Stefan Kretzschmar ist von der bisherigen HBL-Spielzeit begeistert und sagt einen Dreikampf um die Meisterschaft voraus.

Hallo Handball-Fans,

was war das für ein starker Auftritt der SG Flensburg-Handewitt gegen den THW Kiel!

Die SG war für mich schon vor der Saison der Kiel-Jäger Nummer eins und die Deutlichkeit des Sieges ist ein ordentliches Ausrufezeichen. Flensburg hat der Liga gezeigt, dass auch der THW nicht unantastbar ist.

Kiel dagegen war viel zu statisch und hat gegen die aggressive Abwehr keine Lösungen gefunden. Stattdessen sind sie immer wieder in Gegenstöße gerannt.

Wer Alfred Gislason kennt, der weiß: Er wird seine Jungs in der Vorbereitung jetzt ordentlich fit machen. Die Spieler bekommen die Analyse der Flensburg-Pleite sicher auch noch in den Urlaub geschickt.

Der THW ist mit seinem Kader natürlich immer noch der Topfavorit und wird das ernst nehmen.

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Flensburg kann den "Zebras" am ehesten gefährlich werden und ihre Dominanz eindämmen. Dazu noch die Rhein-Neckar Löwen, die mich mit ihrer starken Hinrunde überrascht haben und kurioserweise zeigen, dass sie mit weniger Geld erfolgreicher sind.

Das Titelrennen wird zwischen Flensburg, Kiel und den Löwen ausgetragen.

Insgesamt ist die Liga enger zusammengerückt, und das ist superwichtig für die Attraktivität! Bis runter zu den Abstiegsplätzen ist es brutal spannend.

Auf einmal können Mannschaften wie Hannover-Burgdorf und Wetzlar für Überraschungen sorgen und nach vorne in die Phalanx der Großen einbrechen.

Die Spieler kommen gegen Kiel oder den HSV nicht in die Halle und wissen vorher, dass sie verlieren. Im Gegenteil: Viel mehr Teams können mithalten und auch gewinnen.

Insgesamt ist das eine sehr geile Saison für die Fernsehzuschauer, die Fans in der Halle und alle Beteiligten.

Teams wie Hannover und Wetzlar haben sich intelligent verstärkt und für ihre Kader genau die passende Philosophie entwickelt.

Neuhausen gebührt der allerhöchste Respekt, dass sie bei ihrem Etat arrivierten Bundesligisten das Leben schwer machen und Punkte einfahren. Ich hätte keinen Pfifferling darauf gesetzt, dass Neuhausen eventuell die Liga hält.

Die Traditionsklubs Gummersbach und Großwallstadt enttäuschen dagegen und stecken im Abstiegskampf. Auch der TuS N-Lübbecke und Frisch Auf! Göppingen bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Hamburg hatte einen großen Aderlass, konnte sich trotz Verletzter aber so durchmogeln und ist noch im Rennen um die Champions-League-Plätze. Gerade die Spiele in Göppingen, in Berlin und gegen die Löwen waren aber sicherlich katastrophal. Das kann nicht der Anspruch des HSV sein.

Was Deutschlands Chancen bei der WM angeht, bin ich optimistisch.

Wenn Heubergers Philosophie greift und die Spieler mit einer enormen Portion Leidenschaft und Teamgeist in Spanien auftreten, können wir etwas bewegen. Die Erfahrenen müssen vorweg gehen, als starke Persönlichkeiten auftreten und damit die Jüngeren mitreißen.

Das Achtelfinale muss unser Ziel sein. An guten Tagen können wir fast jeden schlagen und ich hoffe, die Spieler wissen, was für den deutschen Handball auf dem Spiel steht. Ich fahre optimistisch nach Spanien, weil es an der Zeit ist, dass wir etwas beweisen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 39, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.