Florian Kehrmann schreibt in seiner Sport1.de-Kolumneüber Lemgos erste Härtetests, die HSV-Krise und den erkrankten Oleg Velyky.

Liebe Handball-Freunde,

Mit Großwallstadt haben wir jetzt einen richtig dicken Brocken vor der Brust, der erste Härtetest sozusagen. Andererseits haben wir mit dem Sieg gegen Madgeburg und dem Auswärtspunkt bei den Rhein-Neckar Löwen bewiesen, gegen große Teams mithalten zu können.

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Bislang sind wir sehr gut aus den Startlöchern gekommen, nun steht aber nach dem Spiel bei den "Löwen" das zweite schwere Auswärtsspiel der Saison an. Großwallstadt ist außergewöhnlich gut gestartet, hat mit Hamburg einen der ganz großen Vereine erlegt.

Es wird schwer für uns. Großwallstadt spielt einen sehr schnellen Ball, außerdem haben sie mit Neuzugang Oli Köhrmann einen echten Führungsspieler in ihren Reihen, der es ständig schafft, Druck auf die Deckung auszuüben. Nicht zu vergessen die vielen Talente im Kader der Großwallstädter. Wie gesagt: Es wird sehr hart für uns, aber dennoch bin ich guter Dinge.

Guter Dinge bin ich beim HSV aber nicht. Der selbsterklärte Meisterschaftskandidat kommt nicht in Gang, was zu einem Großteil sicher am Ausfall von Pascal Hens liegt.

Außerdem wurden auf wichtigen Positionen neue Spieler geholt, auch ein Weltklasse-Spieler wie Kyung-Shin Yoon will erst einmal ersetzt werden. Das ist eine schwierige Situation, zumal etliche Spieler aufgrund von Olympia die Vorbereitung nicht vollständig haben absoliveren können.

Wenn dann ein, zwei Spiele nicht wie gewünscht laufen, tritt Verunsicherung ein. Selbstverständlich hatte der HSV alles andere als ein leichtes Auftaktprogramm, der Knacks kam aber erst mit der Pleite in Dormagen und dem Remis zuhause gegen Berlin.

Ganz klar: Wer um die Meisterschaft mitspielen will, darf diese Punkte auf keinen Fall liegen lassen. Der HSV hat schon sieben Minuspunkte auf dem Konto. Ich bezweifle stark, dass Kiel in der gesamten Saison überhaupt so viele anhäuft. Meiner Meinung nach kann sich der HSV bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Meisterschaft abschminken. Unmöglich ist im Handball nie etwas, von Hamburg werden sich die starken Kieler die Butter aber wohl nicht mehr vom Brot nehmen lassen.

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die neuerliche Krebs-Erkrankung von Oleg Velyky eingehen, die mich zutiefst erschüttert hat.

Diese Nachricht ist so unvorstellbar traurig, gerade wenn man Oleg persönlich kennt und weiß, was für ein außergewöhnlicher Mensch er ist.

Er gibt im Sport alles, reibt sich komplett für die Mannschaft auf. Er verdient das alles nicht. Es ist scheinbar wie verhext. Wie ich Oleg kenne wird er bis zum Umfallen kämpfen und auch aus diesem Loch wieder herausfinden.

Es ist schwer, ihm in dieser Situation zu helfen. Ich wünsche aber ihm und seinen Angehörigen alle benötigte Kraft. Komm bald zurück, Oleg!

Euer Florian Kehrmann

Florian Kehrmann, 31, spielt seit 1999 in Lemgo. Mit dem TBV wurde Kehrmann 2002 Deutscher Pokalsieger und 2003 Deutscher Meister. In Ljubljana holte der Nationalspieler nach Platz zwei bei der WM 2003 und bei der EM 2002 den Europameister-Titel 2004. 2007 wurde er dann mit der Brand-Truppe Weltmeister. Zudem stand Kehrmann bei Olympia in Athen mit dem DHB-Team auf dem Podest, holte dort Silber. Seit Jahren gehört Deutschlands Handballer des Jahres 2003 und 2005 zu den besten Rechtsaußen der Welt. Informationen zu unserem Sport1.de-Kolumnisten finden Sie unter www.florian-kehrmann.de

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