Florian Kehrmann schreibt in seiner Sport1.de-Kolumne über Essens Insolvenz und das nächste Bundesliga-Spiel gegen Kiel.

Liebe Handball-Freunde,

dass der TuSEM Essen Insolvenz anmelden muss, finde ich schade. Die Liga sorgt für Negativ-Schlagzeilen und dadurch entsteht schon ein Imageschaden. Mich selbst hat die Sache auch berührt: Ich habe dort in der Jugend selber zwei Jahre gespielt. Da verfolgt man den TuSEM natürlich immer ein bisschen mehr als andere Vereine.

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Ich dachte, dass der TUSEM den Weg wieder zurückgefunden hat und sich in der Liga etablieren kann. Scheinbar hat man da schlecht gewirtschaftet. Vielleicht ist es auch ein Zeichen, dass es in Essen keinen Bundesliga-Handball geben soll.

Es ist schon sehr fragwürdig, dass ein Klub, der als Zwangsabsteiger feststeht, die Saison noch zu Ende spielen muss. Natürlich ist das eine Wettbewerbsverzerrung, andererseits es ist auch gang und gebe, dass sich Mannschaften zum Ende der Hinrunde oder Ende Dezember noch verstärken.

Wenn jetzt noch Spieler den Verein verlassen, wird Essen vielleicht keine Punkte mehr holen. Minden aber hat gegen den TuSEM verloren, und das sind Punkte, die GWD ganz doll weh tun.

Dass der TuSEM noch mal in die Bundesliga zurückkehrt, will ich nicht ausschließen: Man hätte 2005 auch nie gedacht, dass sie zurückkommen.

Der TuSEM muss das Konzept noch mal überdenken, ob er nicht lieber einen richtigen Neuaufbau macht. Vielleicht auch nicht zu schnell zu viel wollen, sich erstmal wieder etablieren und kein Hau-Ruck, um wieder in die Bundesliga zu kommen.

Essen sollte sich erst mal in der 2. Liga oder der Regionalliga etablieren und einen langsamen Aufbau starten.

Ich denke aber nicht, dass der TuSEM die Stadt wechseln sollte: Der Verein hat genug Tradition. Mir fällt auch keine Stadt ein, die unbedingt mit einem großen Konzept in die zweite oder erste Bundesliga will.

In Hamburg hat man aber gesehen, dass es Erfolg hat. Aus Schwartau ist der HSV Hamburg hervorgegangen.

Bei Berlin war es mit den Reinickedorfer Füchsen ein kleiner Verein, der zu einem großen geworden ist und Aushängeschild der Stadt Berlin ist. Ansonsten hat es das im Handball noch nicht groß gegeben, das muss man abwarten.

Am Sonntag geht es für uns gegen die verletzungsgeplagten Kieler. Wir werden uns darauf vorbereiten, dass Nikola Karabatic trotz seiner Schulterveletzung dabei ist. Dass der THW sich nach dem Ausfall von Börge Lund noch verstärkt, ist ihnen jederzeit zuzutrauen. Doch es scheint tatsächlich schwer zu sein, jemanden zu finden, der auf diesem Niveau auch reinpasst.

Glenn Solberg wäre so einer gewesen, doch der ist wohl nicht loszueisen. Wir wissen aber: Kiel hat eine gute Mannschaft und in solchen Situationen auch immer gut gespielt.

Euer Florian Kehrmann

Florian Kehrmann, 31, spielt seit 1999 in Lemgo. Mit dem TBV wurde Kehrmann 2002 Deutscher Pokalsieger und 2003 Deutscher Meister. In Ljubljana holte der Nationalspieler nach Platz zwei bei der WM 2003 und bei der EM 2002 den Europameister-Titel 2004. 2007 wurde er dann mit der Brand-Truppe Weltmeister. Zudem stand Kehrmann bei Olympia in Athen mit dem DHB-Team auf dem Podest, holte dort Silber. Seit Jahren gehört Deutschlands Handballer des Jahres 2003 und 2005 zu den besten Rechtsaußen der Welt. Informationen zu unserem Sport1.de-Kolumnisten finden Sie unter www.florian-kehrmann.de

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