stiller Beobachter am Spielfeldrand.

Wegen einer Fußverletzung kam der frühere Profi von TuSEM Essen und den Rhein-Neckar Löwen zu keinem Einsatz im Turnier.

Niemals aufgegeben

Am 8. Januar 2005 hatte der gebürtige Ukrainer sein erstes von 38 Länderspielen für den Deutschen Handball-Bund (DHB) absolviert. Kurz danach spielte er bei der WM in Tunesien.

Da hatte er bereits die erste Hautkrebs-Diagnose öffentlich gemacht.

2003 hatten Ärzte bei Velyky ein malignes Melanom diagnostiziert und operativ entfernt.

"Schon in Tunesien musste er sich immer wieder spritzen lassen und mal pausieren. Aber entscheidend war, wie er bei all den Rückschlägen immer gekämpft hat", sagte ein sichtlich bewegter Heiner Brand am Samstag.

Beisetzung in Kiew

Im März 2008 musste sich Oleg Velyky dann einer erneuten Hautkrebsoperation unterziehen. Ein Jahr später kam das Coemback beim HSV.

Velyky sagte damals: "Es besteht immer das Risiko, dass die Krankheit wieder ausbricht."

In der kommenden Woche soll er in seiner Heimat beigesetzt werden.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel