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Dan Beutler (l., mit Valero Rivera) wechselt für wenige Monate zu El Jaish nach Katar © getty

Dan Beutlers Wechsel in den Wüstenstaat offenbart einen Trend, der mit Blick auf die WM 2015 neue Dimensionen annimmt.

Von Annette Bachert

München - Überraschend kam Dan Beutlers Wechsel nach Katar nicht.

Dass der schwedische Keeper seinen HSV Hamburg in der wichtigsten Phase der Saison hängen lässt, ist aber doch ein wenig verwunderlich.

Erst vergangene Woche - genau fünf Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale - erbat sich Beutler ein paar freie Tage, um Angelegenheiten über seine persönliche Zukunft zu klären. Drei Tage später stand seine sofortige Verpflichtung beim Hauptstadtklub El Jaish fest.

"Der Wechsel nach Katar hat mich nicht überrascht", sagte SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Ich kann es niemandem verdenken, wenn er dort anheuert und noch mal Geld verdient."

Jicha mit Katar-Kurzeinsätzen

Schließlich ist Beutler nicht der erste europäische Top-Spieler, der den Weg in die Wüste und damit auch zum großen Geld sucht.

Für den Super Globe beispielsweise, die Vereins-Weltmeisterschaft des Weltverbandes IHF, verpflichten Katars Spitzenklubs seit eh und je Top-Stars aus Europa.

So kam auch der Kieler Filip Jicha 2003 und 2004 beispielsweise zu Kurzeinsätzen für Al Ahli und Al Arabi.

Geld ist das Stichwort

Doch viel wichtiger als der Erfolg beim Super Globe sind die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft 2015, die ähnlich wie im Fußball (2022) überraschend an den Wüstenstaat vergeben wurde.

Um bis dahin eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammen zu stellen - der 16. Platz als bestes WM-Resultat datiert aus dem Jahr 2003 - locken die Kataris eben mit viel Geld. Bei der WM 2013 trat der Wüstenstaat bereits mit einer Mischung aus Kataris, gebürtigen Ägyptern, Algeriern und Tunesiern an.

Kretzschmar rechnet mit Rivera

Nun soll auch noch ein großer Name helfen. Niemand Geringeres als der spanische Weltmeister-Coach Valero Rivera soll die Verantwortung für die Kataris übernehmen.

"Ich gehe zu 100 Prozent davon aus, dass Rivera neuer Auswahlcoach von Katar wird", ist sich "Kretzsche" sicher.

Und fügt an: "Soweit ich informiert bin, könnte Inaki Urdangarin, der Schwiegersohn des spanischen Königs, in Katar als Sportdirektor anfangen. Und der würde Rivera wohl gerne mitnehmen."

Rivera auf der Tribüne

Der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt soll seine Arbeit als Nationalcoach bereits aufgenommen haben, dies berichtete die "Marca".

Bei der Partie zwischen Meister Lekhwiya SC (das Team von Islands Handball-Legende Olafur Stefansson) und El Quiyada saß der 60-Jährige auf der Tribüne, um einige seiner zukünftigen Spieler zu beobachten.

Kretzsche: Keiner der ersten Garde

Auch der ehemalige Hamburger Beutler könnte dann für den Wüstenstaat bei der WM auflaufen.

Denn die Katari werfen mit Geld um sich, um europäische Spitzenspieler für ihr Nationalteam zu gewinnen.

"Von der ersten Garde des Welthandballs wird da aber keiner mitmachen", ist sich Kretzschmar sicher: "Das liegt schon daran, dass sie vor ihrem ersten Spiel für Katar drei Jahre lang kein Länderspiel für eine andere Nation bestritten haben dürften."

Talente fordern und fördern

Andererseits ist es durchaus denkbar, dass die IHF eine solche Regelung noch kippt, die Sperrzeit verringert oder ganz abschafft. Dann könnten Akteure, die noch bei der WM in Spanien für ihr Geburtsland aufliefen, in Katar für den Gastgeber spielen.

Der dänische Nationalspieler Nikolaj Markussen lehnte Ende des vergangenen Jahres noch ein solches Angebot mit Einbürgerung ab.

Aber die Katari bemühen sich um die Stars nicht nur, um ihre Nationalmannschaft direkt zu stärken. Auch in der Liga sollen die ausländischen Spitzen-Handballer die einheimischen Talenten fordern und fördern.

"Das Potential ist da", schwärmt Markussen, der seit Ende März 2013 für El Jaish auf Torejagd geht. "Die Mannschaft besteht aus jungen Nationalspielern aus Ägypten und Katar. Das sind talentierte Spieler, aber sie brauchen noch ein wenig Disziplin", analysierte der dänische Rückraum-Riese nach seinem Einstand.

"Sie sind unsere helfenden Hände"

Das Kuriose dabei: Die Kataris statten ihre Importe mit einem Pass aus und lassen sie als Einheimische spielen - schließlich ist nur ein Ausländer pro Team erlaubt.

"90 Prozent der Einwohner sind Ausländer. Hier setzt man in allen Bereichen auf Experten aus anderen Ländern. Das ist im Sport nicht anders", erklärte auch der ehemalige Hamburger Renato Vugrinec, der nach der Pleite von RK Celje 2011 zu Al-Sadd wechselte. "Ich sehe mich hier als Helfer und nicht als jemand, der nur die Kohle abzieht."

Al-Rayyan-Coach Brahim Jabbes philosophiert über Spieler wie Stefansson und Beutler gar: "Sie sind unsere helfenden Hände."

In der Liga - und vielleicht auch im Nationalteam bei der WM 2015.

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