Stefan Kretzschmar sieht im Rückrundenstart der Toyota HBL die Chance, die verpasste Olympia-Quali vergessen zu machen.

Hallo Handball-Fans,

die Rücktrittsforderung von Silvio Heinevetter in Richtung des DHB-Präsidenten Ulrich Strombach hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen.

Ich will mich in diese Debatte nicht weiter einmischen. Aber dass Heinevetter mit Konsequenzen rechnen muss, glaube ich nicht. Denn auch beim All Star Game war niemand vom DHB vertreten.

Ich wäre schon froh, wenn man sich überhaupt mal äußern würde. Aber ich habe das Gefühl, dass dieses Thema wieder ausgesessen wird und man versucht, die ganze Geschichte im Sande verlaufen zu lassen.

Ich finde, wenn man von Verjüngung spricht, sollte man auch vor der Führungsriege nicht halt machen. Natürlich hat Uli Strombach seine Verdienste um den deutschen Handball, aber ich glaube, wir sollten uns den Ist-Zustand vor Augen halten. Und da gibt es noch einige Baustellen.

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Ich bin der Meinung, dass man aus dem "Produkt Nationalmannschaft" wesentlich mehr herausholen könnte; vor allem was die Wirtschaftlichkeit und die Außendarstellung betrifft. Das frustriert mich schon lange.

Dass wir die Olympia-Qualifikation verpasst haben, muss unsere Sportart erst einmal verdauen. Außerdem wissen wir noch gar nicht, was das für Auswirkungen haben wird.

Der Rückrundenstart in der Liga bietet nun die Möglichkeit für einige Spieler, mit guter Leistung zu überzeugen und sich von der Frustration der EM freizuspielen.

Dass es jetzt mit dem Liga-Alltag wieder losgeht, ist für alle Beteiligten gut. Denn heutzutage fühlen sich die meisten Spieler im Verein wohler als in der Nationalmannschaft. Dort finden sie eine komfortablere Situation vor, in der sie mit anderen Leuten zusammenspielen und genau wissen, was sie zu tun haben.

Für Meister HSV geht es mit dem Spiel gegen die Füchse gleich ordentlich zur Sache.

Bei drei Punkten Rückstand auf die zweitplatzierten Berliner und acht Zählern auf den THW Kiel dürfen sich die Hamburger nicht mehr viel erlauben. Sollten sie das große Prestige-Spiel gegen Berlin verlieren, sind die Füchse der Meisterjäger Nummer eins.

Von der Qualität her müssen die Hamburger aber das Ziel haben, Zweiter zu werden und die direkte Champions-League-Qualifikation zu schaffen. Doch andere Vereine - wie Flensburg - sind schon Lauerstellung.

Allerdings bin ich auch gespannt, wie die Mannschaft den Trainerwechsel verarbeitet, zumal Jens Häusler auch kein erfahrener Coach ist. Was in Hamburg passiert, beobachte ich mit viel Neugierde und Spannung.

Jedenfalls darf der HSV diese Saison nicht abschenken. Man hat eine Verantwortung der Stadt und den Fans gegenüber.

Hoch interessant finde ich auch die Aktivitäten der HSG Wetzlar auf dem Transfermarkt. Da muss man respektvoll den Hut ziehen. Man hat sich dort mit am Michael Müller, Jens Tiedtke und Tobias Reichmann am spektakulärsten verpflichtet - von allen Bundesligisten.

Ich hoffe nur, dass man dort kein finanzielles Risiko eingeht und keine Harakiri-Transfers macht. Mit dem Kader können sie in der nächsten Saison einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, vielleicht sogar noch mehr.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 38, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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