Stefan Kretzschmar blickt nach dem tragischen Unglück der Methe-Brüder auf ihre Karriere zurück und fordert Konsequenzen.

Hallo Handball-Fans,

das tragische Schicksal von Bernd und Reiner Methe hat mich schwer getroffen. Dies ist nämlich nicht nur der Verlust von zwei Schiedsrichtern, sondern von zwei Mitgliedern der Handball-Familie.

Sie gehörten über so viele Jahre hinweg dazu, viele hatten die beiden ins Herz geschlossen. Es wird noch dauern, bis man ihren Verlust begreift, aber von verarbeiten kann noch gar keine Rede sein.

Sportlich waren Bernd und Reiner das Nonplusultra im deutschen und internationalen Schiedsrichterwesen. Wenn man über Handball-Schiedsrichter in Deutschland geredet hat, ging das einher mit Methe/Methe. Die beiden waren das Schiedsrichterpaar schlechthin.

Auch international waren sie bei den großen Turnieren und Wettbewerben immer dabei.

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Deshalb hatten wir ein sehr enges Verhältnis zu den beiden - auch abseits der Spiele gab es immer einen sehr kollegialen und angenehmen Austausch.

Natürlich hatten wir auch mal Differenzen. Spieler suchen ja gerne nach Ausreden, wenn es nicht läuft oder man verliert, und schieben dann die Schuld auf die Schiedsrichter, weil sie das schwächste Glied in der Kette sind.

Ich erinnere mich noch gut an das Pokalfinale 2002 unter der Leitung der Methe-Brüder, das ich damals mit Magdeburg gegen Lemgo verloren habe. Ich machte den beiden noch jahrelang Vorwürfe wegen Entscheidungen, mit denen ich damals nicht einverstanden war. Es herrschte sogar eine Zeit lang Stille zwischen uns.

Im Nachhinein ist das angesichts dieses Schicksalsschlages natürlich makaber und vor allem traurig. Und ich bin sehr froh, dass wir diesen Zwist vor einigen Jahren ausgeräumt haben und seitdem wieder ein gutes Verhältnis pflegten.

Daran sieht man aber, wie sinnlos und bescheuert es als Spieler ist, sich auf solche Konflikte einzulassen. Es ist jetzt wirklich an der Zeit, den Umgang mit den Schiedsrichtern zu überdenken, damit es ein respektvolleres Miteinander gibt.

Am Unglückstag ist mein Handy förmlich explodiert, weil ich von allen Seiten SMS bekam und mir viele Freunde und Kollegen die traurige Nachricht überbrachten.

Ich war schockiert und wusste gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Mir sind tausend Sachen durch den Kopf gegangen, und ich habe mich an Erlebnisse mit den beiden erinnert.

Und ehrlich gesagt, hätte ich mir gewünscht, dass der Spieltag abgesagt wird und man versucht, allmählich wieder zur Tagesordnung überzugehen. Doch es wurde anders entschieden und wir alle, die mit Handball zu tun haben, mussten damit klar kommen.

Auch für mich war es sehr schwer, das nächste Spiel zu kommentieren. Meine Gedanken waren und sind immer noch permanent bei den Angehörigen.

Ich hoffe, dass sich nun alle an die eigene Nase fassen und künftig einen respektvolleren Umgang mit Schiedsrichtern, Offiziellen, aber auch Trainern und Mitspielern, einfach allen aus der Handball-Familie, pflegen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 38, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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