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Der ehemalige Rückraumspieler Stephan wurde 1998 zum Welthandballer gekürt © getty

Daniel Stephan verlässt zum Saisonende die HSG wegen fehlender finanzieller Perspektive in Düsseldorf. Er liebäugelt mit dem DHB.

Düsseldorf/Köln - Es ist nicht nur sein goldener rechter Arm, der in Erinnerung geblieben ist.

Den begnadeten Handballer Daniel Stephan umgab auch immer ein Hauch von Tragik - während seiner aktiven Karriere, in der er wegen fast unglaublichen Verletzungspechs kein einziges WM-Spiel bestritt, aber auch danach.

Am Mittwoch saß der 37-Jährige in weißem Hemd und schwarzem Sakko in der Jägerstube der Brauerei "Im goldenen Ring" in Düsseldorf, um seinen Rücktritt als Sportdirektor des örtlichen Zweitligisten HSG anzukündigen.

Der Frust sitzt tief

Zermürbt von politischen Ränkespielchen am Rhein und finanzieller Perspektivlosigkeit des Klubs, gab Stephan auf.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dass sich die HSG noch Hoffnungen auf den Aufstieg in die Bundesliga machen darf, spielte für ihn keine Rolle mehr: "Ich bin geradlinig, wollte das nicht verschleppen. Mit Offenheit kommt man noch immer am weitesten."

Der Frust sitze tief, sagt er, "die Rahmenbedingungen haben sich derart verändert, dass ich meine Arbeitsweise nicht mehr umsetzen kann".

Kein Plan für die Zukunft

Bis heute weiß er nicht, mit welchem Etat er für die kommende Saison hätte planen können. Verhandlungen mit potenziellen Spielern verliefen deshalb im Sand.

"Das alles ist bitter, zumal es sonst in Düsseldorf gepasst hat", sagt Stephan, der noch bis zum Saisonende in Düsseldorf weitermacht.

Einen Plan B hat der Welthandballer von 1998 nicht in der Tasche.

"Ich habe mir keine Gedanken gemacht, was nun kommt. Das geht auch nur, wenn ein Schlussstrich gezogen ist", sagt Stephan. Momentan versucht er, die A-Trainerlizenz zu erlangen.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

[kaltura id="0_j0g2fqk7" class="full_size" title=" Das muss man akzeptieren "]

"Ich habe keine Angst"

Abseits des Handballs bietet sich auf den ersten Blick keine Alternative. Seine Banklehre in Lemgo brach er einst ab, um sich voll auf den Sport zu konzentrieren.

"Ich habe keine Angst", sagt Stephan, "dass ich jetzt nichts habe, ist halt so. Ich habe als Profi gut verdient und das Geld nie sinnlos zum Fenster rausgeworfen. Ich stehe nicht unter Zeitdruck."

Natürlich sei er offen für alles, sagt Stephan, und das schließt ausdrücklich einen Posten beim Deutschen Handball-Bund ein.

Zukunft beim DHB?

"Es gab schon früher Gespräche mit DHB-Präsident Uli Strombach, aber es ist nicht meine Aufgabe, mich ins Gespräch zu bringen", sagt er - und tut es dann doch ein wenig.

"Klar ist, dass es Veränderungen geben muss", meint er mit Blick auf die unsichere Zukunft von Bundestrainer und Lichtgestalt Heiner Brand.

"Es muss Diskussionen ohne Tabus geben. So kann es nicht weitergehen."

Das Aus in Düsseldorf war die zweite schmerzhafte Erfahrung, die Stephan nach dem Ende seiner aktiven Karriere 2008 gemacht hat. In Lemgo war es 2009 noch schlimmer gewesen.

Beim TBV, dem er insgesamt 15 Jahre lang zur Seite gestanden hatte, wurde er als Sportlicher Leiter gemeinsam mit Trainer Markus Baur überraschend entlassen.

Einen Blick zurück im Zorn gibt es für ihn nicht, weder auf seine durch Verletzungen zerrissene Karriere, noch auf "seinen" Klub in Lemgo.

"Ich bin meinem Charakter treu geblieben, habe mich vor keinen Karren spannen lassen und mich nicht verbogen. Das ist das, was zählt."

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