SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar stärkt den Kritikern den Rücken. Den Champions-League-Sieg habe Kiel fast sicher.

Hallo Handball-Fans,

steigen wir gleich mit der Brand-Heinevetter-Debatte ein: Natürlich hat jeder das Recht, Kritik zu üben und sich konstruktiv zu äußern.

Man muss beachten, dass es Leute gibt, die sich kümmern und Gedanken machen, so wie Bob Hanning. Auch Silvio Heinevetter hat seine Kritik nicht geäußert, um Streit anzuzetteln. Vielmehr macht er sich Gedanken um die Sportart und die Nationalmannschaft.

Solche Leute sind mir zehnmal lieber als Menschen, die blind mit dem Strom schwimmen und nicht bereit sind, für Veränderungen zu sorgen, wenn Veränderungen nötig sind.

Man sollte aber immer bestrebt sein, solche Kritikpunkte intern zu klären, damit der Ruf des Handballs nicht leidet.

Nun ist die Kritik aber in der Öffentlichkeit ausgetragen worden - und von Seiten des DHB versucht man es auszusitzen. Deshalb erwarte ich auf von Seiten Strombachs keine öffentliche Reaktion und für Heinevetter keine Konsequenzen.

[image id="dd6d0c1a-645b-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Es war schließlich auch keine Attacke, die die Handball-Welt auseinander reißt, oder eine Meinung, mit der Heinevetter und Hanning alleine da stehen. Ich denke, dass es Strukturveränderungen in einigen Bereichen geben muss, um sich künftig moderner aufzustellen.

Im Bereich Nachwuchsarbeit und Jugendförderung ist der DHB mit Heiner Brand als Frontfigur bemüht. In diese Richtung geht meine Kritik sicher nicht.

Sie bezieht sich vielmehr darauf, dass man nicht mit der Zeit gegangen ist und aus den Erfolgen der "Goldenen Generation" nicht viel gemacht hat. Natürlich konnte man sich auf den Erfolgen ausruhen, sich zurücklehnen und hat davon einige Zeit auch gut gelebt.

Im wirtschaftlichen und ökonomischen Bereich sowie in der Außendarstellung der Nationalmannschaft ist es aber nicht optimal, wie sich der Verband präsentiert - gerade für die Jugendlichen. In diesem Bereich muss modernisiert werden.

Aber jetzt zum aktuellen Spielbetrieb: In der Champions League haben mich die Füchse Berlin überrascht.

Dass sie nicht in Madrid gewinnen, war keine große Überraschung. Dass sie aber die Chance hatten, dort zu gewinnen, zeigt, dass sie eine echte Spitzenmannschaft geworden sind. Ich denke, dass sie gegen Silkeborg gewinnen und ins Achtelfinale einziehen werden. Das wäre ein toller Erfolg für diese Mannschaft.

Auf den Champions-League-Sieg ist der THW Kiel für mich der klare Favorit.

Natürlich gibt es auch andere gute Mannschaften, aber ich denke, dass der THW die beste Mannschaft der Welt ist. Bei den Hamburgern und den Füchsen muss man sehen, was möglich ist. Natürlich hat sich Hamburg in der Vorrunde nahezu schadlos gehalten, aber man muss bedenken, dass sie in der wohl einfachsten Gruppe waren.

Dennoch haben sie durch die Erfolge Selbstvertrauen tanken konnten. Jetzt weiß man jedoch nicht genau, wo man international steht, aber gut Chancen hat der HSV auf jeden Fall, weil sie eine starke Mannschaft haben.

Unter der Woche haben Guillaume und Bertrand Gille beim HSV ihren Abgang verkündet. Persönlich finde ich es sehr traurig, dass die beiden gehen. Sie waren Zugpferde für die ganze Liga.

Bertrand ist natürlich bei den Mädels sehr beliebt - so kommen direkt 40.000 Zuschauerinnen mehr vor den Fernseher, wenn die Hamburger spielen. Sie haben zehn Jahre lang großartig abgeliefert und den HSV dahin gebracht, wo er jetzt ist. Sie sind tolle, sympathische Identifikationsfiguren.

Aber man muss ihnen die Chance geben, in Frankreich die Grundlage für ihr Leben nach dem Handball zu legen. Vom HSV ist es fair, den beiden Brüdern keine Steine in den Weg zu legen. Ich finde es super, wie beide Seiten mit dem Abgang umgehen.

Die Gille-Brüder sind Leute, denen man gerne zugeschaut hat, wegen denen der Handball populärer geworden ist und die in Frankreich alles gewonnen haben. Ihr Abgang ist definitiv ein Verlust.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel