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Jesper Nielsen sponsert auch den Fußballverein Bröndby Kopenhagen © imago

Der streitbare Investor tritt in Kopenhagen zurück. Er sieht sich als Hetz-Opfer. Das allein ist wohl nicht der Grund.

Von Tobias Wiltschek

München - Jesper Nielsen ist gescheitert.

Der dänische Selfmade-Millionär, der Unsummen in seine Handball-Vereine gesteckt hat, erklärte am Wochenende seinen sofortigen Rückzug als Präsident des dänischen Meisters AG Kopenhagen.

Jahrelang engagierte er sich darüber hinaus auch beim deutschen Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, die sich dank seiner finanziellen Unterstützung unter den Top-Klubs der Liga etablierten und zwei Mal das Champions-League-Halbfinale erreichten.

"Intensive Attacken"

Als Grund gab der 42-Jährige "die negative Berichterstattung" über seine Person an, die sich schon über fünf Jahre hinziehe und mittlerweile auch seine Familie betreffe. Vor allem die dänische Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" nahm er dabei ins Visier seiner Anschuldigungen.

Die "intensiven und persönlichen Attacken" gegen ihn hätten auch seinen Verein Kopenhagen in Mitleidenschaft gezogen und ihm keine andere Wahl als den Rücktritt gelassen.

Trotz dieser offiziellen Erklärung ist davon auszugehen, dass die schlechte Presse allein den selbstbewussten Dänen nicht zu diesem Schritt gezwungen hat. Vielmehr kursieren schon seit Wochen Meldungen, wonach Nielsen in massiven Finanznöten stecke und seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könne.

Massiver Umsatzeinbruch

Diese Schwierigkeiten resultierten demnach aus dem massiven Umsatzeinbruch bei der dänischen Schmuckfirma "Pandora".

Nielsens Unternehmen "KasiGroup" hatte 2005 die Exklusivrechte an der Firma im deutschsprachigen Raum erworben und erwirtschaftete zwischenzeitlich einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro.

Mittlerweile aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben (NEWS: Alles zum Handball).

Keine Zahlungen an die Löwen?

Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass er seine Zahlungen an die Rhein-Neckar Löwen seit sieben Monaten eingestellt habe.

Nielsen hatte sich noch bei seinem Rücktritt als Hauptsponsor des Teams aus Mannheim im Februar dazu verpflichtet, bis 2015 noch rund zwölf Millionen Euro zu zahlen.

Angeblich musste er seine Villa auf Mallorca im Wert von drei Millionen Euro als Sicherheit an den Bundesligisten verpfänden, dem beim Ausbleiben der Zahlungen ein Finanzloch in Millionenhöhe droht.

Ausstehende Zahlungen

Nielsen dementierte den Bericht über ausstehende Zahlungen zwar, doch auch in Dänemark kommt er seinen Verpflichtungen nicht mehr nach.

Kopenhagens Torwart Kasper Hvidt bestätigte in "Ekstra Bladet", dass der Klub Prämien für die Erfolge der Mannschaft in der Champions League nicht gezahlt hatte.

Nielsen versicherte indes, dass der Kopenhagener Verein auch nach seinem Rücktritt fortbestehen könne. "Wir haben einige potenzielle Sponsoren in der Hinterhand", verkündete er, "aber bis jetzt keinen Abschluss. Diese Aufgabe übernehmen nun Sören Colding und die weiteren Besitzer."

Herkulesaufgabe für Colding

Der ehemalige dänische Fußballnationalspieler Colding bleibe zudem Geschäftsführer des Vereins. Um seinen Auftrag ist er nicht zu beneiden. Er muss nun unter enormem Zeitdruck einen neuen millionenschweren Investor finden.

"Wir haben eine tolle Ausgangslage mit einer der besten Handball-Mannschaften der Welt und einem Management, das hart arbeitet", sagte er dem dänischen Onlineportal "hbold.dk".

Es dürfte in der nächsten Zeit sogar sehr hart arbeiten müssen, um die Zukunft des Vereins zu sichern.

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