Stefan Kretzschmar erhofft sich von Kraus' Wechsel nach Göppingen dessen Rückkehr zu alter Stärke. Vom HSV ist er beeindruckt.

Hallo Handball-Fans,

der Wechsel von Michael Kraus vom HSV Hamburg zu Frisch Auf Göppingen ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten ideal (655271DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).

Man muss bei so einem Wechsel immer unterscheiden, was man sportlich und was man persönlich erreichen möchte. Mimi sollte sich zunächst einmal darauf konzentrieren, wie er sich persönlich am besten weiterentwickeln kann und von daher ist diese Entscheidung pro Göppingen durchaus richtig. Immerhin hat der Göppinger Trainer Velimir Petkovic in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er Mimi in den Griff bekommt.

Beim HSV hingegen kam Mimi nie richtig zum Zuge und hat nur selten zu seiner Topform gefunden. Das kann natürlich auch an äußeren Umständen gelegen haben.

Ich hoffe jedenfalls, - auch für den deutschen Handball - dass er in Göppingen an seine glorreichen Zeiten von früher anknüpfen kann und wieder zu einem Thema für die Nationalmannschaft wird.

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Die Deutlichkeit, mit der die Hamburger bei den Rhein-Neckar Löwen gewonnen haben, hat mich indes beeindruckt. Damit war im Vorfeld nicht zu rechnen.

Die Löwen haben ihre so häufig gelobte Defensive aber auch zu keiner Phase des Spiels auf das Parkett bekommen.

Der HSV hingegen hat hervorragend verteidigt, Torhüter Jogi Bitter sehr überzeugend gehalten. Insgesamt war das eine der besten Leistungen des HSV, die ich in dieser Saison gesehen habe, und dementsprechend ist dieser Sieg auch absolut verdient.

Im Gegensatz zu den Löwen scheint den Hamburgern die WM-Pause richtig gut getan zu haben. Das liegt natürlich auch daran, dass sich zahlreiche ihrer Spieler erholen und auf die Liga vorbereiten konnten.

Andererseits hat aber auch Domagoj Duvnjak seine tolle Form über die WM hinweg gehalten und Igor Vori drückt dem Spiel ohnehin seinen Stempel auf. Zudem ist Jogi Bitter zurück und der befindet sich aktuell auch in einer glänzenden Verfassung.

Fakt ist: Wenn alle Spieler des HSV ihr Optimum abrufen, verfügt diese Mannschaft über eine Qualität, wie sie in Deutschland nicht allzu weit verbreitet ist.

Was den Titel betrifft, habe ich von Anfang an gesagt, dass Flensburg der Kiel-Jäger Nummer eins sein wird.

Die Löwen haben zweifellos eine tolle Hinrunde gespielt, aber sie haben eben auch noch ein schweres Restprogramm. Da besteht die Gefahr, dass Teams wie Flensburg, die Füchse oder auch der HSV noch an ihnen vorbeiziehen.

Kiel ist und bleibt der Topfavorit auf die Meisterschaft und wird sie sich wahrscheinlich auch nicht mehr nehmen lassen. Aber Flensburg ist meiner Meinung nach die Mannnschaft, die ihnen am ehesten noch gefährlich werden kann.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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