Stefan Kretzschmar ist vom Spitzenspiel zwischen Berlin und Kiel begeistert. Der HSV hat zu alter Stärke zurückgefunden.

Hallo Handball-Fans,

Wow, was war das für ein Kracher.

Sowohl von der Qualität, als auch von der Spannung, war das Spiel zwischen den Füchsen Berlin gegen den THW Kiel kaum zu übertreffen. Beide Mannschaften haben in meinen Augen überragenden Handball geboten.

Mich wundert es immer wieder, wie sich die Füchse nach Rückschlägen präsentieren. Erst haben sie sich nach dem frühen 1:5-Rückstand zurückgekämpft und dann die zweite Halbzeit sogar selbst gestaltet. Als Mannschaft haben sie eine hohe Qualität gezeigt.

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Man darf ein Team nie auf einzelne Spieler reduzieren, aber Thierry Omeyer und Daniel Narcisse waren die Faktoren, die Berlin nie ausschalten konnte.

Die Füchse haben trotz der individuellen Unterlegenheit gut dagegen gehalten und bombig gespielt. Man kann sagen, es haben zwei Spitzenmannschaften auf Augenhöhe gekämpft.

Bleibt die Frage, wer den THW diese Saison schlagen kann. Die Kieler haben bei den Löwen gewonnen und auch Flensburg zu Hause geschlagen. Es gibt sicher nicht viele Mannschaften, gegen die dieses Team verlieren wird.

Wenn sie keinen Schlendrian reinbringen oder mit angezogener Handbremse antreten, wird es schwer, Kiel in Bestbesetzung zu besiegen.

Andererseits, wenn sich ein, zwei entscheidende Spieler verletzen, sieht die Welt dort auch wieder anders aus. Das hat ihnen bereits letztes Jahr das Genick gebrochen. Das wünschen wir dem THW natürlich nicht, aber das kann schnell passieren.

Der HSV hat währenddessen zu alter Stärke zurückgefunden und ist nun wieder im Rhythmus. Die Hamburger sind daher nicht nur wegen ihrer 16:4 Punkte Verfolger Nummer eins. Über die Qualität im Kader muss man nicht sprechen, da ist der HSV sicherlich die Mannschaft, die am ehesten mit dem THW mithalten kann.

Kommen wir zur Nationalmannschaft. Beim Supercup steht das Debüt von Martin Heuberger an.

Ich denke, er ist ein sehr ruhiger und kommunikativer Trainer. Er hat in seinen ersten Wochen viele Spiele besucht und auch den Kontakt mit den Bundesligisten gesucht. Das wird ihm sicherlich hoch angerechnet.

Heuberger besitzt sehr viel Handball-Fachverstand, ist ein nüchterner und analytischer Trainer. Ich bin gespannt, ob er auch die Persönlichkeit mitbringt, um in der Nationalmannschaft charakterlich schwer besetzte Positionen in den Griff zu kriegen.

Unser aller Wohl hängt auch von der Nationalmannschaft ab, die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist das oberste Ziel.

Der Supercup ist da schon ein ordentlicher Gradmesser. Mit Spanien, Schweden und Dänemark trifft man auf drei Weltklassemannschaften. Ich hoffe, dass das DHB-Team mit seiner Spielweise die Zuschauer begeistern kann und sich für die Europameisterschaft Selbstvertrauen holt.

Ich bin optimistisch, dass in dieser Trainerkonstellation die Jungs wieder wissen, worum es geht. Und dass sie wissen, was der Adler auf der Brust bedeutet: Nämlich Stolz und keinen Druck.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 38, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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