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Abalo (r.) und Dinart wurden mit Frankreich 2009 und 2011 Weltmeister © getty

Mit Geld aus Katar werden Stars wie Abalo und Dinart in die französische Hauptstadt gelockt. THW-Boss Elwardt hält davon "nicht viel".

Von Felix Götz

München - In der abgelaufenen Saison hat Paris HB in der ersten französischen Liga den zwölften Platz von 14 Teams belegt. Im Jahr zuvor hatte es auch nur zu Rang elf gereicht.

In Zukunft heißt der Hauptstadt-Klub Paris St. Germain Handball und ist deutlich weiter vorne anzusiedeln (DATENCENTER: Die Ligue Nationale de Handball).

Der Grund: Der Verein von der Seine ist nun finanziell erstklassig aufgestellt.

Wie beim gleichnamigen Fußball-Verein ist nämlich die Investorengruppe "Qatar Sports Investment" eingestiegen - Paris ist jetzt ein Scheichklub.

Viele gute Spieler kommen

Und die Geldgeber vom Persischen Golf machen ernst. Als Trainer wurde für die nächsten zwei Jahre Philippe Gardent verpflichtet.

Der 48-Jährige wurde 1995 als Spieler mit Frankreich Weltmeister und war zuletzt bei Chambery Savoie HB angestellt.

Dazu kommen mit Didier Dinart, Luc Abalo (beide Atletico de Madrid), Antonio Garcia (Ademar Leon), Mladen Bojinovic, Samuel Honrubia (beide Montpellier), Robert Gunnarsson (Rhein-Neckar Löwen) und Asgeir Örn Hallgrimsson (Hannover-Burgdorf) gleich sieben Nationalspieler.

"Es ist ein tolles Projekt, sehr ambitioniert", sagte Olympiasieger und Weltmeister Dinart, dem auch ein Angebot aus der Bundesliga von Hamburg vorlag.

"Ich halte nicht viel davon"

Ein tolles Projekt? Das sieht der Geschäftsführer des THW Kiel, Klaus Elwardt, ganz anders.

"Ich halte nicht viel davon", sagte der 56-Jährige im Gespräch mit SPORT1: "Es hat noch nie etwas gebracht, schnell einzukaufen."

Elwardt kann in dem Handeln der Investoren "kein langfristiges Denken" erkennen und meint: "Wer weiß, wie lange die Lust auf die Sache haben."

Montpellier ablösen

Das derzeitige Ziel ist jedenfalls klar: Paris, das außer dem Sieg im französischen Pokalwettbewerb 2007 und der Teilnahme an der Champions League in der Saison 2005/2006 keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hat, möchte in der Ligue Nationale de Handball die Dominanz von Montpellier HB durchbrechen.

Montpellier krönte sich in den vergangenen 15 Jahren 13 Mal zum Meister.

Ist das geschafft, dann wollen die Kataris ihren Klub natürlich auch möglichst schnell in der Königsklasse erfolgreich spielen sehen.

[kaltura id="0_4tdoragf" class="full_size" title="Kiel kr nt sich"]

Deshalb soll offenbar auch noch Ivano Balic kommen (NEWS: Alles zum Handball).

Auch Balic im Anflug?

Der Vertrag des kroatischen Superstars bei RK Zagreb ist ausgelaufen, eine Verlängerung aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten des Vereins nicht möglich.

Balic reiste vor dem Start der Olympiavorbereitung kreuz und quer durch Europa - auf der Suche nach dem besten Angebot.

Auf die Frage der kroatischen Zeitung "Vecernji", ob er seine Reise mit Besuchen bei Vereinen wie Barcelona, Paris, Kopenhagen, Veszprem oder Berlin verbunden habe, antwortete der 33-Jährige vielsagend: "Vielleicht."

Paris hat offenbar sehr viel Geld - und deswegen im Balic-Poker wahrscheinlich auch gute Karten.

Vielleicht sogar bessere als Kopenhagen mit seinem Mäzen Jesper Nielsen. Und bessere als Veszprem, das mithilfe von großkalibrigen Geldgebern ebenfalls in diesem Jahr enorm aufrüstet.

Keine Angst um THW-Stars

"Die machen den Markt verrückt", meinte Elwardt und dachte dabei vor allem an die Pariser.

Angst, dass auch einige seiner Stars vom THW dem Lockruf des Geldes verfallen und nach Frankreich wechseln könnten, hat er zumindest aktuell aber nicht.

"Unsere Spieler sind an uns gebunden", erklärte Elwardt: "Außerdem geht es nicht nur um das Geld. Ein Spieler will auch Erfolg haben. Und den sehe ich in Paris in absehbarer Zeit nicht."

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