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Der Ägypter Hassan Moustafa ist seit 2000 IHF-Präsident - und umstritten © getty

Wegen fehlender Dopingtests droht dem Handball sogar das Olympia-Aus. Sport1.de-Kolumnist Florian Kehrmann findet das unfair.

Von Dustin Werk

München - Olympia 2012 in London ohne Handball? Ob dies Realität wird, bleibt abzuwarten.

Doch der Weltverband IHF steuert auf eine handfeste Krise zu, sollte er seinen zuletzt scharf kritisierten Umgang mit den Dopingrichtlinien der WADA nicht ändern.

Der Präsident des Weltverbandes IHF, der Ägypter Hassan Moustafa, lässt nach einem Bericht von "ZDF online" alle Ansetzungen für Dopingkontrollen vor internationalen Wettkämpfen über seinen Tisch gehen.

Genau hier jedoch liegt das Kernproblem. Denn: Die Statuten der WADA verlangen für unabhängige Kontrolleure uneingeschränkten Zugang zu den Spielern und schreiben Trainingskontrollen seitens der IHF vor und während der Turniere vor.

Tests haben nie stattgefunden

Diese Tests haben bei den vergangenen Wettkämpfen teils nie stattgefunden. Einzige Ausnahme: 2004. Beim Vorbereitungsturnier auf Olympia wurden Dopingtests angekündigt. Plötzlich saß beispielsweise die halbe ägyptische Mannschaft auf der Tribüne.

Um den WADA-Bestimmungen genüge zu tun, werden bei der WM in Kroatien ab Freitag zwei Kontrolleure der IHF anwesend sein.

Ekke Hoffmann, Geschäftsführer der IHF, sagt dazu : "Für Kroatien sind in Francois Gnamian und Ridha Mokni zwei Leute aus der medizinischen Kommission eingesetzt. Alles ist bereits organisiert, es finden Dopingkontrollen statt."

"Brauchen gar nicht mehr zu testen"

Für IHF-Mediziner Hans Holdhaus ist das nicht genug. Er beklagte das Prozedere schon beim Präsidenten.

"Ich habe ihm versucht zu sagen, dass das nicht geht. Aber es hat nichts genützt. Schon jetzt weiß also jeder, wann und wo in Kroatien bei der WM getestet werden wird. Dann brauche ich gleich gar nicht mehr zu kontrollieren", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Österreicher.

Für Florian Kehrmann liegt ein Teil des Problems in den verschiedenen Dopingbestimmungen in anderen Ländern. Der Sport1.de-Kolumnist meint: "Ich weiß, dass wir Deutschen sehr regelmäßig kontrolliert werden. In anderen Nationen ist das nicht der Fall. Ich wurde 2008 fünf Mal getestet, davon drei Mal unangemeldet."

Hierbei spielen die nationalen Antidopingagenturen eine Rolle. Und die haben wiederum unterschiedliche Bestimmungen und Verfahrensweisen.

Benachteiligung für andere Nationen

Jetzt könnte der gesamte Sport darunter leiden, dass einige Nationen und der rigide IHF-Präsident nicht den Auflagen der WADA nachkommen.

Für Weltmeister Kehrmann ist das unfair: "Man muss eher überlegen, ob man manche Länder nicht teilnehmen lässt, bevor man die gesamte Sportart streicht. Dafür gibt es ja die Auflagen. Es kann nicht sein, dass dadurch die Länder, die fair mit dem Doping umgehen, benachteiligt werden."

Geld für Anti-Doping-Kampf gestrichen

Moustafa und sein spanischer Schatzmeister Miguel Roca lösten die Anti-Doping-Unit des Weltverbandes auf und strichen das gesamte Budget für den Kampf gegen Doping.

Für Moustafa sind Dopingproben "rausgeworfenes Geld". Der Präsident hat gerne Kontrolle über alles, was in seinem Verband passiert. Und das betrifft nicht nur die Budgets.

Diese Haltung könnte dem Handball jetzt noch teurer zu stehen kommen.

Bis Mai müssen Lösungen her

Bald müssen Lösungen her, sonst droht die Absetzung. Bis zur Sitzung des IOC im Mai müssen die Normen der WADA erfüllt sein.

Für das Image des Handballs hat die Aufklärung der Sachlage eine immense Bedeutung. "Olympia ist sehr wichtig um unseren Sport nach außen hin zu vertreten und weltweit voranzutreiben", weiß Kehrmann.

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