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Adalstein Eyjolfsson (r. mit Branimir Koloper) ist Trainer beim ThSV Eisenach © imago

Der Traditionsklub steht vor der Rückkehr ins Oberhaus. Sorgen bereitet jedoch die fehlende erstliga-taugliche Spielstätte.

Eisenach - Handball-Euphorie am Fuße der Wartburg: Thüringens Traditionsverein ThSV Eisenach steht kurz vor dem Bundesliga-Aufstieg, dem dritten nach 1991 und 1997.

Die Freude über das mögliche Comeback des DDR-Feldhandballmeisters von 1958 in der Beletage wird allerdings vom Fehlen einer bundesligatauglichen Spielstätte getrübt.

"Die Situation ist nicht einfach. Unsere Werner-Aßmann-Halle erfüllt nicht die für die Bundesliga entwickelten Standards. Wir streben eine Ausnahme-Genehmigung an, aber eine Entscheidung ist nicht gefallen", schildert Manager Karsten Wöhler die aktuelle Situation.

Zwar sind mehr als 3000 Zuschauer in der in die Jahre gekommenen Multifunktions-Arena möglich.

Keine Halle verfügbar

Aber die nach dem Eisenacher Handball-Idol der 50er Jahre, Werner Aßmann, benannte Halle weist nicht die von der Handball-Bundesliga (HBL) geforderten Tribünen auf beiden Längsseiten des Spielfeldes auf.

Ausweichen beispielsweise in die etwa 70 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Erfurt kommt nicht in Frage, laut Wöhler ist im ganzen Bundesland Thüringen keine geeignete Halle verfügbar. "Entweder die Halle anpassen oder Neubau", das sind seine Alternativen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dabei halten die Verantwortlichen beim ThSV den Druck in ihrer aktuell komfortablen Aufstiegssituation bewusst hoch und führen andere sportliche Prestige-Objekte des kleinen Bundeslandes ins Feld.

Das Geld fehlt - woanders nicht

So entstand im nahen Oberhof mit Millionenunterstützung des Freistaates kürzlich ein moderner Skitunnel, dort soll das Wintersport-Zentrum mit enormen Mitteln fit für eine künftige Bewerbung um Biathlon-Weltmeisterschaften gemacht werden.

Außerdem sollen die niederklassigen Dritt- und Viertligisten von Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena insgesamt 50 Millionen Euro teure neue Fußball-Arenen erhalten.

Für eine wenigstens erneuerte Handball-Arena fehlt jedoch das Geld.

Zuschauerschnitt steigt

Dass sich das Hallenproblem durch den Nichtaufstieg der Eisenacher quasi von selbst löst, wird mit jedem Sieg der vom Isländer Adalsteinn Eyjolfsson betreuten Mannschaft unwahrscheinlicher.

Schon zehn Auswärtssiege stehen zu Buche, daheim stieg der Zuschauerschnitt mit den Erfolgen um 17 Prozent auf knapp 2000.

"Nach dem achten Platz der Vorsaison wollten wir den Aufwärtstrend fortsetzen und die Voraussetzungen für einen Angriff auf die Bundesliga in der kommenden Saison schaffen. Wenn es jetzt aktuell schon klappt, wäre das eigentlich zu früh, aber wir wehren uns natürlich nicht dagegen", sagt Wöhler.

Miljak bleibt nur bei Aufstieg

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist trotz eines auch für Zweitliga-Verhältnisse schmächtigen Haushalts von 1,1 Millionen Euro (der Tabellenführer Bergischer HC arbeitet mit 2,4 Millionen) gegeben.

Kontrakte mit Top-Leuten wie dem kroatischen Nationalspieler Duje Miljak sind die Ausnahme. Der 2,02 Meter große Rückraumspieler bleibt nur im Aufstiegsfall.

Dann soll der Etat moderat auf 1,5 Millionen steigen, womit der ThSV mit Abstand Liga-Schlusslicht wäre.

"Weil wir finanziell konservativ und solide arbeiten", sind laut Wöhler Probleme mit der beantragten Erstliga-Lizenz nicht zu erwarten - wenn da nicht die Probleme mit der Spielhalle wären.

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