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Nach Bernhard Kempa (re.) ist auch die Sportartikelmarke Kempa benannt © imago

Der Erfinder des Kempa-Trick feiert Geburtstag - und wartet auf eine Ehrung. Im heutigen Handball würde er einiges verändern.

Bad Boll - Das Prädikat Legende wird bisweilen voreilig vergeben. Aber Bernhard Kempa als lebende Handball-Legende zu bezeichnen, ist keine Übertreibung.

Weltweit bekannt geworden ist "Monsieur" Handball durch den in keinem Lehrbuch fehlenden Trick, den der einst beste Spieler der Welt bei einem lockeren Training in Göppingen entwickelte.

Uraufführung hatte der Kempa-Trick am 24. März 1954 bei einem inoffiziellen Länderspiel Deutschland gegen Schweden (10:10) in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe.

Am Freitag feiert der Erfinder dieser bis heute sehenswerten Wurfkombination seinen 90. Geburtstag - und das im großen Rahmen.

"Von 120 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Sport haben nur drei abgesagt. Hoffentlich stehe ich den Gratulationsmarathon gut durch", sagt der vitale, rüstige Rentner vor seinem Ehrentag.

Der Mann mit dem Trick

Kempa steht nach eigener Aussage vor der Aufnahme in die Hall of Fame: "Es kommt verhältnismäßig spät, ich bin einfach vergessen worden."

Vergessen ist der am 19. November 1920 in Oppeln/Oberschlesien geborene Handballer mit der ausgeprägten Finesse und Ästhetik bis heute nicht.

Kempa war immer mehr als nur der Mann mit dem weltbekannten Trick. 1947 in Göppingen gelandet, schrieb er bei Frisch Auf ein glanzvolles Kapitel. Als Spieler und Trainer feierte er bis 1971 Erfolge am Fließband.

"Ein waschechter Amateur"

Als Spieler errang er zwei deutsche Meisterschaften, als Erfolgstrainer ließ er acht Meistertitel und 1960 einen Europapokal-Triumph folgen.

In die deutsche Nationalmannschaft wurde der Vollblutspieler 31-mal (131 Tore) berufen. Seine ruhmreiche sportliche Karriere krönte der Oberstudienrat a.D. mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft auf dem Feld (1952 und 1954) sowie der Vize-Weltmeisterschaft in der Halle.

Kempa erinnert sich mit einem Schmunzeln: "Für die WM-Titel gab es damals eine Uhr beziehungsweise einen Anzug. Geldprämien wurden nicht gezahlt, ich war immer ein waschechter Amateur."

Stammgast bei Göppinger Heimspielen

1985, lange nach dem Ende seiner Trainer-Laufbahn, flatterte bei Kempa ein Traumangebot ins Haus. Der Schweizer Erstligist köderte ihn mit 100.000 Franken für ein Jahr.

"Ich lehnte ab, weil ich weiter ruhig, bescheiden und länger leben wollte."

Aber Handball bestimmt auch heute noch das Leben des Bernhard Kempa. Er ist interessierter Stammgast bei den Heimspielen von Frisch Auf. Auch im hohen Alter bleibt er ein kritischer Beobachter der Handballszene.

"Wie da genüppelt wird"

Am liebsten würde er die eine oder andere Regeln ändern: "Ich würde die Bälle vergrößern, um die Torflut einzudämmen. Und damit die Torhüter und die Abwehr wieder eine Chance haben, sollte der Torkreis von sechs auf sieben Meter erweitert werden. Es müssen ja nicht 60 oder 70 Tore pro Spiel fallen."

Mit der Härte des Handballs heutzutage kann sich Kempa ganz und gar nicht anfreunden.

"Ich mache oft die Augen zu. Wie da geknüppelt wird. Ohne Rücksicht auf Verluste wird gestoßen, gehalten, geschlagen. Ich möchte heute alles sein, nur kein Aktiver mehr!"

Erfolgreiche zweite Karriere

Dann lieber Tennis. Und das noch zweimal die Woche. Den Schläger schwingt Kempa bereits seit 1947.

In seiner "zweiten sportlichen Karriere" hat er große Erfolge vorzuweisen: Dreimal wurde er Weltmeister, 39-mal Europameister in Einzel, Doppel und Mixed sowie 50-mal deutscher Meister bei den Senioren.

Auch auf dem Ski stand er seinen Mann bis ins hohe Alter - erst ein Knöchelbruch stoppte den Allrounder auf der Piste.

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