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Frank Lemme (l.)und Bernd Ullrich gehörten seit 1990 zum DHB-Kader © imago

Juristischer Punktsieg für die deutschen Schiedsrichter: Die EHF hebt die Sperre gegen die beiden auf - wegen "formaler Mängel".

Wien - Die einstigen deutschen Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich haben ein halbes Jahr nach ihrem Karriereende noch einen juristischen Punktsieg gelandet.

Die vom Europäischen Handball-Verband EHF ausgesprochene fünfjährige internationale Sperre gegen das Spitzenpaar aus Magdeburg, das in eine Manipulationsaffäre verwickelt gewesen sein soll, wurde aufgehoben.

Das entschied am Donnerstag die EHF-Berufungsinstanz und gab damit dem Einspruch von Lemme/Ullrich statt.

"Wir haben unsere Unschuld immer betont und hätten uns eine eingehende Sachprüfung gewünscht, die dies belegt hätte", sagte Ullrich dem Internetportal "handball-world.com" und zeigte sich nur bedingt zufrieden mit dem Freispruch zweiter Klasse.

Verjährung des Vorfalls

Ausschlaggebend für die Aufhebung der ursprünglich bis 2014 laufenden Sperre war eine Verjährung ("formale Mängel") des Vorfalls, der sich nach dem Finalrückspiel im Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid am 29. April 2006 zugetragen hatte.

Eine Anklage hätte binnen zwei Jahren nach den Geschehnissen erfolgen müssen.

50.000 Dollar im Gepäck

Im April 2006 hatten russische Zollbeamte am Moskauer Flughafen 50.000 Dollar Bargeld in Ullrichs Gepäck gefunden.

Lemme/Ullrich, die am Tag zuvor die Partie zwischen Moskau und Valladolid geleitet hatten, bestritten alle Manipulationsvorwürfe und gaben an, reingelegt worden zu sein. Zur Last gelegt wurde dem Gespann, dass es den Vorfall zunächst nicht bei der EHF gemeldet hatte.

Nur neun Monate Sperre durch DHB

Der europäische Verband war den Unschuldsbeteuerungen der beiden nicht gefolgt und hatte sie wegen Verstoßes gegen den Ehrenkodex gesperrt. Dagegen hatten Lemme/Ullrich mit einer finanziellen Unterstützung von 10.000 Euro durch den Deutschen Handball-Bund (DHB) Einspruch eingelegt.

Der DHB hatte die Magdeburger lediglich mit einer neunmonatigen Sperre bestraft, die am 15. Dezember 2009 abgelaufen war.

Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, wieder auf das Bundesliga-Parkett zurückzukehren, gingen die beiden Magdeburger mit ihrem Rücktritt im Januar 2010 dem drohenden Widerstand aus dem Ligaverband HBL aus dem Weg. "Die Kraft für weitere Machtkämpfe mit der Liga ist aufgebraucht", hatte das Referee-Gespann unisono gesagt.

185 internationale Einsätze

Zahlreiche Vertreter der HBL hatten eine Rückkehr von Lemme und Ullrich in den Ligabetrieb abgelehnt und sich damit auf Konfrontationskurs mit dem DHB begeben.

Seit 1976 waren die Magdeburger als Schiedsrichter tätig, absolvierten 560 DHB-Einsätze und wurden 185 Mal vom Weltverband IHF und der EHF berufen.

2005 pfiffen sie das WM-Finale. Dazu kamen zwei Endspiele der Champions League und als Höhepunkt 2008 in Peking das Olympia-Finale der Männer zwischen Frankreich und Island.

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