DHB-Versäumnis? "Despektierlich und traurig"
Hallo Handball-Fans,
Vlado Stenzels und Simon Schobels Kritik am DHB ( Bericht) finde ich absolut berechtigt.
Es ist despektierlich, dass sich niemand vom DHB oder der HBL-Führung, also die, die unsere Sportart repräsentieren, bei der Beerdigung eines der wichtigsten Spieler, den unsere Sportart jemals hatte, blicken lassen. Das gehört sich nicht.
Und es ist einfach nur traurig, dass es niemand für nötig hielt, ihm die letze Ehre zu erweisen. Da hat man als Verband präsent zu sein. Ich finde das schade.
Es ist aber so, dass der DHB schon viele Möglichkeiten versäumt hat, etwas für unsere Sportart zu tun. Es hätte nicht sein müssen, dass man darüber nun diskutiert. Als Verband und Liga ist das eine Selbstverständlichkeit, dass man an solch einem Anlass vertreten ist.
Aber ich rege mich darüber schon seit Jahren auf. Das ist der wichtigste Handball-Verband der Welt - und sie sind bei so vielen Veranstaltungen nicht präsent. Aber man wird müde, die Missstände immer wieder anzuprangern.
Ich nehme da sicherlich einige Personen aus. Aber das ist keine Öffentlichkeitsdarstellung, und das wirft kein gutes Licht auf den DHB. Da kann ich die alten Recken verstehen, dass sie sauer sind.
Aber diese Sache wird wieder einmal tot geschwiegen werden. Bis zu den Wahlen nächstes Jahr wird es dieses Präsidium auch durchziehen. Und bis dahin muss man nun vorbereiten, wer die neue Führung wird. Denn die alte hat ja bereits bekannt gegeben, dass sie nicht weitermachen wird.
Es geht nun darum, Leute zu finden, die den DHB in den nächsten fünf, sechs Jahren nach vorne bringen, in die richtige Richtung lenken und auch die richtigen Impulse setzen. Das ist nicht einfach. Aber es nützt auch nichts, wenn die Leute zurücktreten und wir momentan keine Alternative haben. Und soweit ich weiß, gibt es die noch nicht.
Es geht schließlich um viele Bereiche. Ich glaube, dass Bob Hanning dort eine Rolle spielen könnte - und auch sollte. Er ist jemand, der die Sportart voranbringt, und auch weiterhin enthusiastisch daran arbeiten würde. Das könnte ich mir vorstellen.
Ebenso, dass Andres Thiel ein toller Präsident wäre - von seiner Ausstrahlung, seiner Intelligenz und dem, was er im Welthandball darstellt. Auch gut fände ich es, wenn Heiner Brand DHB-Präsident werden würde.
Das sind so meine drei Ideen, die ich gut fände.
Am Ende kann es aber auch jemand aus der Wirtschaft sein, der Kontakte und Geld mitbringt. So jemand ist beim DHB sicher auch immer gerne gesehen.
Nun aber zum Sportlichen: Die deutschen Teams in der Champions League ( Bericht) haben mich an diesem Wochenende allesamt überzeugt.
Flensburgs Sieg gegen Moskau war in dieser Höhe nicht zu erwarten - vor allem, wenn man bedenkt wie schwer sich Hamburg dort zuletzt getan hat. Das war eindrucksvoll. Sie haben sehr dominant gespielt, mit einem starken Mattias Andersson im Tor. Das war ein Ausrufezeichen in der Champions League - vor allem wichtig vor heimischem Publikum.
Obwohl ich glaube, dass Moskau an diesem Tag einfach kein Maßstab war. Flensburg hat gut verteidigt und die Russen eigentlich zu keiner Zeit zu Wort kommen lassen.
In Montpellier zu gewinnen ist alles andere als einfach - erst recht, weil Hamburg schon wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen hat. Ohne Pascal Hens, Torsten Jansen und auch Marcin Lijewksi, da muss man trotz des Skandals erst einmal gewinnen (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Montpellier ist ja keine schlechte Mannschaft, und die Atmosphäre dort ist sehr hitzig. Dennoch hat der HSV das sehr souverän gelöst.
Auch die Füchse haben in Szeged sehr deutlich gewonnen, da muss man ebenso den Hut vor ziehen. Wenn man auswärts in der Champions League gewinnt, dann heißt das schon was.
Alle drei Teams sind auf einem guten Weg, das Achtelfinale zu erreichen.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Kretzsche
Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.