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Johannes Bitter debütierte am 4. Januar 2002 gegen die Schweiz für Deutschland © getty

Die Nationalspieler Johannes Bitter und Torsten Jansen gründen eine Spielerorganisation, um "die Schraube zurückzudrehen".

Von Julian Meißner

München - Die Überbelastung der Handball-Profis in Deutschland ist seit langem ein heiß diskutiertes Thema, nun nehmen sich die Protagonisten selbst der Sache an.

Die Nationalspieler und HSV-Profis Torsten Jansen und Johannes Bitter bestätigten, dass sie sich konkret mit der Gründung einer Spielerorganisation zur Vertretung der Interessen der Aktiven befassen.

"Es stimmt, dass wir die Planungen vorantreiben. Dies ist eine notwendige Konsequenz", so Bitter in der "Handballwoche".

Man arbeite mit viel "Leidenschaft und Herzblut an einem starken und operationsfähigen Organ", so Bitter: "Die Pläne sind so weit gereift, dass es vielleicht schon vor Saisonbeginn Ende August Konkreteres gibt. Eines ist klar: Eine Handballspielerorganisation als Fixpunkt für alle weiblichen und männlichen Lizenzspieler wird kommen."

Laut Jansen seien alle Spieler und Spielerinnen, die auf das Thema angesprochen wurden, "hellauf begeistert".

Terminkalender Thema Nummer eins

Das Hauptproblem, gegen das die Handballer kämpfen, ist der extrem dichte Terminkalender.

Gerade für die Nationalspieler bleibt angesichts des Zwei-Jahres-Rhythmus' der Welt- und Europameisterschaften plus Olympia neben den Spielen im Verein mit Bundesliga und auf internationalem Parkett kaum Zeit zum Verschnaufen.

Bitter sagte: "Wir sind an einer Grenze angekommen, an der die Schraube wieder bewusst zurückgedreht werden muss. Die Spieler haben bis jetzt keinerlei Möglichkeit, mitzureden oder Einfluss zu nehmen, und werden somit zum Spielball der Funktionäre."

Jansen zieht "Notbremse"

Jansen, mit 33 Jahren und über 170 Länderspielen einer der erfahrensten Akteure im deutschen Handball, erklärt: "Ein großes Problem ist die geistige Frische. Der Kopf steuert alles, und wenn ein paar Prozent Motivation und Konzentration fehlen, steigt die Verletzungsanfälligkeit erheblich."

Deshalb habe er - wie Bitter auch - die "Notbremse gezogen" und auf den USA-Trip des DHB-Teams in diesem Sommer verzichtet.

"Durch die Überbelastung steigt die Verletzungsanfälligkeit erheblich und gleichzeitig sinkt ja auch das Niveau auf dem Spielfeld - und darunter leiden letztlich auch die Zuschauer", so Jansen.

Mitspracherecht auf allen Ebenen

Deshalb fordern die beiden, eine Spielervertretung der stärksten Liga der Welt solle bei allen wichtigen Entscheidungen, national und international, mit am Tisch sitzen. Bitter führte die deutschen Fußballer und Basketballer sowie die Handballer in Dänemark als Beispiele für funktionierende Aktivenorganisationen an.

Auch im Bereich medizinischer Fragen, rechtlicher Probleme sowie im Antidopingkampf könnte eine Interessenvertretung den Spielern helfen.

Jansen: "Jeder beschwert sich"

Für Jansen ist bislang das Problem gewesen, dass "jeder für sich alleine an seiner Front kämpft. Jeder beschwert sich und fordert Veränderungen, hat aber nicht die Möglichkeit und die Macht, um wirkliche Veränderungen zu bewirken."

Fakt sei, so Bitter, "dass der Körper das Kapital des Sportlers ist. Und zurzeit wird damit nicht sehr sorgsam umgegangen".

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