Stefan Kretzschmar zeigt sich von der Leistung der Löwen gegen Lübbecke überrascht. Dem SCM bescheinigt er eine tolle Verfassung.

Hallo Handball-Fans,

nach zuletzt vier Niederlagen in Folge, inklusive der Pokal-Pleite in Kiel, hatten viele den SC Magdeburg schon in einer kleinen Krise vermutet. Umso eindrucksvoller waren die Leistungen des SCM in Melsungen und gegen Hannover.

Eine große Stärke der Magedeburger dieser Saison sind die beiden Torhüter, gerade Gerrie Eijlers hat gegen Hannover überragend gehalten.

Natürlich profitiert er dabei aber auch von der stabilen und besonders bei Heimspielen sehr aggressiven Verteidigung vor ihm.

Aus dieser stabilen Abwehr heraus laufen die Magdeburger in letzter Zeit überragende Tempogegenstöße. Ihre beiden Außen, Yves Grafenhorst und Robert Weber, haben eine sehr gute Trefferquote und so kommen die Magdeburger auf einfachste Weise immer wieder zum Torerfolg.

Es sieht momentan wieder ganz danach aus, als sollte der SCM die Europapokal-Plätze halten können. Der sechste Tabellenplatz entspricht auf jeden Fall ihrem Leistungsniveau.

Aller Voraussicht nach werden sie sich mit der SG Flensburg-Handewitt, den Rhein-Neckar Löwen und dem TBV Lemgo um Rang vier streiten.

Das ist sicherlich das Optimum, das diese Mannschaft erreichen kann, auf jeden Fall aber auch ein realistisches Ziel. An die Spitzenteams kommt der SCM derzeit noch nicht ganz ran, mit den unmittelbaren Tabellennachbarn kann man aber durchaus mithalten.

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Das Spiel der Rhein-Neckar Löwen beim TuS N-Lübbecke verlief äußerst kurios. Bei diesem 32:31 in letzter Sekunde kann man nicht einfach nur von Pech für die Löwen sprechen.

Lübbecke hat die gesamte Partie über super gekämpft und nie aufgesteckt, dementsprechend geht der Sieg auch in Ordnung. Gerade in der Schlussphase haben die Lübbecker und insbesondere Daniel Svensson noch einmal so richtig aufgedreht.

Hinzu kamen die ungewöhnlich vielen technischen Fehler der Löwen. Eigentlich hatten sie die Partie über weite Strecken im Griff und umso überraschender war es auch, dass sie den Sieg am Schluss so leichtfertig hergeschenkt haben.

Aber gerade in den entscheidenden Phasen haben die Löwen leichte Fehler gemacht, die man von all diesen Weltklassespielern sonst eigentlich nicht gewohnt ist.

Noch kurz zur Champions-League:

Der THW Kiel hat sich nicht nur gegen Belgrad, sondern auch schon zuvor in Wetzlar lange schwer getan. Natürlich kann man jetzt sagen: ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Zwischenzeitlich wirkte das aber fast schon etwas pomadig.

Vielleicht machen die Kieler das aber auch absichtlich, sind clever und sparen momentan Kräfte für die kommenden wichtigen Aufgaben.

Bisher ist ihnen jedenfalls noch nichts passiert. In der Liga sind sie verlustpunktfrei und auch in der Champions League haben sie noch alles in der Hand. Der Kader wirkt fit.

Sollte Flensburg, Hamburg oder Berlin nicht irgendwann mal die Überraschung gelingen, könnte die restliche Hinrunde für die anderen Mannschaften in der Bundesliga ganz schön deprimierend werden.

Dem HSV Hamburg dürfte die Rückkehr von Michael Kraus unterdessen sehr entgegen kommen.

Natürlich muss man aber erstmal abwarten, wie er nach dieser langen Verletzungspause in den Kader hineinfindet. Scheinbar hat sich "Mimi" aber sehr professionell auf dieses Comeback vorbereitet und schwer dafür gearbeitet.

Ich würde ihm wünschen, dass er zu 100 Prozent wieder einsteigen und sich durchbeißen kann. Sollte er richtig fit sein, kann er sich bestimmt auch wieder für das Nationalteam ins Gespräch bringen und wäre für die EM 2012 in Serbien eine echte Alternative.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 38, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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