"Das wäre ein Schlag ins Gesicht"
Hallo Handball-Fans,
als ich von dem Manipulationsskandal um Montpellier HB gehört habe, war ich schockiert.
Auf einen Sieg der eigenen Mannschaft zu wetten, fände ich gar nicht weiter schlimm. Aber auf eine Niederlage zu wetten, ist doch grenzwertig.
Wenn sich die Vermutungen bewahrheiten und manche Spieler die Partie tatsächlich manipuliert haben sollten, wäre das schon ein handfester Skandal für den französischen Handball und ein Schlag ins Gesicht für den gesamten Sport.
Dann wäre auch mit entsprechend harten Strafen und Sanktionen zu rechnen. Es wäre nicht nur für den Verein schlimm, sondern auch für die Spieler, deren Karrieren dann wohl beendet wären.
Gerade für die französische Liga, die sich im Aufwind befindet und mit Paris St. Germain wieder ein neues Aushängeschild besitzt, wäre es natürlich ein Nackenschlag.
Doch so lange noch nichts bewiesen ist, will ich keinen Menschen vorverurteilen. Erst wenn geklärt wurde, was genau passiert ist, kann man eine gezielte Aussage treffen.
Das gilt auch für Nikola Karabatic, der ein riesiger Sportsmann und ein Vorbild für viele Menschen ist. Für mich ist er der überragende Handballer des vergangenen Jahrzehnts. Auch ihn kann und will ich nicht vorverurteilen ( BERICHT: Denkmal Karabatic vor Einsturz).
Ich mag ihn persönlich sehr und hoffe, dass an den Gerüchten nichts dran ist. Und solange noch nichts bewiesen ist, braucht man eigentlich auch noch nicht von einem möglichen Imageschaden zu sprechen.
Deshalb auch schnell wieder zum Sportlichen und den Auftritten der deutschen Teams zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison.
Atletico zählt, auch wenn sie den Etat abspecken mussten, zu den Topfavoriten auf den Titel. Daher ist es schon ein Achtungserfolg, den die Kieler dort gelandet haben, und besonders die Art und Weise, wie sie gewonnen haben, war beeindruckend. Sie haben richtig gut gespielt und die Partie jederzeit dominiert.
Der THW wird definitiv wieder um den Titel mitspielen. Ich gehe fest davon aus, dass sie sich in der Gruppe durchsetzen und in das Final Four einziehen werden. Die Kieler sind einfach das Maß aller Dinge in Europa ( BERICHT: Kiel mit süßem Sieg - Füchse mit Gewalt).
Die Füchse haben es sich gegen Minsk sicherlich einfacher vorgestellt, haben aber eine schwere Saison vor sich. Sie machen schon seit Jahren das Beste aus ihren Möglichkeiten, zählen aber auch diesmal wieder nicht zu den Favoriten. Sie haben einfach nicht diese spielerische Qualität und Dominanz der Kieler. Zudem werden sie auch am Verlust von Alexander Petersson gehörig zu knabbern haben (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Allerdings haben sich die Berliner bislang auch nichts vorzuwerfen. Die Punkte, die sie holen mussten, haben sie geholt. Und auch gegen Barcelona beispielsweise muss das nicht unbedingt anders aussehen. Den Füchsen ist immer alles zuzutrauen.
Die Hamburger verfügen nach wie vor über eine hervorragende Mannschaft und sind deshalb auch einer der Kieler Gegner Nummer eins. Es war durchaus zu erwarten, dass sie gegen Ademar Leon gewinnen.
Auch die Flensburger haben gegen einen Topgegner wie Montpellier ein Unentschieden geholt.
Insgesamt gehe ich davon aus, dass alle vier deutschen Vertreter die Gruppenphase überstehen. Die deutsche Liga ist nicht umsonst die stärkste der Welt!
Bis zum nächsten Mal,
Euer Kretzsche
Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.