Stefan Kretzschmar zeigt sich überrascht von Duschebajews Absage in Hamburg. Nielsens Rückzug sieht er als Chance für die Löwen.

Hallo Handball-Fans,

nach der Absage von Talant Duschebajew habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wer den Trainerposten beim HSV künftig übernehmen könnte.

Ich weiß nicht einmal, ob die Hamburger selbst eine Ahnung haben. Sie haben zwar immer gesagt, sie würden mit mehreren Kandidaten verhandeln. Aber so etwas sagt man auch gerne mal, um die Öffentlichkeit zu beruhigen.

Ich glaube, die Suche beginnt jetzt ganz von vorne.

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Für so eine Mannschaft wie die des HSV, die meiner Meinung nach zu den besten der Welt zählt, bedarf es auch einem entsprechend guten Trainer. Da den richtigen Mann zu finden, der sich in Hamburg positionieren und für sportlichen Erfolg sorgen kann, dürfte nicht einfach werden.

Für das, was in Hamburg verlangt wird, kommen nicht allzu viele Trainer in Frage.

Allerdings dürfte es auch für jeden Trainer dieser Welt eine der größten Herausforderungen und ein Traum sein, Coach des HSV zu werden. Die relativ guten ökonomischen Bedingungen, die tolle Stadt und eine fast immer ausverkaufte Halle - all das sind Möglichkeiten, die man sonst eigentlich nur im Paradies vorfindet.

Eigentlich ist es unmöglich, ein solches Angebot abzulehnen. Wer dort ablehnt, hat von Handball nichts verstanden.

Zu der Arbeit von Jens Häusler kann man bisher nicht viel sagen. Die Hamburger haben gegen Berlin verdient, aber auch etwas glücklich gewonnen. Häusler wirkte recht souverän und wenig aufgeregt.

Dennoch wird die Rückrunde nicht leicht, schließlich verfolgen die Hamburger ehrgeizige Ziele. Sie haben jedes Jahr den Anspruch, Titel zu gewinnen. Von daher war es ganz gut, dass es für Häusler erfolgreich losging. Sonst hätte es wohl gleich wieder gebrannt. So hat er jetzt aber genug Zeit, zu zeigen, ob er der Richtige für den Job ist.

Taktisch kann man natürlich noch keine eigene Handschrift von ihm erkennen. Schließlich ist die Mannschaft über einen gewissen Zeitraum ja auch schon gewachsen und besteht aus einer Vielzahl von Weltklassespielern, die wissen, was sie zu tun haben.

Häuslers Aufgabe wird sein, den Spielern ein gewisses Grundkonzept mitzugeben und sie bei Laune zu halten.

Die Rhein-Neckar Löwen werden durch den Verlust von Jesper Nielsen in den kommenden Jahren einen erheblichen finanziellen Einschnitt hinnehmen müssen.

Sie werden sich damit abfinden müssen, ihr ganzes Projekt neu zu definieren. Sie werden gezielter einkaufen und in ihrer ganzen Personalpolitik umdenken müssen. Künftig können sie eben nicht mehr nach der Torschützenliste einkaufen, wie sie es in den Jahren zuvor getan haben.

Das könnte zur Folge haben, dass man sportlich nicht mehr mit Hamburg oder Kiel auf Augenhöhe liegen wird.

Natürlich ist es immer bitter, wenn man sich so an einen Sponsor bindet und dieser sich dann zurückzieht, aber dieser Gefahr mussten sich die Löwen eigentlich von Beginn an bewusst sein. Man muss eine solche Entscheidung wie diese von Nielsen respektieren.

Sie könnte auch eine große Chance sein für die Löwen, mit mehr Spielern aus der Region künftig auch eine größere Identifikation mit dem Publikum zu schaffen.

Außerdem stehen sie mit den Spielern, die sie bisher verpflichtet haben, nominell immer noch besser da als beispielsweise Magdeburg oder Göppingen und können sicher um die Champions-League-Plätze mitspielen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 38, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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