Stefan Kretzschmar glaubt, dass der Bundestrainer in Sachen WM-Absagen mehr weiß. Auch bei Michael Kraus ist er skeptisch.

Hallo Handball-Fans,

zurzeit möchte ich nicht in der Haut von Martin Heuberger stecken. Denn die Nominierung des Kaders für die WM im Januar ist wohl die bislang schwierigste Aufgabe für den Bundestrainer.

Mimi Kraus beispielsweise bringt eine Qualität mit, die dem deutschen Team gut zu Gesicht stehen würde. Ob er die in der Konstanz auf die Platte bringt, die unserer Mannschaft hilft, ist aber die Frage. Sollten Stefan Kneer und Sven-Sören Christophersen rechtzeitig für die WM fit werden, wird Heuberger wohl nicht auf Mimi zurückgreifen.

Heuberger hat Holger Glandorf, der seine WM-Teilnahme wegen Herz-Kreislaufproblemen abgesagt hatte, den nötigen Ehrgeiz bei der Nationalmannschaft abgesprochen.

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Als Bundestrainer hat er den Einblick alle Geschichten, die da gelaufen sind. Deshalb darf er sich auch eine persönliche Meinung erlauben. In dieser Situation ist es schwierig, ein Urteil zu fällen. Denn es ist Ermessenssache jedes Einzelnen, ob er in der Nationalmannschaft spielen möchte. Da muss sich jeder selbst hinterfragen, wo seine Prioritäten sind, wo sein Herz ist.

Glandorf zeigt momentan Woche für Woche, dass er zurzeit der wohl stärkste deutsche Nationalspieler ist. Als Verantwortlicher ist man da enttäuscht, seinen stärksten Spieler nicht mitnehmen zu können.

Auch ich als Handball-Fan bin traurig, dass Glandorf nicht dabei sein wird. Er hat mir seine Beweggründe erklärt. Das ist von seinem Blickwinkel aus nachvollziehbar. Trotzdem bleibt bei mir Trauer und Enttäuschung, dass er nicht dabei ist.

Der THW Kiel ist in der DKB Handball-Bundesliga nach der Heimpleite gegen Melsungen gegen Wetzlar knapp an der nächsten Niederlage vorbeigeschrammt. Ein Sieg von Wetzlar wäre für mich gar keine so große Überraschung gewesen. Sie sind in einer hervorragenden Verfassung mit viel Selbstvertrauen und spielen eine super Saison.

Kiel ist einfach deshalb nicht mehr so dominant wie letztes Jahr, weil sie vor dieser Saison nicht die Vorbereitung hatten wie im vergangen Jahr. Sie mussten viele Spieler an die Nationalmannschaften abstellen. Aber ich weigere mich, mich darüber zu ärgern. Es ist doch gar nicht so verkehrt, wenn die Spiele spannender sind.

Viel mehr stört mich, dass bei der THW bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres nicht mal unter die Top 3 kam. Nach der Saison, die sie im letzten Jahr gespielt haben, ist das schon ein Schlag ins Gesicht.

Als erste Profimannschaft eine Saison zu null zu gewinnen, das Triple zu holen, und dann Fünfter zu werden, finde ich schon ganz schön frech. Ich ärgere mich maßlos darüber, dass man sogar hinter Borussia Dortmund gelandet ist.

Beim HSV Hamburg lichtet sich das Lazarett langsam wieder. Am vergangenen Wochenende hat Jogi Bitter sein Comeback gegeben. Mich hat es gefreut, dass er gegen Lemgo nicht nur zurückkam, sondern auch ein spielentscheidender Mann war und Akzente setzen konnte. Schön, dass er wieder die Bundesliga bereichert.

Auch die baldige Rückkehr von Torsten Jansen wird dazu führen, dass sie in Hamburg etwas durchatmen können.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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