In letzter Sekunde gelingt Gummersbach die Rettung vor dem finanziellen Aus. In früheren Zeiten spielten beim VfL zwei Weltstars.

Es war einer der größten Tage in der 150-jährigen Klub-Geschichte des VfL.

12.000 Zuschauer in der überfüllten Dortmunder Westfalenhalle.

Vier Tage nach der gelungenen Olympia-Qualifikation der bundesdeutschen Handball-Nationalmannschaft gegen die DDR im damaligen Karl-Marx-Stadt mussten die Helden der Partie am 10. März 1976 wieder ran.

Heiner Brand und vor allem Joachim Deckarm spielten mit dem VfL Gummersbach im Halbfinal-Hinspiel des Landesmeister-Europacups gegen den damaligen Favoriten Borac Banja Luka.

Während der VfL heutzutage gerade noch einmal dem finanziellen Kollaps entging (Bericht: Gummersbach erhält Lizenz), kämpfte damals der weltbeste Handballklub ums Prestige.

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Doch nicht nur der Klub, sondern auch zwei Protagonisten, die dem Verein ihren Stempel aufdrückten: Hansi Schmidt und Jungstar Jo Deckarm. Schmidt, der von 1964 bis zu diesem Jahr das Idol war. Er hatte den VfL mit seinen gewaltigen Sprungwürfen in die Weltspitze geführt.

Doch der Hansi war auch eine Diva, der neben sich keine Stars akzeptierte. Jo Deckarm, der am 30. März 1979 in Tatabanya schwer verunglückte, war der andere. Er war beliebt und hatte die BRD-Auswahl kurz zuvor nach sensationellen Spielen zu Olympia in Montreal geführt.

Und jetzt, vor der Partie gegen Banja Luka, kam es zum Showdown der beiden Superstars. Die Mannschaftsvorstellung und die Präsentation der einzelnen VfL-Spieler wurden zum herausragenden Ereignis.

12.000 Fans waren in Stimmung, die Journalisten gespannt. Schmidt mit der Nummer "9", Deckarm mit der Nummer "11". Jeder wurde vorgestellt, bei vielen gab's den erwarteten Beifall.

Und dann kam Hansi Schmidt. Der Hallensprecher kündigte an: "Mit der Nummer neun - Hans-Günter Schmidt!" Er trat aus der Reihe der Mannschaft vor, verbeugte sich vor den Fans nach vorn und in die andere Richtung und erhielt tosenden Beifall.

Doch das war noch nicht alles. Der Hallensprecher kündigte Jungstar Deckarm an: "Und mit der Nummer elf - Joachim Deckarm!" Was dann geschah, als sich Deckarm vor den Fans verbeugte, sorgte nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Journalisten für Gänsehaut.

Der Beifall und die Lautstärke wuchsen zu einem wahren Orkan. Die Westfalenhalle bebte, während Hansi Schmidt missmutig in die Runde schaute. Der 33-Jährige wusste es: Das war die Wachablösung beim weltbesten Handballverein.

Ein 22-Jähriger hatte ihm die Show gestohlen. Hansi Schmidt soll in dem Moment beschlossen haben, den VfL zu verlassen. Ein ganz Großer musste einem noch Größeren weichen.

Die spätere 13:15-Niederlage gegen Borac Banja Luka war da nur Nebensache.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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