SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar schwärmt von den Füchsen und Coach Sigurdsson. Die Berliner hätte es härter treffen können.

Hallo Handball-Fans,

Für das Prestige der Füchse ist der Einzug ins Achtelfinale natürlich super. Dass sie sich bei ihrer ersten Champions-League-Teilnahme in einer relativ schweren Gruppe durchgesetzt haben, ist natürlich ein wirtschaftlicher aber vor allem auch ein Prestige-Faktor. Dazu kann man sie nur beglückwünschen.

Für mich haben sich die Füchse mittlerweile zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Das war in der kurzen Zeit nicht zu erwarten.

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Sie haben eine tolle Teamchemie, mit Dagur Sigurdsson einen unglaublich guten Trainer, der ganz großartige taktische Maßnahmen ergreift und dorthin passt wie die Faust aufs Auge. Sie spielen eigentlich immer über ihren Möglichkeiten, wenn man sie sieht. Und man wundert sich immer: Wie geht das mit diesem Kader, wie machen die Füchse das, dass sie in der Liga dermaßen überzeugen und auch in der Königsklasse ins Achtelfinale einziehen?

Sie haben in Moskau gewonnen, in beiden Spielen gegen Madrid sehr gut ausgesehen und sind insgesamt doch sehr souverän aufgetreten - alle Achtung dafür!

Jetzt haben sie einen dicken Brocken zugelost bekommen. Hamburg ist, das bringt der Kader mit sich, der Favorit in diesem Duell. Die Kieler sind für mich mit ihrer Souveränität in allen Wettbewerben das Maß aller Dinge und Barcelona kennt sich in der Champions League bestens aus, da sie dort jedes Jahr vertreten sind.

Darum schätze ich Barca ein Stückchen stärker ein als den HSV. Aber bei drei der vier besten Mannschaften der Welt ist Hamburg für mich der vermeintlich schlagbarste Gegner - auch natürlich der aktuellen Situation mit Trainersuche etc. geschuldet.

Man muss den Hamburgern attestieren, dass sie sich bis auf ein Unentschieden, als ja schon um nichts mehr ging, schadlos gehalten haben. Von den Ergebnissen und Leistungen stimmt das schon. Jetzt muss man sehen, wie das Team gegen einen Kracher wie die Füchse Hin- und Rückspiel wegsteckt. Aber bisher haben sie sich eben schadlos gehalten und ich sehe keinen Grund, warum das nicht so weiter gehen sollte.

Ich glaube, dass die Lösung mit Jens Häusler zumindest für eine Übergangszeit von einem halben Jahr, in dem man sich für die Trainersuche Zeit nimmt, die richtige ist. Die Mannschaft scheint einen guten Draht zu Häusler zu haben, sie arbeiten gut zusammen und haben ein unglaublich hohes individuelles Niveau. Häusler ist zwar nicht der dominanteste Trainer, aber in dieser Mannschaft weiß ohnehin jeder worum es geht.

Mit den Füchsen haben die Hamburger sicher nicht das beste aber auch nicht das schlechteste Los gezogen. Die Alternative Montpellier schätze ich noch einen Tick stärker ein und auch Schaffhausen sollte man sicher nicht unterschätzen.

Zum Schluss noch zum großen THW: Auch wenn die Kieler in der Champions League anfangs ein paar kurze Schwächephasen hatten, geht der Gruppensieg völlig in Ordnung. Für mich sind sie das beste Team der Welt und der Topfavorit auf den Titel - solange alle gesund und fit bleiben.

Gegen Wisla Plock werden sie auch nichts anbrennen lassen. Dass sie ihr Heimrecht getauscht haben, spricht für ihr großes Selbstvertrauen. Das Achtelfinale werden sie auf jeden Fall packen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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