DHB-Kritik wird für Stenzel zum Bumerang
Hamburg - Die heftige Attacke von Vlado Stenzel gegen das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) wird für den ehemaligen Bundestrainer immer mehr zum Bumerang.
Statt am Tag nach den Rücktrittsforderungen gegen die Verbandsspitze um Präsident Ulrich Strombach und DHB-Manager Heiner Brand Unterstützung zu ernten, hagelte es Kritik an Stenzels Äußerungen.
Während der DHB eher kontrolliert zur Gegenoffensive überging, platzte Bob Hanning der Kragen.
"Das ist unglaublicher Nonsens und vollkommen überzogen", sagte der Manager der Füchse Berlin: "Wenn Heiner Brand im Urlaub ist, dann ist er im Urlaub. Das ist sein gutes Recht. Es ist seine Entscheidung, er braucht sich dafür nicht öffentlich zu rechtfertigen."
Wunderlichs Tod für "eigene Schlagzeilen"?
Zudem geißelte der Vizepräsident der DKB Handball-Bundesliga (HBL) das Verhalten von Stenzel.
Die vom Weltmeister-Trainer geäußerte Forderung nach einer sofortigen Neubesetzung der Verbandsspitze kann Hanning nicht nachvollziehen: "Mir fehlt jedes Verständnis dafür, den Tod eines Menschen für eigene Schlagzeilen zu nutzen. Er nutzt jede Gelegenheit, sich in die Öffentlichkeit zu drängen."
Hanning spricht von Eigenverantwortung
Stenzel und Ex-Bundestrainer Simon Schobel hatten die DHB-Spitze zuvor heftig attackiert, weil keiner der Funktionäre an der Trauerfeier für Erhard Wunderlich in Augsburg teilgenommen hatte ( BERICHT: Bewegender Abschied von Wunderlich).
"Natürlich muss da jemand hin, die Frage stellt sich für mich nicht", sagte Hanning, "aber es sollte jedem selbst überlassen sein, ob er zu einer Beerdigung geht oder nicht."
Kritik an Wunderlich
Zudem erinnerte der 44 Jahre alte Füchse-Boss, der selbst als einer der größten Kritiker des Verbandes gilt, daran, dass Jahrhunderthandballer Wunderlich eine durchaus streitbare Person gewesen sei.
Er sei nicht jedermanns Freund gewesen "und auch nicht immer ein Freund des Handballs", betonte Hanning.
Kretzsche sieht "keine Alternative"
Stefan Kretzschmar nannte das DHB-Versäumnis in seiner SPORT1-Kolumne "despektierlich und traurig" ( EXKLUSIV: Kretzschmars Kolumne).
Der Verband habe schon "viele Möglichkeiten versäumt, etwas für unsere Sportart zu tun", sagte der Ex-Nationalspieler: "Aber man wird müde, die Missstände immer wieder anzuprangern."
Von einer Rücktrittsforderung distanzierte er sich: "Es nützt auch nichts, wenn die Leute zurücktreten und wir momentan keine Alternative haben."
Er setzt auf eine neue Verteilung der Ämter bei den Präsidiumswahlen 2013 und schlägt Hanning, Brand und Andreas Thiel als mögliche Alternativen für die Strombach-Nachfolge vor.
Brand vermutet Kommunikationsprobleme
Unabhängig von den Äußerungen Hannings ging Brand, der die deutschen Handballer 2007 zum WM-Titel geführt hatte, am Dienstag in den Angriffsmodus über.
"Ich habe es mir abgewöhnt, irgendwelche Gänge von Vlado Stenzel an die Öffentlichkeit, die er so sehr liebt, zu kommentieren. Das ist nicht mein Ding", sagte Brand zu "Spox".
Über die Tatsache, dass kein DHB-Vertreter bei der Trauerfeier war, sei er ebenfalls nicht erfreut gewesen: "Da hat es wohl Kommunikationsprobleme gegeben."
Bedauern bei Strombach
Präsident Strombach teilte in einer Stellungnahme mit, er habe erst am Dienstagmittag nach der Rückkehr von einer DHB-Dienstreise von dem Termin der Beisetzung erfahren.
Zu diesem Zeitpunkt habe er "die schon für Mittwoch anstehenden beruflichen und privaten Termine nicht mehr absagen" können, heißt es in der Mitteilung.
Er "bedaure dies sehr" und habe es auch Wunderlichs Frau Pia "in einem Kondolenzbrief mitgeteilt".