"Hut ab, HSV"
Hallo Handball-Fans,
Hut ab vor der Leistung des HSV Hamburg in der Champions League gegen Belgrad.
Partizan ist zwar vermutlich der schwächste Gruppengegner mit durchschnittlichem Bundesliga-Niveau, aber angesichts der vielen Verletzten war das stark vom HSV - und mit 7:1 Punkten in der Königsklasse läuft es zumindest dort rund und man kann sich nicht beklagen.
Mit Stefan Terzic haben die Hamburger ein Talent mit viel Entwicklungspotenzial in ihren Reihen. Er ist jung, Linkshänder und auch körperlich gut entwickelt. Es reicht zwar natürlich noch nicht für die Welt- und Bundesligaspitze, aber er ist einer, der in zwei bis drei Jahren in der Bundesliga eine gute Rolle spielen kann.
Unerklärlich dagegen ist der Ausrutscher der Norddeutschen beim Remis gegen Neuhausen - wohl auch für alle Hamburger. Den Sieg in den letzten Sekunden aus der Hand zu geben ist brutal. Hans Lindberg hat nach dem Spiel die mannschaftliche Geschlossenheit der Neuhausener gelobt. Diese hatte der HSV anscheinend nicht.
Neuhausen hat sich nach allen Regeln der Kunst gewehrt und einen Riesenfight hingelegt. Es geht halt nicht, dass man mit angezogener Handbremse spielt. Man muss immer alles geben - selbst gegen den Tabellenletzten. Das hat man auch in den ersten 30 Minuten der Partie Essen gegen Kiel gesehen.
Für den HSV ist es natürlich schade, dass man einen Punkt abgegeben hat, denn gegen einen Aufsteiger muss man beide Punkte eigentlich behalten.
Flensburg hat beim Remis in der Champions League gegen Leon das Spiel eigentlich kontrolliert. Die letzte Schiedsrichter-Entscheidung war frech. Angeblich soll es im Kreis abgestanden gewesen sein, was diskussionswürdig ist.
Ein Spiel in Leon ist aber auch kein Selbstläufer. Das ist eine Mannschaft mit viel Erfahrung, die schon lange in der Champions League spielt und Flensburg hat nicht schlecht gespielt.
Aber bei dem Programm, das die deutschen Mannschaften absolvieren, ist es insgesamt beachtlich, wie sie sich aus der Affäre ziehen.
Zu Kiels Niederlage in Veszprem lässt sich sagen, dass die Ungarn superstark waren. Die haben individuelle Klasse und ein fantastisches Publikum. Ich sehe die sogar als Kiels Haupt-Konkurrenten Nummer eins auf den Gewinn der Champions League.
Aufseiten des THW muss man sich nichts vorwerfen. Es war ein Spiel, das man verlieren kann. Die Kieler haben das Spiel nicht leichtfertig aus der Hand gegeben und ich habe dieses starke Handballspiel genossen.
Den Rhein-Neckar Löwen traue ich derweil zu, ihren Lauf in der Bundesliga fortzusetzen. Sie haben eine starke Mannschaft und ich wüsste nicht, warum der Lauf nun ins Stocken geraten sollte.
Aber natürlich wird auch da ein Rückschlag kommen, weil sie nicht so dominant wie Kiel sind. Sie überraschen mich dieses Jahr aber wirklich positiv.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Kretzsche
Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.