Der Meister steht fest. Immerhin verspricht die EM-Qualifikation gegen Tschechien große Spannung - auch weil Roggisch fehlt.

Hallo Handball-Fans,

ohne großartig Spannung aus der Saison nehmen zu wollen - der THW Kiel ist Meister. Zu dieser Prognose lasse ich mich nach dem Sieg gegen den HSV und dem Unentschieden der Löwen hinreißen.

Das direkte Duell zwischen dem THW und den Löwen steht zwar noch aus, allerdings sehe ich im Restspielplan der Kieler keine weiteren Stolpersteine, die ein Einbüßen des Drei-Punkte-Vorsprungs möglich machen würden.

Auf den beiden Plätzen dahinter sehe ich die Rhein-Neckar-Löwen und Flensburg, die sich gegen Berlin extrem stark präsentiert haben. Der vierte Rang könnte im Falle eines Triumphs einer deutschen Mannschaft in der Champions League ebenfalls noch zur Teilnahme an der kommenden Champions-League-Saison berechtigen.

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Ein Kandidat sind die Füchse aus Berlin. Die wurden jedoch am Wochenende von den Flensburgern gedemütigt. Gerade im Rückraum haben die Füchse unterirdisch gespielt.

Das Berliner Ausscheiden in der Champions League war unglücklich. Die Niederlage gegen Flensburg aber war eine Blamage, die den Füchsen zu denken geben sollte. Die Verunsicherung ist den Spielern anzumerken.

Spieler wie Jaszka und Christophersen sind von ihrer Normalform weit entfernt. Wenn die Füchse auch im nächsten Jahr in der Champions League spielen wollen, müssen sie sich in den kommenden Schicksalswochen deutlich steigern.

Vor allem auch weil der HSV alles versuchen wird, noch einen Champions-League-Platz zu erobern. Die Hamburger spielen eine konstante Rückrunde und hätten gegen Kiel durchaus gewinnen können. Der Kampf um Platz vier verspricht in jedem Fall noch eine Menge Spannung.

Nicht weniger spannend werden die EM-Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien. Fehlen wird dort Oliver Roggisch. Die Verletzung tut mir besonders für ihn selbst leid. Vor allem weil er in einer unglaublich starken Verfassung war. Wieder zu dieser Form zurückzufinden, dürfte gerade in seinem Alter nicht allzu einfach werden.

Die Löwen sind ja ohnehin schon von Personalsorgen gebeutelt. Die Verletzung von Roggisch wiegt da umso schwerer.

Und auch für die Nationalmannschaft ist dieser Ausfall enorm bitter. Sein Wert für das Team ist nicht zu unterschätzen.

Roggisch ist dort ein absoluter Führungsspieler, der dem jungen Team vor allem auch mit seiner Erfahrung sehr weiterhilft. Ich denke sogar, dass Roggischs Ausfall der Nationalmannschaft in Sachen Außenwahrnehmung schadet. Ein Gegner wie etwa Tschechien hat vor einem Team mit Roggisch sicherlich mehr Respekt als vor einem Team ohne ihn.

Ich lege mich aber dennoch fest: Deutschland schafft die Qualifikation.

Ob wir diese Prüfung aber letztlich bestehen, hängt einzig und allein von der Frage ab: Wie kann das Team mit Druck umgehen? Bei der WM hat im Prinzip niemand etwas von dieser Mannschaft erwartet. Jetzt müssen die Deutschen überzeugen.

Ich glaube deshalb an das Team, weil ich denke, dass die Jungs bei der WM gereift sind und gelernt haben, Spiele auf höchstem Niveau zu bestreiten. Gegen Tschechien wird ganz Handball-Deutschland der Nationalmannschaft die Daumen drücken.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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