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Nationalspieler Christian Dissinger steht nach der Atletico-Pleite ohne Verein da © getty

Christian Dissinger spricht bei SPORT1 über die Zeit zwischen Reha und Vereinssuche, neue Ziele und potentielle Arbeitgeber.

Von Annette Bachert

München - Kreuzbandriss Nr. 1, Kreuzbandriss Nr. 2 und die Pleite Atletico Madrids - und das alles in rund zweieinhalb Jahren.

In seiner jungen Karriere hat Christian Dissinger in kürzester Zeit einiges miterleben müssen.

Doch der 21-Jährige weiß, was er will und was er kann. Der Halblinke gilt als eines der größten Talente auf der Königsposition, war Junioren-Weltmeister 2011 und wurde zum MVP des Turniers gewählt.

Momentan allerdings ist der Nationalspieler vereinslos, die Zukunft ungewiss.

Im SPORT1-Interview spricht Christian Dissinger über die schwierige Zeit zwischen Reha und Vereinssuche, angepasste Ziele und potentielle neue Arbeitgeber.

SPORT1: Herr Dissinger, wie geht es Ihnen, und wie läuft die Reha?

Christian Dissinger: Mir geht es gut. In der Reha läuft alles nach Plan - das sieht gut aus. Momentan bin ich im Aufbautraining, kann schon bald wieder joggen und dann ins Wurftraining einsteigen.

SPORT1: Sie sind erst 21, haben sich bereits zweimal das Kreuzband gerissen. Macht Ihnen das manchmal Angst? Gerade wenn man Leidensgeschichten wie die von Oscar Carlen sieht.

Dissinger: Nein, überhaupt nicht. Vor allem, weil ich die Verletzungen an beiden Knien und nicht zweimal am selben hatte. Das ist für mich nicht so dramatisch. Es ist aber schon schwer, wenn man wieder ein halbes Jahr oder länger pausieren muss.

SPORT1: Hinzu kam die Pleite ihres Klubs Atletico Madrid (News), bei dem Sie erst kurz zuvor unterschrieben hatten. Haben Sie den Schock verdaut?

Dissinger: Ja, das ist vorbei. Ich schaue jetzt nach vorne. Aber natürlich ist es schade, dass die ganze Mannschaft auseinanderbricht. Es hätte viel Spaß gemacht. Ich habe dort ja auch nicht einfach unterschrieben, ich hatte mir schon etwas dabei gedacht und einige Gespräche gehabt.

SPORT1: Viele Spieler haben bereits neue Vereine gefunden. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Dissinger: Ich bin erst einmal in den Urlaub gefahren, um den Kopf frei zu bekommen. Und jetzt müssen wir uns mit der Vereinssuche beschäftigen. Wenn alles in der Schwebe ist, dann denkt man schon oft darüber nach. Aber ich versuche, mir so wenig wie möglich einen Kopf zu machen und das als Vorteil zu sehen - so kann ich mich voll und ganz auf die Reha konzentrieren. Und es gibt auch schon einige Anfragen. Ich hätte nicht erwartet, dass sich so viele Clubs melden. Es stellt sich nur die Frage, ob ich erst ab Januar einsteige, oder direkt schon bei einem Verein unterschreiben soll.

SPORT1: Wirklich? Erst im Januar?

Dissinger: Ja, theoretisch schon. Ich will den richtigen Verein finden und keinen Schnellschuss machen. Das muss einfach passen. Der Verein muss mir vertrauen können und ich möchte nicht nochmal so eine Situation erleben.

SPORT1: Sie haben gesagt, es sei immer Ihr Plan gewesen, frühzeitig zu einem Top-Klub zu gehen - und viel Spielzeit zu bekommen. Müssen Sie da nun vielleicht Abstriche machen?

Dissinger: Ich will nach wie vor möglichst in der Champions League und bei einem Top-Klub viel spielen. Das wäre in Madrid der Fall gewesen. Ja, es ist immer möglich, dass ich Abstriche machen muss, aber warten wir doch einfach ab. Darüber mache ich mir weniger Gedanken, denn jetzt will ich erst mal wieder fit werden, um auf der Platte zu stehen.

SPORT1: Nach welchen weiteren Kriterien wählen Sie die Vereine aus?

Dissinger: Im Vordergrund steht, wie es mit der Reha laufen soll. Trainingsmöglichkeiten, Trainer, Perspektiven des Vereins, Zukunftsdenken, inwieweit sie mit jungen Leuten arbeiten wollen - da spielt vieles mit rein.

SPORT1: Welcher deutsche Klub käme denn für Sie in Frage?

Dissinger: Lassen Sie mir die Zeit, die Dinge zu sortieren. Aber in der Bundesliga gibt es einige Klubs, die für Spieler sehr gute Möglichkeiten und das passende Umfeld bieten.

SPORT1: Wäre Flensburg ein Verein für Sie?

Dissinger: Ich denke, die sind voll auf halblinks, haben ja gerade noch einen Serben geholt. Aber prinzipiell ist Flensburg immer interessant. Ich denke, dass deren Etat ausgeschöpft ist. Insofern wird von Flensburg kein Interesse da sein.

SPORT1: Wie sieht es mit Kiel aus?

Dissinger: Die sind übervoll auf halblinks. Jetzt kommt Duvnjak noch 2014. Da denkt man bestimmt nicht über mich nach.

SPORT1: Hat der HSV Interesse angemeldet?

Dissinger: Ich stehe mit Martin Schwalb sporadisch in Kontakt - aber schon seit ein, zwei Jahren.

SPORT1: Und wie sieht es mit Klubs wie Wetzlar und Lemgo aus, die viel mit jungen, auch deutschen Nationalspielern arbeiten?

Dissinger: Ich weiß zwar, wer da spielt, aber ansonsten kenne ich diese Klubs kaum. Ich weiß nicht, wie dort die Trainer, Trainingsmöglichkeiten etc. sind, also kann ich da wenig darüber sagen.

SPORT1: Coach Talant Duschebajew wollte Sie unbedingt haben, sie wollten unter ihm trainieren. Welche Rolle spielt er auf der Suche nach einem neuen Verein?

Dissinger: Wir sind in regelmäßigem Kontakt. Und das soll auch so bleiben. Und wir haben gesagt, dass wir uns gegenseitig informieren, sobald es etwas Neues gibt. Ich wäre glücklich gewesen, mit ihm arbeiten zu können. Ob das in der Zukunft möglich ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich zerstreut es uns alle quer durch Europa oder Katar oder sonst wohin. Grundsätzlich würde ich mich freuen, wenn es irgendwann mal klappen würde. Ich bin ja noch relativ jung, er ist auch nicht der Älteste (lacht). Aber das kann man nicht voraussagen.

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