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Kyung-Shin Yoon (M.) wurde bei der letzten WM 2006 in Deutschland mit Korea 15. © getty

Der achtmalige Bundesliga-Torschützenkönig soll schwere Vorwürfe gegen seinen Nationalverband erhoben haben. Man wolle ihn zum Spielen zwingen.

Von Julian Meißner

München - Der Welthandballer von 2001 und achtmalige Bundesliga-Torschützenkönig Kyung-Shin Yoon hat einem Medienbericht zufolge schwere Anschuldigungen gegen den südkoreanischen Handball-Verband erhoben.

So soll der Verband versucht haben, Yoon zu einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Frühjahr 2009 in Kroatien zu zwingen, nachdem dieser bereits seinen Rücktritt erklärt hatte.

Offenbar drohen seinem Klub Doo San Sanktionen, sollte Yoon nicht einlenken.

"Sie haben mich vor die Wahl gestellt: Entweder ich spiele oder sie sperren den Verein und mich", zitierte die "Bild" den Koreaner.

"Ich kann nicht mehr"

Der ehemalige Gummersbacher und Hamburger ist seit dieser Saison in seiner Heimat aktiv, um seine Karriere ausklingen zu lassen.

"Ich kann nicht mehr. Mein Körper ist müde. Darum bin ich ja wieder in Korea", sagte Yoon. Er wolle seinen dreijährigen Sohn aufwachsen sehen.

Yoon, der vergangene Saison Handball-Legende Jochen Fraatz als ewigen Torschützenkönig der Bundesliga abgelöst hatte, führte Südkorea in den Neunziger Jahren zurück in die Weltspitze.

Yoon würde einlenken

Die Hoffnung hat der 35-Jährige, den sie zu Anfang seiner Gummersbacher Zeit "Nick" tauften, weil er zu allem per Kopfnicken Ja und Amen sagte, noch nicht aufgegeben.

"Ich hoffe, der Verband lenkt ein. Sollten sie weiter drohen, werde ich spielen. Um meinem Verein nicht zu schaden", sagte er.

Zweimal bereits war der Ausnahmekönner mit dem unberechenbaren linken Wurfarm bester Werfer bei einer WM, auf ein drittes Mal könnte er gut verzichten.

Frage der Mentalität

Doch schon zu seinen Zeiten in Deutschland konnte der 2,04-Meter-Mann schlecht Nein sagen.

So hielt er jahrelang dem VfL Gummersbach die Treue, den Wechsel zum HSV bezeichnete er schließlich dann doch als "die beste Entscheidung meines Lebens."

Warum war er nicht früher gegangen? Yoon: "Das ist wohl meine koreanische Mentalität: Ich wollte den VfL nicht im Stich lassen."

Mit dieser Einstellung schaffte es Yoon in Südkorea zum "Sportler des Jahrhunderts". Sollten die Vorwürfe gegen den Verband gerechtfertigt sein, Dankbarkeit sähe anders aus.

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