In seiner Sport1.de-Kolumne schreibt Florian Kehrmann über die überzogenen Ablösesummen in der Liga und den Sieg über die Löwen.

Liebe Handball-Freunde,

gegen die Rhein-Neckar Löwen hat man am Samstag von Anfang an gesehen, dass wir das Spiel gewinnen wollen, denn wir wussten, dass es unsere letzte Chance ist, vernünftig aus der Saison zu kommen.

Zwar haben wir im Europa-Pokal gegen Bjerringbro-Silkeborg am Mittwoch ein gutes Spiel hingelegt, sind aber leider an einem Tor gescheitert. (Datencenter: Ergebnisse EHF-Pokal)

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Das war schon sehr ärgerlich, aber wir sind nicht gegen irgendeine Mannschaft ausgeschieden, sondern gegen den dänischen Spitzenreiter. Die dänische Liga ist mittlerweile sehr stark. Insgesamt haben wir es verpasst, uns in Dänemark eine bessere Ausgangsposition zu schaffen, denn da war der Gegner nicht ganz so gut.

Im Lemgo war das anders, sie haben sehr diszipliniert gespielt und letztlich hat ein Tor den Ausschlag gegeben. Das lief schon sehr unglücklich.

Jetzt müssen wir in der Bundesliga alles dransetzen, die Champions-League-Quali zu schaffen. Das ist unser letztes Ziel, und es ist ein großes Ziel. Durch den Sieg gegen die Löwen haben wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht, denn wir haben fünf Punkte zwischen uns und die Löwen gebracht.

Zudem zeigte Holger Glandorf in seinem ersten Spiel für Lemgo, dass er eine sehr, sehr gute Alternative für uns ist, zum Beispiel für die einfachen Tore aus dem Rückraum. Da sind wir nun viel variabler.

Ein anderes Thema ist derzeit die Finanzpolitik in der Liga. Dass die Löwen für Nikola Karabatic mehr als eine Million Euro zahlen wollen, wie Geschäftsführer Thorsten Storm erklärte, sollen sie zwar ruhig machen. Das ist ein Angebot- und Nachfrage-Prinzip.

Ob sie aber damit glücklich werden, ist die andere Sache. Ich bleibe dabei, Verträge sind da, um eingehalten zu werden. Dass man sich dann mit diesem "Schmerzensgeld" trösten kann, ist aber das Recht der Vereine. Allerdings finde ich diese Beträge schon überzogen.

Da muss man auch im Zuge der Finanzkrise ein Auge drauf werfen, denn da werden noch Folgen auf uns zukommen. Sponsoren, die Einbußen hatten, werden natürlich in den nächsten Jahren nicht sagen, wir haben noch Geld über. Im Sport wird man das zeitverzögert merken. Ob man mit Gehaltsobergrenzen da entgegen wirkt, ist eine Möglichkeit.

Wichtiger ist es, die Auflagen zu verschärfen, damit die Etats gedeckt sind. Denn da gibt es noch einige Lücken in der Bundesliga. Es wird zwar immer Unterschiede zwischen den Klubs geben, wie im Fußball, wenn der FC Bayern gegen Köln spielt. Trotzdem haben auch diese kleineren Klubs die Chance, die Großen zu schlagen.

Momentan ist in der HBL schon eine große Kluft da, doch was ich viel schlimmer finde ist, dass es sportlich keinen Absteiger gibt. Das darf in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Euer Florian Kehrmann

Florian Kehrmann, 31, spielt seit 1999 in Lemgo. Mit dem TBV wurde Kehrmann 2002 Deutscher Pokalsieger und 2003 Deutscher Meister. In Ljubljana holte der Nationalspieler nach Platz zwei bei der WM 2003 und bei der EM 2002 den Europameister-Titel 2004. 2007 wurde er dann mit der Brand-Truppe Weltmeister. Zudem stand Kehrmann bei Olympia in Athen mit dem DHB-Team auf dem Podest, holte dort Silber. Seit Jahren gehört Deutschlands Handballer des Jahres 2003 und 2005 zu den besten Rechtsaußen der Welt. Informationen zu unserem Sport1.de-Kolumnisten finden Sie unter www.florian-kehrmann.de

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